© Preußische Allgemeine Zeitung / 20. Mai 2006

Aufgeschreckt
Tschechei sucht Stätte für deutsche Gebeine
von Jochen Arp

Für die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge geborgenen Gebeine von 4000 gefallenen deutschen Soldaten und getöteten Zivilisten, die in einer stillgelegten Fabrik in Aussig im nördlichen Böhmen in Pappkisten gestapelt worden sind (PAZ Nr. 13), zeichnet sich eine Zwischenlösung ab. Wie der Volksbund mitteilt, haben sich seine Beauftragten mit Vertretern des tschechischen Verteidigungsministeriums und der Stadtverwaltung Aussig getroffen, nachdem tschechische und deutsche Zeitungen über diese "Schande für Deutschland" berichtet hatten. Auch der Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier setzte sich in Gesprächen mit seinem tschechischen Kollegen in Prag für eine Lösung innerhalb der nächsten zwölf Monate ein. Die Tschechen boten dem Volksbund jetzt an, die Pappsärge zunächst in Räumen innerhalb eines militärischen Sperrgebietes in Pribram, 35 Kilometer östlich von Pilsen, das von Unbefugten nicht betreten werden kann, aufzubewahren. Die Särge sollen bereits in diesen Tagen von tschechischem Militär überführt worden sein.

Der Volksbund sucht weiter "mit Hochdruck" nach einer geeigneten Fläche. Das Problem, in Tschechien ein geeignetes Gebiet für einen würdigen Friedhof zu finden, liegt in der Weigerung tschechischer Gemeinden, eine Fläche zur Verfügung zu stellen. Der zunächst ins Auge gefaßte ehemalige deutsche evangelische Friedhof in Prag, der nach Kriegsende nicht mehr benutzt worden ist, verwildert. Das Prager Denkmalschutzamt verlangt vom Volksbund enorme Zahlungen, die der Volksbund aus den Spenden nicht aufbringen kann.

Daß viele Jahre lang in der Tschechei angeblich kein geeigneter Platz zu finden gewesen ist, die Überreste von 4000 toten Deutschen angemessen zu begraben, ist offenbar bei der tschechischen Regierung jetzt auf Unbehagen gestoßen. Jedenfalls möchte sie, daß die Affäre "auf keinen Fall" die, wie sie sagt, "hervorragenden" deutsch-tschechischen Beziehungen gefährdet. Es handele sich lediglich um ein "technisches Problem".

Die Gefallenen und die ermordeten deutschen Zivilisten konnten bisher nur zum Teil identifiziert werden. Jetzt sollen die bei der Bergung erstellten Umbettungsprotokolle vordringlich vom Volksbund bearbeitet werden. Dort erfolgt dann anhand des Erkennungsmarkenverzeichnisses und der sonstigen umfangreichen Archivunterlagen die endgültige Klärung des Schicksals der Toten. Erst dann, so teilte der Volksbund mit, können die Angehörigen gesucht und benachrichtigt werden.


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