© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. November 2006

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied

und Familienfreunde,

wohl denen, die jetzt in diesen Novemberwochen an die Gräber ihrer Lieben gehen können, um sie für die Winterruhe zu bereiten. Anderen, vor allem den Älteren aus unserem Lebenskreis, ist das nicht vergönnt, denn noch immer wissen viele nicht, wo ihre vermißten Angehörigen gestorben sind, wo sie begraben wurden. Und auch manches Familiengrab ist nicht mehr zu finden, die Steine sind verfallen, die Friedhöfe verwuchert. Solch einen verwilderten Kirchhof fand Gerd Lau aus Tornesch im Mai dieses Jahres vor, als er mit Sohn und Tochter das Grab seines Vaters Johann Lau auf dem Friedhof der Gemeinde Preußisch Rosengart, Kreis Marienburg, suchte. Seit Kriegsende war hier niemand mehr begraben worden, niemand hatte sich um die Totenstätte gekümmert. Betroffen über den traurigen Zustand des Kirchhofes faßten die Besucher den Entschluß, den Zustand zu ändern, um den dort Bestatteten eine würdevolle Ruhestätte zu geben. Mittlerweile stehen Vater und Sohn mit vielen Personen, Organisationen und Institutionen in Kontakt wie mit Peter Klassen von der "Polish-Mennonite Friendship Association", der sie mit vielen Informationen, auch über bereits erfolgte Arbeiten auf anderen Friedhöfen in Ost- und Westpreußen, versorgte. Gary Waltner von der Arbeit Mennonitischer Gemeinden stellte eine Liste der zwischen 1890 und 1943 verstorbenen Gemeindemitglieder zusammen. Auch seitens der polnischen Verwaltung von Preußisch Rosengart wurde Mithilfe bei der Restaurierung zugesagt, für die dank einer sich in Elbing konstituierten Stiftung bereits konkrete Pläne vorliegen. Zunächst ist eine Einzäunung des Friedhofgeländes und die Erneuerung des Eingangsportals vorgesehen, um dann schrittweise an die gesamte Umgestaltung des Kirchhofes gehen zu können. Gerd Lau hat auch bereits zu ehemaligen Bewohnern von Pr. Rosengart und deren Familien Kontakt aufgenommen und möchte diesen Kreis noch erweitern. Der Ort hatte vor der Vertreibung etwa 370 Einwohner. Vor allem ist Vater und Sohn daran gelegen, dieses aus Eigeninitiative entstandene, sich nun konkretisierende Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen - und dafür bietet unsere Ostpreußische Familie ja die beste Plattform. Für Zuschriften hier die Anschrift: Gerd Lau, Ahrenloher Straße 65 a in 15436 Tornesch, Telefon (0 41 22) 5 37 71, E-Mail: GerdLauTornesch@aol.com.

Von einem anderen Friedhof erzählt die nächste Geschichte - von einem, der nicht mehr vorhanden ist. Es war ein deutscher, und er ist erst im Jahre 1985 eingeebnet worden. Heute wird er als Park genutzt, und nichts erinnert mehr daran, daß er eine alte Totenstätte ist. Wo die Grabplatten geblieben sind? Eine ist gefunden worden - auf einer Fensterbank in einem Haus in dem östlich von Frankfurt / Oder gelegenen Schwiebus. Unser Leser Helmut Bargel hat uns dies mitgeteilt und berichtet auch Näheres über den Fund. Sein Schwager hat in Schwiebus ein Haus gekauft, einen Nachkriegsbau. Bei der Renovierung fand er die Grabplatte, die in die Fensterbank eingebaut worden war. Sie ist aus Marmor, also sehr kostbar, und wurde wohl deshalb für den Hausbau verwendet. Wer das tat, machte sich nicht einmal die Mühe, den Namen des Toten auszulöschen, dessen Grab sie einmal bedeckte: Richard Schön. Weitere Angaben wie Geburts- oder Sterbedaten und Hinweise auf den Wohnort - wahrscheinlich Schwiebus - sind nicht vorhanden. Der neue Besitzer wollte und konnte nicht mit dieser Grabplatte im Haus leben, er entfernte sie und stellte sie sicher, um sie vielleicht den Angehörigen von dem Mann zukommen zu lassen, dessen Name eingemeißelt ist. Oder wenigstens mit diesen in Verbindung zu treten, um mit ihnen zu besprechen, was mit der Grabplatte geschehen soll. Herr Bargel meint, daß wir es über unsere Ostpreußische Familie versuchen sollen, obgleich ja Schwiebus nicht in unserer engeren Heimat liegt, aber unser Leserkreis reicht weit, und die Ostpreußische Familie ist schon bei weitaus schwierigeren Fragen fündig geworden. Herr Bargel schreibt: "Deshalb hätte ich gerne Kontakt zu Leuten, die sich, wie Sie um Ostpreußen, um die Gegend um Schwiebus kümmern und mir vielleicht weiterhelfen könnten. Schwiebus ist nicht allzu groß, und so könnte der Name Richard Schön vielleicht ausreichen, um eventuelle Angehörige ausfindig zu machen." Besser hätte ich das auch nicht formulieren können. Zuschriften an Herrn Helmut Bargel, Engelbertstraße 62 a in 45739 Oer-Erkenschwick, Telefon (0 23 68) 5 85 23.

Und wir bleiben im östlichen Raum jenseits der ostpreußischen Grenzen. Aus Zlatow in Polen erhielten wir eine Suchfrage, gestellt von Alicja Danuta Piorkowska, geborene Adrian. Sie wurde in Petrikau geboren und sucht die Familie ihres Taufpaten, und das schon seit längerer Zeit. Aber alle Nachforschungen in Deutschland, wohin die Familie schon vor dem Russeneinfall auswanderte, blieben ohne Ergebnis. Nun gab ihr das Staatsarchiv in Berlin den Rat, sich an die PAZ und damit an unsere Ostpreußische Familie zu wenden, um vielleicht doch zu einem Ergebnis zu kommen. Natürlich freuen wir uns über diese - indirekte - Anerkennung unserer Arbeit und werden uns bemühen, die Suchfrage auf den richtigen Weg zu bringen, denn es gibt da erhebliche Schwierigkeiten. Zuerst mußten wir feststellen, wo Petrikau liegt, denn es gibt verschiedene Orte dieses Namens, und alle befinden sich im östlichen Bereich. Es muß sich um das im Bezirk Radom in Polen gelegene Petrikau handeln. Die Taufe erfolgte 1931 in der katholischen Kirche, der Taufpate, Karl Kryger, ein guter Freund der Familie, besaß ein Juweliergeschäft in Petrikau. Die Familie mußte aus diesem Ort stammen, denn auch seine Eltern lebten dort, sind aber 1937/38 nach Deutschland gezogen. Auch Karl Kryger ging 1944 aus dem damaligen Generalgouvernement in das deutsche Reichsgebiet, ob in den Wohnort seiner Eltern, ist nicht feststellbar, aber zu vermuten. Sein Sohn war gefallen, Tochter Regina begleitete die Eltern. Diese sollen inzwischen verstorben sein, aber Regina Kryger müßte heute noch leben, sie ist im gleichen Alter wie Alicja Danuta. In der polnischen Taufurkunde ist der Name des Paten als Karol Kryger eingetragen, Frau Piorkowska erwähnt aber den deutschen Vornamen Karl. Es könnte durchaus möglich sein, daß dieser sogar "Karl Krüger" lautet, vor allem nach der Übersiedlung nach Deutschland. Wir konzentrieren uns also auf die Suche nach einer Regina geborene Kryger, aus Petrikau, Bezirk Radom, die bei der Übersiedlung etwa 13 Jahre alt war. Sie dürfte geheiratet und einen anderen Namen haben. Es ist zwar kaum vorstellbar, daß sie - falls sie noch lebt - diese Zeilen liest, aber vielleicht helfen Bekannte weiter, unsere Ostpreußische Familie ist ja schon in manchen schwierigen Suchfällen fündig geworden. Wir versuchen es jedenfalls und warten - mit einem Minifünkchen Hoffnung. Wer nicht direkt an Frau Alicja Danuta Piokowska (77 - 400 Zlotow, Al. Piasta 50, Polen) schreiben will, kann sich an uns wenden.

Eure Ruth Geede


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