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17.02.07 / Putin-Residenz in Neukuhren / Präsident der Russischen Föderation soll neuen Dienstsitz an der Samlandküste bekommen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-07 vom 17. Februar 2007

Putin-Residenz in Neukuhren
Präsident der Russischen Föderation soll neuen Dienstsitz an der Samlandküste bekommen
von Jurij Tschernyschow

Der Präsident der Russischen Föderation soll eine Residenz in Neukuhren erhalten. Schon im Herbst vergangenen Jahres wurde öffentlich über den Bau eines zusätzlichen Dienstsitzes für Wladimir Putin im nördlichen Ostpreußen spekuliert. Die Regionalregierung wählte als Standortvorschläge drei Grundstücke in unterschiedlichen Ecken des Königsberger Gebiets aus - neben Neukuhren noch eines auf der Kurischen Nehrung und eines im Binnenland. In der Verwaltung des Präsidenten fiel die Entscheidung.

Neukuhren wurde erstmals 1297 in Chroniken als Siedlung erwähnt. Die natürliche Bucht der Siedlung schien ein idealer Ort für Fischerboote. Im Jahr 1904 wurde in der Bucht von Neukuhren ein Hafen gebaut, der bis in die jüngste Zeit genutzt wurde. 1924 wurde dieser Hafen zu einem Seehafen ausgebaut. Neukuhren war damals Hafenstadt und Kurort. Ab 1837 wurden Kuranlagen errichtet. Sanatorien, Pensionen und vornehme Villen schossen aus dem Boden. Mit ihrem breiten Strand und dem natürlichen Waldstreifen entlang der Küste zog der Ort viele Erholungssuchende an. Damals galt Neukuhren als Paradies. Die Schönheit des Ortes erschloß sich einem jedoch nicht gleich auf den ersten Blick. Man mußte Neukuhren schon durchwandern. Je weiter man durch Neukuhren schlenderte, desto mehr Schönheit und Anmut wurde das Auge gewahr: bewundernswerte Dorfstraßen, prachtvolle Gärten, beispielhafte Wanderwege, der breite Strand und das Meer.

Leider ist von dem Aufgezählten so gut wie nichts erhalten, außer der schönen Bezeichnung "Kurort Neukuhren". Heute gibt es dort keine Kuranlagen mehr. Ein chronisches Problem, das zum Himmel stinkt, kommt hinzu: Es vergeht kaum ein Jahr, in dem es nicht zu einem Unfall in dem nahegelegenen Klärsammelbecken kommt und Fäkalien direkt ins Meer gelangen.

Trotzdem ist man in Moskau schon Anfang der 90er Jahre auf Neukuhren aufmerksam geworden. Unter Jelzin entschied die russische Regierung, dem Ort den Status eines Kurorts zu verleihen. Zu entsprechenden Konsequenzen hat das allerdings nicht geführt. Die meisten Erholungssuchenden ziehen es deshalb vor, nach Rauschen, auf die Kurische Nehrung oder nach Cranz zu fahren.

Und dennoch soll hier in Neukuhren demnächst eine Residenz für den Präsidenten der Russischen Föderation entstehen. Für das Königsberger Gebiet bedeutet die Standortentscheidung eine große Chance, um die viele Regionen der Russischen Föderation sie beneiden. In Neukuhren ist das die derzeit meist diskutierte Neuigkeit. Die Bewohner können ihre Begeisterung kaum zurückhalten: "Es werden hervorragende Straßen gebaut, alles wird repariert. Alle werden mit Gas versorgt, das Meer und der Strand werden sauberer werden." In der Tat ist es wahrscheinlich, daß der Ort als Sitz des Staatsoberhauptes einen neuen Aufschwung erleben würde. Der Hafen würde zu einem Zentrum für die Ausflugsschiffahrt werden und eine Schnellstraße den Ort mit der Hauptstadt verbinden. - Ende dieses Jahres ist man schlauer.


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