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17.02.07 / Unter Tränen tapfer lächeln / Mit Maria Schell konnten sich viele Frauen identifizieren - Ausstellung in Frankfurt am Main

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-07 vom 17. Februar 2007

Unter Tränen tapfer lächeln
Mit Maria Schell konnten sich viele Frauen identifizieren - Ausstellung in Frankfurt am Main
von Silke Osman

Ach ja, das Seelchen", manchmal klang es mitfühlend, gar mitleidend, wenn von ihr die Rede war. Oft genug aber hörte man tiefe Bewunderung aus Sätzen wie "Keine konnte so herzergreifend leiden und unter Tränen noch tapfer lächeln wie sie". Gemeint war immer Maria Schell (1926-2005), das Leinwand-Idol im Deutschland der 1950er Jahre. Mit O. W. Fischer zu einem frühen Traumpaar verbandelt, rührte sie die Zuschauer(innen) in der Adenauer-Ära zu Tränen. Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main würdigt derzeit das Schaffen der beliebten Darstellerin mit einer Sonderaustellung und setzt damit die Reihe zu bedeutenden Schauspielern wie Romy Schneider, Marlene Dietrich, Greta Garbo, Curd Jürgens und Klaus Kinski fort. Die Hommage, die als Wanderausstellung konzipiert ist, wird von einem Katalog (Henschel Verlag) und einer Filmreihe begleitet.

In acht Stationen wird der Werdegang der in Wien geborenen und in Zürich aufgewachsenen Maria Schell veranschaulicht. Die Filmarbeit wird dabei genauso gewürdigt wie ihre Auftritte im Theater und im Fernsehen, ein Medium, das sie zuerst in den USA nutzte, wo sie 1959 in der Hemingway-Verfilmung "Wem die Stunde schlägt" zu sehen war.

Zuvor jedoch hatte sie ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Nach einer kaufmännischen Ausbildung besuchte sie die Schauspielschule in Zürich und arbeitete parallel am Theater. Ihr erster großer Film "Der Engel mit der Posaune" erschien 1948, zuvor war sie bereits 1942 in einer kleinen Rolle in dem Film "Steibruch" zu sehen gewesen. Von da bis zur ARD-Vorabendserie "Die glückliche Familie", in der sie Ende der 80er Jahre als Mutter Maria Behringer der großen und kleinen Probleme ihrer Lieben Herr zu werden versucht, ist es ein weiter Weg.

Ein Weg, der sie von Zürich nach Wien und London, nach Frankreich und Italien, schließlich bis nach Hollywood führen sollte. Sie drehte mit international so berühmten Partnern wie Jean Marais, Yul Brynner, Gary Cooper, Glenn Ford, mit Dieter Borsche, Bernhard Wicki und Hardy Krüger. Regisseure wie Helmut Käutner, Robert Siodmak, Wolfgang Staudte oder Luchino Visconti ließen sich von ihr bezaubern.

Fotografien, Arbeitsdrehbücher, persönliche Notizbücher, Kalender, Verträge und Korrespondenz sind in der Frankfurter Ausstellung zu sehen, aber auch private Gegenstände wie ein geschnitzter Engel, eine Puppenstatue, ein vergoldeter Spiegel und eine Bronzebüste der jungen Maria Schell, die eigens zur Ausstellung an den Main gebracht wurden. Den Abschluß bildet ein Gemälde von Gottfried Helnwein, das die Schauspielerin als junge Frau zeigt und das bis zu ihrem Tod in ihrem Zimmer auf ihrer Alm in Kärnten hing.

Möglich geworden ist diese Ausstellung erst durch Marias Bruder Maximilian Schell, der den Nachlaß dem Museum zur Verfügung gestellt hat. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte der Schauspieler und Regisseur, der 2002 mit seinem Film "Meine Schwester Maria" in die Schlagzeilen geriet, über Maria: "Ich glaube, sie ist ein besonderes Phänomen. Weil sie in diese Nachkriegszeit als ein gesunder Mensch aus der Schweiz kam ... Das Wort bodenständig mag übertrieben klingen, aber das hat sie im Grunde gehabt und auch in ihren Rollen mitgebracht."

Es sei die Geschichte eines "Nachkriegswesens" gewesen. "Fast jede Frau konnte sich damit identifizieren. Ob nun Maria mit Mastroianni tanzt oder

Erika Müller mit ihrem Freund aus Stuttgart, ist nicht wichtig. Vielleicht steht der Mastroianni für den aus Stuttgart oder umgekehrt."

Maria verdanke so wie er viel dem Vater. "Der sagte immer: Nicht der Erfolg ist das allein selig machende, sondern das Bemühen darum. Manchmal ist der Kampf wichtiger als der Sieg." Eine Ausstellung wie die in Frankfurt sei "ganz schön: So wissen wenigstens ein paar nach zwei Jahren der Abwesenheit von Maria, daß sie einmal existiert hat."

Das Deutsche Filmmuseum, Schaumainkai 41, 69596 Frankfurt am Main, ist dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs und sonntags von 10 bis 19 Uhr, sonnabends von 14 bis 19 Uhr geöffnet, Eintritt Sonderausstellung 6 / 4,50 Euro, bis 17. Juni.

Foto: Große Partner: Maria Schell mit Jean Marais 1957 in Viscontis Film "Le Notti bianche"


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