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17.02.07 / Fast schon albern / Gentechnik als Horrorspiel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-07 vom 17. Februar 2007

Fast schon albern
Gentechnik als Horrorspiel

Michael Crichton, der in Harvard studierte Mediziner, ist ein Bestsellerautor, der, dem Genre Science-fiction verpflichtet, bislang alle gängigen Themen der Wissenschaft aufgenommen und in eine spannende Kriminalgeschichte verpackt hat.

Dabei wählte er Themen aus der Hirnchirurgie, der Nanotechnologie und letztens dem Klimawandel. Nun wird unter dem Titel "Next" die Genforschung vermarktet.

Dabei muß man dem Erfolgsautoren eine gründliche Recherche zubilligen, hier wird sogar die ethische und juristische Situation des amerikanischen und deutschen Rechtssystems dargestellt, so daß sich selbst das "Genethische Netzwerk Berlin" bedenkenträgerisch mit Monika Feuerlein zum Nachwort meldet.

Der "Spiegel" sieht daher in diesem Roman eine gewisse Wiedergutmachungsleistung an den durch seinen vorigen Roman "Welt in Angst" verletzten Gefühlen der grünen Natursanitäter. "Next" soll heißen, daß das, was hier in slapstickartiger Komik geschildert wird, bald Zukunft sein könnte.

Das würde uns neben menschlichen Klonen auch transgene Tier-Menschhybriden bescheren. Absurde Situationen: Crichton, von Kafka schon einmal im Bericht an eine Akademie vorgedacht, bringt uns einen mit Menschengenen ameliorierten Affen nahe und

einen sprechenden und rechnenden Graupapagei, die sich beide wacker für ihre wissenschaftlichen Väter einsetzen.

Der rote Faden der verschlungenen Handlungen dreht sich um einen Krebspatienten, der aus Rache an einer Gentec-Firma seine patentierte Zellinie verschwinden läßt.

Der Bösewicht ist eine beinahe jesuitische Goldzunge namens Dr. Bellarmino, die es immer wieder scheinbar schafft, Geld und Moral zu versöhnen. Am Ende scheitern aber seine Ambitionen und die Firma schlittert in die Insolvenz. Die Sympathie des Autoren ist uneingeschränkt auf Seiten der Kritiker des amerikanischen Rechtssystems, das es gestattet, Patente auf körperliche Produkte zu vergeben, die letztlich natürlichen Ursprungs und nicht veräußerbar sind. Nasen, meint Crichton, könne man nicht patentieren.

Er geht dabei durchaus in die Feinheiten juristischer Dogmatik, was allerdings den Spannungs- und Handlungsbögen nicht immer dient. Crichton möchte aber klarmachen, daß er nicht gegen Genforschung eingestellt ist, sondern nur die allgegenwärtigen kapitalistisch-amerikanischen Vermarktungsstrategien an den Pranger stellt.

Mit klammheimlicher Freude erklärt er wie der deutsche Philosoph Sloterdijk den gentechnischen Themenpark und die wissenschaftliche Ausweitung des Möglichkeitssinnes.

Als Resümee kann man sagen, seine Phantasie verdient einen Preis, doch die über 500 Seiten sind eine harte Geduldsprobe, wobei man sich immer motivieren muß, um die mangelnde Spannung auszugleichen und die allzu häufigen Szenewechsel gelassen zu ertragen. Holger von Dobeneck

Michael Crichton: "Next", Blessing Verlag, München 2007, geb., 539 Seiten, 22,95 Euro, Best.-Nr. 6067


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