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17.02.07 / Tote und Verletzte im Heysel-Stadion / Vor dem Europapokal-Endspiel 1985 erlebte der europäische Fußball eine seiner schwärzesten Stunden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-07 vom 17. Februar 2007

Tote und Verletzte im Heysel-Stadion
Vor dem Europapokal-Endspiel 1985 erlebte der europäische Fußball eine seiner schwärzesten Stunden
von Manuel Ruoff

Vor dem Anpfiff eines Europapokalendspieles zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin kam es am 29. Mai 1985 im Brüsseler Heysel-Stadion zu einer der größten Katastrophen der europäischen Fußballgeschichte. Um die britischen Hooligans von den italienischen Juventus-Fans im Stadion räumlich zu trennen, war der an den englischen grenzende Block Z für neutrale, sprich Zuschauer des gastgebenden Landes Belgien bestimmt. Ein korrupter Funktionär, der dafür später auch vor Gericht gestellt wurde, hatte jedoch Block-Z-Karten an italienische Reisebüros verkauft, so daß hier nun Engländer und Italiener Nachbarn waren. Das Unglück nahm seinen Lauf.

Nachdem schon am Mittag alkoholisierte Fans in der Stadt randaliert und bereits eine Stunde vor dem Anpfiff des Spiels die gegnerischen Fans sich - nun bereits im Stadion - mit Steinwürfen und Leuchtraketen auf der italienischen sowie Schmähgesängen und bengalischem Feuer auf der englischen Seite gegenseitig aufgestachelt hatten, versuchten um 19.45 Uhr mehrere hundert Fans des FC Liverpool den unplanmäßig von Italienern geprägten Block Z zu stürmen. Im angegriffenen Block entstand eine Panik. Bei dem Versuch, vor den Engländern zu fliehen, wurden viele der Zuschauer totgetrampelt oder an der Begrenzung des Blocks zerquetscht. Eine Flucht nach vorn auf das Spielfeld war nicht möglich, da dieses entsprechend der damaligen Sicherheitsphilosophie von der Zuschauertribüne abgesperrt war, um Spieler wie Schiedsrichter vor gewalttätigen Zuschauern zu schützen. Unter dem Druck gab schließlich nach mehreren Minuten eine seitliche Begrenzungsmauer der damals bereits fünfeinhalb Jahrzehnte alten Sportstätte nach, brach zusammen und begrub eine große Anzahl von Zuschauern unter sich. 31 Italiener, sieben Belgier und einen Franzosen kostete das Unglück das Leben. 454 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Trotz der Tragödie wurde das Spiel mit 87 Minuten Verspätung vom Schweizer Unparteiischen André Daina angepfiffen. Michel Platini, der einzige Torschütze, hat diese Entscheidung des europäischen Fußballverbandes Uefa, der - zahlenmäßig zu schwach vertretenen - Polizei und des Brüsseler Bürgermeisters mit einem ausgesprochen plastischen Vergleich erklärt: "Wenn im Zirkus der Seiltänzer abstürzt, schlägt die Stunde der Clowns."

Die Folgen waren vielfältig. Am Pranger standen vor allem die Engländer, aber auch Italiener und Belgier. Von den Hooligans wurden 14 zu Haftstrafen von bis zu drei Jahren verurteilt. Der FC Liverpool wurde für sieben und die anderen englischen Fußballvereine für fünf Jahre von allen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Doch auch Juventus Turin und der belgische Fußballverband wurden von der Uefa abgestraft. Belgien zahlte den Hinterbliebenen umgerechnet rund 1,25 Millionen Euro Entschädigung. Das Unglücksstadion blieb nach diesem 29. Mai 1985 mehrere Jahre ungenutzt. Erst nach einem Umbau in eine Multifunktionsarena und einer Umbenennung in "König-Badouin-Stadion" finden dort seit einem Einweihungsspiel am 23. August 1995 wieder Fußballspiele statt. Auch andere Stadien erfuhren bauliche Veränderungen. Vor allem wurden die Zäune beseitigt, welche die Zuschauer daran hinderten, auf das Spielfeld zu gelangen.


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