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17.02.07 / Keine Macht dem Mob! / Randalierende Fußballfans machen Deutschlands Stadien unsicher

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-07 vom 17. Februar 2007

Keine Macht dem Mob!
Randalierende Fußballfans machen Deutschlands Stadien unsicher
von Florian Möbius

Fans des Fußballvereins Paris St. Germain randalieren und jagen Anhänger der gegnerischen Mannschaft durch die Straßen der Seinemetropole. Die Übergriffe eskalieren, so daß ein französischer Polizist in Notwehr einen Fan des Pariser Vereins erschießt.

Durch Anhänger des niederländischen Spitzenvereins Feyenoord Rotterdam kommt es im Anschluß an ein Uefa-Cup-Spiel zu schweren Ausschreitungen.

Trauriger Höhepunkt dieser Gewaltausbrüche: Anfang Februar wird in Italien bei einem Spiel der Serie-A zwischen Catania Calico und US Palermo ein Polizist von sogenannten Fans mit einem Waschbecken zu Tode geprügelt.

Bei solchen Meldungen lehnt sich der bundesdeutsche Durchschnittsbürger gerne zurück und denkt: "Typisch, aber bei uns ist so was unvorstellbar."

Irrtum! In Deutschland wurde die Problematik gewaltbereiter Fußballanhänger nur in den unteren Spielbetrieb, das heißt Regional-, Kreisliga oder darunter, durch vielerlei Sicherheitsmaßnahmen (zum Beispiel Videoüberwachung und keine günstigen Stehplätze mehr) verdrängt. So kam es erst am vergangenem Wochenende zu gewalttätigen Ausschreitungen im Anschluß an die Begegnung zwischen Lokomotive Leipzig und Erzgebirge Aue II, wobei neben Rauchbomben und Feuerwerkskörpern auch Pflastersteine flogen. Der Polizei gelang es nur mit Mühe, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Auch dort, wie in Italien, wurden gezielt Polizisten angegriffen, teilweise direkt in ihren Streifenwagen mit Leuchtmunition attackiert. Laut Aussagen von Augenzeugen konnte sich ein Beamter in Zivil nur mit Warnschüssen verteidigen. Italien ist also nicht soweit entfernt, wie es die Verantwortlichen gerne hätten. So lobt der Leiter der "Koordinatiosstelle Fan-Projekte" (KOS), die eng verzahnte Zusammenarbeit im Dienste der Fußballanhänger. So sind die Klubs der ersten und der zweiten Bundesliga verpflichtet, einen festangestellten Fan-Beauftragten zu beschäftigen. "Seit fünf Jahren verbuchen wir stetig wachsende Zuschauerzahlen im Profi-Fußball. Das hat nicht nur mit der wachsenden Qualität des Spiels zu tun", sagte Gabriel. "Die Rahmenbedingungen stimmen. Die Leute gehen ins Station, weil sie sich sicher fühlen."

Das mag für die erste und zweite Liga zutreffen, aber dafür treffen sich die Chaoten nun in den unteren Klassen.

Die Polizei teilt Fußballanhänger, ihrer Gewaltbereitschaft entsprechend, in drei Kategorien ein. Kategorie A: der friedliche Fußballfan besucht ein Spiel aus Interesse am Sport. Kategorie B: der gewaltbereite Anhänger, der nicht auf Krawall aus ist, jedoch unter Alkoholeinfluß an entstandenen Auseinandersetzungen teilnimmt. Die sogenannten Ultras gehören in diese Kategorie. Kategorie C: der gewaltbereite und -suchende Fan. Fußball ist für diesen Nebensache. C-Fans treten überwiegend in Gruppen auf und nehmen die Veranstaltung als Gelegenheit wahr, aus Spaß an der Gewalt Auseinandersetzungen zu suchen und zu provozieren. Dieser Art "Fan" kommt man nicht mit Stadionverboten bei.

Auch die Mär, bei den marodierenden Anhängern in den neuen Bundesländern handle es sich "nur" um die Verlierer der Wiedervereinigung, trifft bei solchen Gestalten nicht zu. Natürlich verstärkt sozialer Abstieg durch Arbeitslosigkeit und Harz IV die Reihen derer, die als Mob durch die Straßen ziehen. Nicht umsonst werden als eine Ursache von Gewalt oft die sozialen Umstände genannt. Das Hauptproblem aber sind Hooligans.

Entgegen einer weitverbreiteten sehr oberflächigen Betrachtung handelt es sich hierbei nicht nur um "Prolls" (soziale Unterschicht). Ja, oftmals führen viele von denen sogar ein unauffälliges Berufsleben. Überraschenderweise setzt sich die Hooligan-Szene aus Arbeitern, Angestellten bis hin zu Akademikern zusammen - ade Vorurteil.

Für Verhaltensforscher ist dieses extreme Auftreten nur mit einem übersteigertem Aggressionspotential zu erklären, welches nicht frühzeitig gesellschaftlich sanktioniert wurde. Dazu kommen dann noch archaische Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Evolution eigentlich zurückgebildet haben sollten.

Nein, dieser Gruppe wird man nicht Herr, indem man sie mit einer "Streichel-Pädagogik" verhätschelt. Anhänger dieser Szene lieben den Kampf. Das Zelebrieren von Gewalt und die Kultivierung von Aggressivität sind deren Ziel. Dabei müssen als Feindbild die Fans des gegnerischen Fußballklubs oder die anwesenden Ordnungskräfte beziehungsweise Polizisten herhalten. Solange es eine derart aggressive Randgruppe im Fanbereich gibt, die ihre Befriedigung aus Gewalt bezieht, solange muß der Staat mit einer starken, ja martialischen Präsenz für Ruhe und Ordnung sorgen. Denn im Grunde sind Hooligans nur im Rudel stark, sobald eine zahlenmäßige Unterlegenheit vorhanden ist, ziehen sie sich zurück. Festgenommene gehören so schnell wie möglich vor ein Gericht gestellt, um abgeurteilt zu werden. Tat und Strafe müssen zeitlich nahe beieinander liegen.

Daß die Kosten für derartige Polizeieinsätze nicht nur bei den Ländern und Kommunen liegen bleiben dürfen, ist selbstverständlich. Der "Deutsche Fußball-Bund" verdient gut am deutschen Fußballanhänger. So mahnte dann auch DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger: "Wir sind uns unserer Verantwortung bewußt und werden alles tun, um im Fußball die Probleme zu lösen."

Foto: Leipzig Anfang Februar: Über 300 gewaltbereite Fans

 

Zeitzeugen

Giuliano Amato - Solange die Vereine das Problem mit ihren gewalttätigen Fans nicht in den Griff bekämen, werde er keine Polizisten mehr für Fußballspiele abstellen. Italiens Innenminister Amato (68) war stets ein Mann rigider Maßnahmen. Als italienischer Ministerpräsident (1992-1993) und (2001) galt der Sozialist als Verfechter einer strikten Sparpolitik, der wenig auf seine Popularität gab.

Luca Pancalli - Der 42jährige Pancalli wurde erst im September 2006 kommissarischer Leiter des Italienischen Fußballverbandes, nachdem die alte Führung wegen eines weltweit Aufsehen erregenden Skandals zurücktreten mußte. Pancalli ist eigentlich Fünfkämpfer und seit einem Sturz vom Pferd 1981 körperbehindert, ein Arm ist steif. Er ist Vizepräsident des Olympischen und Präsident des Paraolympischen Komitees von Italien.

Theo Zwanziger - Seit September 2006 ist der 1945 geborene Jurist und CDU-Politiker Zwanziger alleiniger Präsident des DFB. Ab 2004 hatte er sich das Amt zunächst mit Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder geteilt, um einer Kampfabstimmung zu entgehen. Zwanziger und Mayer-Vorfelder waren wegen ihrer Kritik am dann legendär geworden Bundestrainer Jürgen Klinsmann selbst unter Beschuß geraten.

Zinédine Zidane - Der Franzose gilt als einer der besten Fußballer aller Zeiten, 2001 wechselte der heute 34jährige für 71,6 Millionen Euro zu Real Madrid und ist somit der bislang "teuerste" Fußballer der Welt. Der Sohn algerischer Einwanderer galt stets als fair und ist in Frankreich äußerst beliebt, er ist aber auch aufbrausend. Als der Italiener Marco Materazzi ihn beim Halbfinalspiel der WM 2006 seine Schwester beleidigte, rammte Zidane ihn mit einem Kopfstoß und flog vom Platz.

Robert Hoyzer - Der 27jährige Berliner Ex-Schiedsrichter hat alle Chancen, als Schande des deutschen Fußballs in die Annalen einzugehen. Am 15. Dezember 2006 wurde er rechtskräftig zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, kommenden Monat soll er die Haft antreten. Hoyzer hatte aus Gewinnsucht Geld und Sachwerte angenommen und dafür Spiele manipuliert, damit eine Wett-Mafia große Summen einstreichen konnte.


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