© Preußische Allgemeine Zeitung / 29. April 2006

Gesundheitsbewußt
Fast 80 Prozent aller Fleischer verwenden heute schon Jodsalz
von Mine Matern

Bereits von 60 bis 80 Prozent aller Fleischbetriebe wird heute schon Jodsalz verwendet, dagegen läßt das gesundheitsbewußte Verhalten der Lebensmittelindustrie noch viel zu wünschen übrig. Darauf machte Professor Peter C. Scriba vom Klinikum der Universität München und Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel kürzlich im Münchner Presseclub aufmerksam. Schließlich braucht der Mensch Jod, das von der Schilddrüse zum Aufbau von Schilddrüsenhormonen benötigt wird, auch schon vor seiner Geburt. Diese Erkenntnis ist wichtig, bevor ein Kropf - auch Struma genannt - sichtbar wird und Stoffwechselstörungen auftreten. Solch ein Kropf ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Je länger kein Jod aufgenommen wird, um so größer werden dann Atem- und Schluck-beschwerden.

Schon heute müssen sich pro Jahr etwa 60000 Bundesbürger einer Radio-Jod-Therapie unterziehen. Noch mehr: Etwa 100000 müssen jährlich an der Schilddrüse operiert werden. Erste Anzeichen dieser schleichenden Krankheit: Man fühlt sich matt und müde. Das kann zu Depressionen, Obstipation (Verstopfung), Gewichtszunahme und verlangsamten Reflexen führen. Besonders groß sind die Gefahren des Jodmangels für Kinder. Es können Wachstumsstörungen bis hin zu geistigen Behinderungen auftreten, auf jeden Fall sind Konzentrationsschwäche und eine generelle Leistungsminderung zu beobachten.

Deutschland ist ein ausgeprägtes Jodmangelgebiet. Bisher decken die erwachsenen Bundesbürger nicht einmal die Hälfte ihres täglichen Jodbedarfs.

Der Grund dafür liegt im Boden, der zu wenig Jod enthält. Nach der letzten Eiszeit ist das Jod mit dem Schmelzwasser der Gletscher in die Meere gespült worden. Sowohl das Trinkwasser wie auch die Pflanzen sind ausgesprochen jodarm. Da Tiere Pflanzen fressen, wirkt sich das naturgemäß bei ihrem Fleisch aus.

Angesichts möglicher Gesundheitsschäden ist der Metzger herausgefordert. Er kann gegensteuern und der Gesellschaft durch umsichtiges Verhalten hohe Kosten ersparen.

Zu achten ist allerdings darauf, daß Menschen mit Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse sich auch bei loser, das heißt unverpackter Ware, durch die Angabe der Zutaten verläßlich informieren können. Mehr entsprechende Kennzeichnung ist also nötig.

Die geschätzte Jodmenge, die über die tägliche Nahrung einschließlich jodiertem Speisesalz derzeit aufgenommen wird, beträgt durchschnittlich 120 Mikrogramm pro Tag. Im Vergleich zu den Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und den Fachgesellschaften in Österreich und der Schweiz (D-A-CH) und dem Bundesinstitut für Risikoforschung vom Februar 2006 von 180 bis 200 Mikrogramm pro Tag besteht also noch eine Versorgungslücke von etwa 60 bis 80 Mikrogramm pro Tag. Schwangere brauchen bis zu 230 und Stillende bis zu 260 Mikrogramm pro Tag.

Außer mit jodiertem Pökelsalz hergestellten Wurst- und Fleisch-waren enthalten Fisch (besonders Schellfisch, Seelachs, Kabeljau und Rotbarsch), Milch und Eier natürliches Jod. Allerdings hängt bei den Milchprodukten und Eiern der jeweilige Jodgehalt von der Jahreszeit und der Art der Tierfütterung (jodangereichertes Kraftfutter) ab. Unsere höchste Institution in Sachen Gesundheit - die Weltgesundheitsorganisation in Genf - legt allen die konsequente, dauerhafte und universelle Jodsalzverwendung ans Herz. Konkret: Mehr als 90 Prozent aller Privathaushalte sollen Jodsalz verwenden. 95 Prozent der gesamten Lebensmittelherstellung und des Speiseangebotes sollten mindestens 15 Milligramm pro Kilo (15 Mikrogramm/pro Gramm Salz) Jod enthalten.

Durch umsichtiges Verhalten hohe Kosten sparen


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