© Preußische Allgemeine Zeitung / 17. Dezember 2005

Bauarbeiten brachten es an den Tag
Deutsche Grabsteine und Druckplatten der Reichspost in Königsberg unter der Erdoberfläche entdeckt
von Manuela Rosenthal-Kappi

Immer wieder treten bei Bauarbeiten in Königsberg die Spuren seiner deutschen Bewohner zutage. Vergangenen Monat stießen Bauarbeiter gleich an zwei verschiedenen Orten auf interessante Funde.

In der Brandenburger Straße sollte direkt am Eingang der Privatisierungsbehörde der Asphalt erneuert werden. Dabei stieß ein Arbeiter mit seinem Brecheisen auf einen schwarzen Stein. Die Straßenarbeiter fingen an zu graben und brachten neun deutsche Grabsteine zum Vorschein. Es fanden sich sowohl Grabsteine mit Inschriften als auch Rohlinge an der Stelle.

Auf einem der Grabsteine war sogar noch die Inschrift deutlich zu erkennen: Hanz, geb. 3. Januar 1922, gest. 23. Januar 1944 als Gefreiter. Auf dem Marmor waren ein Hakenkreuz und das Eiserne Kreuz eingraviert. Wie der hinzugezogene Heimatforscher Boris Adamow berichtete, befand sich an dem Ort, wo die Grabsteine gefunden wurden, der kleine Park „Friedrichsruh“. Ein Stück weiter, im Stadtteil Ponarth, war der Neue Haberberger Friedhof angesiedelt. Wie der Heimatforscher vermutet, haben die Sowjets die Grabsteine von dem Friedhof weggeholt, um damit den Straßenuntergrund zu befestigen.

Mitarbeiter der Kriegsdenkmälergesellschaft haben die Grabsteine in ihre Obhut genommen. Nur auf zweien der neun Steine konnten die Namen der Verstorbenen entziffert werden. Diese wurden an die Menschenrechtsorganisation „Memorial“ weitergeleitet, die sich seit Jahren unter anderem um das Schicksal von Opfern der sowjetischen Gewaltherrschaft kümmert. Ihr Direktor Wjatscheslaw Nagornow hat die Daten an seine Kollegen in der Bundesrepublik Deutschland weitergegeben, damit diese versuchen können, etwas über die Toten in Erfahrung zu bringen.

Ein weiterer Fund gelang Bauarbeitern am Oberrollberg, westlich vom einstigen Königsberger Schloß, wo das neue Handelszentrum „Kaliningrad-Plaza“ entstehen soll. Dort stießen Bagger auf ein paar große Behälter, aus denen kleine Metallplatten herausfielen. Bei den Fundstücken handelte es sich um Zinkplatten, auf denen die Namen und Adressen ehemaliger Königsberger eingraviert waren. Zum Beispiel der der Blumenzüchterin Herta Ambrosius, Hufenallee 57/59 und der von Otto Slemties, Beethovenstraße 32. Neben den Adressen von Personen und Firmen aus Königsberg fanden sich auch Adressen aus ganz Ostpreußen, von Danzig, Memel, Allenstein bis Rauschen. Wahrscheinlich stammen die Zinkplatten aus der ehemaligen Königsberger Hauptpost und wurden zum Drucken von Adressen genutzt. Auf ihnen befanden sich sogar noch Reste eingetrockneter Druckerschwärze. Die Hauptpost befand sich genau an der Stelle, wo die Zinkplatten gefunden wurden und wo nun das neue Handelszentrum gebaut wird.

Die Funde sind nun im Besitz des staatlichen Archivs für das Königsberger Gebiet, wo sie einer eingehenden Untersuchung unterzogen werden.


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