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17.02.07 / Wozu ein guter Ruf? / Geliebte und Mätressen, die in die Geschichte eingingen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-07 vom 17. Februar 2007

Wozu ein guter Ruf?
Geliebte und Mätressen, die in die Geschichte eingingen

Es gibt Tage, da wünscht man sich leichte Unterhaltung, die gleichzeitig Informationen vermittelt und das menschliche Bedürfnis nach Skandalen befriedigt. Da man nicht immer nur Unterhaltungsmagazine wie "explosiv", "blitz" und "taff" sehen kann und möchte, empfiehlt sich manchmal auch der Griff zum Buch. Hier bietet sich "Die Frühstücksfrau - Vom Schicksal der Geliebten" an, das zugegeben nur historische Skandale und Liebesgeschichten beinhaltet, doch manchmal sind die noch viel besser als die gegenwärtigen.

Jedenfalls sind Mary Vetsera, Wilhelmine von Lichtenau, Christiane Vulpius, Simenons Teresa, Lola Montez, Konstanze von Cosel, die Marquise de Pompadour, Jeanne Du Barry und Katharina Schratt nicht von ungefähr in die Geschichte eingegangen. Von ihnen kann Frau noch was lernen - sollte sie die Karriere einer Geliebten anstreben, denn eine spätere Legalisierung ihres Verhältnisses durch Heirat war den Damen, so sie es denn überhaupt anstrebten, nicht vergönnt.

"Lola Montez scheint der Idealtyp der Geliebten gewesen zu sein - wenn man in dieser Hinsicht von Idealtyp sprechen kann. Sie war aufregend, hingebungsvoll, fordernd, und sie verschwand aus dem Leben ihres Geliebten, ohne seine Ehe zu zerstören. Zwei illegitime Jahre an der Seite eines Königs bedeuteten ihr mehr als eine lebenslängliche Ehe." Wobei hier anzumerken ist, daß die Montez Ludwig I. von Bayern zwar nicht die Ehe, aber schlußendlich seinen Thron gekostet hat.

Der Breslauer Philipp Vandenberg nimmt sich den Status der Geliebten und das Thema Treue sehr anschaulich vor. So schildert er, daß es beispielsweise bei Hofe als selbstverständlich galt, daß der Monarch seine Mätressen hatte. Da die Ehen bei Hofe meist aus politischen Gründen arrangiert worden waren, finanzierte und tolerierte der Adel bis zu einem gewissen Grad bereitwillig das außereheliche Liebesleben des Throninhabers - so lange die Damen nicht anfingen, Politik zu machen. Indes war die Position der Mätresse über Jahrhunderte hinweg für Frauen fast die einzige Möglichkeit, Politik zu machen, so sie es denn wollten. "Leidenschaftlich, klug und teuer waren nicht wenige, die sich in der Geschichte als Geliebte versuchten, fairerweise muß man sagen - die als Geliebte versucht wurden ... Und hier begegnen wir schon zu Beginn der ersten Ausnahme von der Regel. Jeanne-Antoinette (die Pompadour) wartete nicht, bis das Objekt ihrer Begierde auf sie zukam ... und handelte nach der Einsicht: Nichts ist so fragwürdig wie ein guter Ruf - die Opfer, die er uns abverlangt, sind viel größer als der Gewinn." Bel

Philipp Vandenberg: "Die Frühstücksfrau - Vom Schicksal der Geliebten", Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2007, 414 Seiten, 8,95 Euro, Best.-Nr. 6068


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