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17.02.07 / Im Zauber der Ferne / Kapstadt - Der Süden Afrikas weist viele europäische Einflüsse auf

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-07 vom 17. Februar 2007

Im Zauber der Ferne
Kapstadt - Der Süden Afrikas weist viele europäische Einflüsse auf
von Renato Diekmann

Seit Tagen hat er Kapstadt keines Blickes mehr gewürdigt, hat sich eingehüllt in Nebelschwaden und versteckt unter dichten Wolken. Bis der Wind ihm am frühen Morgen die flauschige Decke entreißt und die Sicht freigibt auf das dunkle Urgestein im Süden Afrikas. Jetzt ist der Tafelberg, 1087 Meter hoch, wieder Herr der Lage und dem Himmel ganz nah. Strahlend wölbt er sich über das Wahrzeichen der Stadt, ein granitgrauer Koloß mit flachem Haupt, zerklüfteten Schluchten und scharfkantigen Klippen an den Flanken.

Für Liebhaber ist Kapstadt zweifellos die schönste Stadt der Welt, bunt und lebendig wie die Einwohner, die ihre Stadt stolz "Mother City" nennen. Welche Metropole hat schon einen Tafelberg zu bieten und eine Küste, an der sich die Wellen zweier Ozeane brechen. Das berühmte Hafenviertel ist Kapstadts gute Stube und Vergnügungsmeile bis spät in die Nacht - ein belebter und beliebter Ort mit schicken Boutiquen, gut besuchten Kneipen und eleganten Restaurants mit internationaler Küche. Hier beobachtet man einfahrende Segelschiffe und in See stechende Hochseefrachter, vertreibt sich die Zeit auf Ausflugsbooten und steht staunend vor haushohen Ozeanriesen, die am Pier vor der klassischen Fassade des Table Bay Hotels für zwölf Stunden festmachen. Zwischen signalrotem Clock-Tower und pastellfarbener Alfred & Victoria-Wharf flanieren Einheimische und Besucher aus aller Welt. Spendierfreudige Gäste applaudieren Akrobaten, belohnen Musikanten und Tänzer mit klingender Münze. Bei jeder noch so flüchtigen Begegnung ist der weltoffene Charakter der kosmopolitischen Metropole am Kap der Guten Hoffnung hautnah zu spüren.

In keinem anderen Naturreservat trifft man auf so viele Tiere wie im Norden von Sabi Sand, das Teil des Krüger Nationalparks ist. Kaum haben die Touristen eine Nashornfamilie fotografiert, versperrt ein Büffel ihren Weg. Er stampft die Hufe wütend in den Boden, daß es staubt; die Augen unter den mächtig geschwungenen Hörnern beglotzen die Eindringlinge. Plötzlich gellen markerschütternde Schreie durch den Busch, denen die erfahrenen Ranger und Fährtensucher im offenen Land Rover unverzüglich folgen. Eine Herde Impalas bildet einen lockeren Halbkreis um den Unglücksort und betrauert eine vor wenigen Minuten gerissene Gazelle. Das blutjunge Tier befindet sich in den Klauen eines Leoparden. Ausgestreckt liegt er da, mit bebendem Körper, von der Jagd noch völlig außer Atem. Jetzt schnellt er hoch, hebt wachsam den schwarz gesprenkelten Kopf und die Nase in den Wind. Entschlossen nimmt er das erlegte Wild zwischen die Reißzähne, erklimmt geschickt den steil gen Himmel ragenden Stamm und bringt die schwere Beute vor gierigen Hyänen auf eine knorrige Baumgabel in Sicherheit. Fasziniert zücken die Beobachter ihre Kameras und bannen alles auf Speicherkarte.

Am Abend erwartet die Gäste ein prasselndes Lagerfeuer in der Mitte der Siedlung, wo hübsch gedeckte Tische einen Halbkreis bilden und zum Dinner bitten. Gekonnt zelebriert die Küchencrew im Schein brennender Fackeln das traditionelle "Braai", Südafrikas beliebtes Barbecue, bei dem riesige Rindersteaks, Lammkoteletts oder ganze Fische über Holzkohle gegrillt werden. Das üppige Buffet bietet neben allerlei schmackhaften Zutaten noch das landestypische "Bobotie", ein deftiger Hackfleischauflauf mit Aprikosen, Bananen und Reis, kräftig gewürzt mit feurigem Curry.

Die "Elephant Plains Game Lodge" liegt in einem blühenden Garten im Schutz urwüchsiger Eichen. Die traditionellen Rundhütten und Luxus-Chalets, durch einen schmalen Laufsteg miteinander verbunden, sind wie Logenplätze auf die Natur ausgerichtet und fügen sich harmonisch ein in die ursprüngliche Landschaft.

Drinnen liegen Gäste auf weißen Laken, strecken alle Viere von sich. Unter dem aufgespannten Mücken-Netz lauschen sie den Geräuschen der Wildnis, hören Grillen zirpen, Frösche quaken, Äste, die unter den Füßen der Elefanten knacken, wundern sich über seltsame Laute, die zu nachtschlafender Zeit, ohne Fährtensucher, nicht zuzuordnen sind.

Die Küste von De Kelders gilt als einer der besten Plätze in Afrika für die Beobachtung der Wale, erklären Lainy und Stanley stolz. Sie heißen ihre Sommergäste auf der Terrasse allabendlich zum Sonnenuntergang mit Prosecco wie langjährige Freunde willkommen. Stanley lacht nach fast jedem Satz, und spricht deutsch. Die guten Sprachkenntnisse verdankt er seinen Großeltern aus dem fränkischen Ansbach. Buntes Hemd und kurze Hose geben kräftige, sonnengebräunte Arme und Beine preis, das dunkelbraune Haar trägt er zu einem Zopf gebunden straff nach hinten gekämmt. Der in Swakopmund geborene Namibier hat sein erstes Hotel im südafrikanischen Paarl eingetauscht für einen Logenplatz am Meer: die Whalesong Lodge - ein kleines, liebevoll geführtes Gästehaus am wild-romantischen Cliff De Kelders mit Blick auf die malerische Walker Bay, ein Naturreservat mit einsamen Stränden, bizarren Felsen, weitläufigen Sanddünen und blühenden Fynbos. Es erstreckt sich im weiten Bogen von Hermanus bis Gansbaai, einem verträumten Fischerdorf, das durch weiße Haie weltbekannt wurde, nach denen abenteuerlustige Gäste in den tiefen Gewässern vor der Küste tauchen.

Am liebsten möchte man für den Rest seines Lebens innehalten, einen Sundowner nach dem anderen schlürfen, die Aussicht aufs Meer und die atemberaubende Schönheit der Landschaft genießen. Logenlätze in Südafrika gibt es genug. Der Blumen- und Kräutergarten ist berauschend und betört die Sinne. Der Duft von Kamille, Minze, Lavendel, Zitronenmelisse, Margariten, Hortensien, Proteas und Strelitzien zieht über den Seerosenteich. Frösche protestieren quakend gegen die Dämmerung des Tages. Am Biotop posieren Fischreiher, Enten und Webervögel wie Models um die Wette, während die Rhodesian Ridgeback-Rüden Konrad und Rocky neu angereisten Gästen nicht mehr von der Seite weichen, um diesen ihr Reich vorzustellen, das sie Tag und Nacht beschützen. Es liegt in der Nähe von Paarl und gehört Fred Uhlendorff. Im Leben des Mathematikers hat sich seit seinem Abschied aus Deutschland einiges geändert. Aus dem versierten Manager und international erfolgreichen Unternehmensberater ist ein zufriedener Gutsherr geworden, der nun Urlaubsgäste verwöhnt, traumhafte Hochzeiten und romantische Flitterwochen vor traumhafter Kulisse arrangiert - Heiner Lauterbach und Ehefrau Viktoria zählten zu seinen Flitterwochengästen.

Fred Uhlendorff serviert seine neueste Rotweinkreation. Er hat sie im Kellergewölbe aus den eigenen Reben gewonnen. Alles selbstgemacht, betont er stolz und nimmt einen Schluck vom süffigen Cuvée. Selbstgemacht sind auch sein kalt gepresstes Öl aus den Oliven und die Guava-Marmelade, die der Gast je nach Gusto morgens frisch aufs Toastbrot streichen kann. Das Frühstück unter freiem Himmel im Schutz riesiger Eichen ist grandios und nicht zu toppen. Der Tisch, stilvoll mit kostbarem Porzellan und afrikanischem Silber gedeckt, dekoriert mit Rosenblättern und zartem Grün aus dem Garten, könnte schöner nicht sein.

Rund um das Palmiet Valley Estate locken Abenteuer und Sehenswürdigkeiten. Einige davon gibt es in der nahe gelegenen Stadt Paarl, die ihren Namen von den Granitkuppen herleitet, die wie Perlen glänzen, wenn die Sonne morgens auf die taufrischen Felsen fällt. Hoch am Berg steht das Wahrzeichen der Stadt: das Taal-Monument, Denkmal und Museum für die Sprache Afrikaans, die aus dem Idiom der holländischen Einwanderer entstanden ist. An

Paarl's Main Road stehen sehenswerte Häuser und die schöne, strohgedeckte "Strooidakkerk" aus dem Jahre 1805. Mit stattlichen elf Kilometern ist die Main Road die längste Straße des Landes. Für Vergnügen sorgt das Picknick im Grünen auf dem Rasen von Boschendal, ein Weingut wie aus dem Bilderbuch, mit klassischer Allee. In den vorbestellten Körben befinden sich leckere Pasteten, Baguette und natürlich eine Flasche Boschendal-Wein. Anschließend ist man fit für einen Bummel durch Stellenbosch, Südafrikas ältester Universitätsstadt. Hier gibt es viele historische Gebäude, besonders malerisch in der Dorp Straat. Kap-Gouverneur Simon von der Steel erkannte schon 1679 die Fruchtbarkeit im weiten Tal des Eerste River und legte den Grundstein für ein Weinbaugebiet nahe der Stadt.

Viele Europäer fanden hier ein Zuhause

Am 6. April 1652 betrat hier Jan van Riebeeck festen Boden. Zum Schutz seiner Gefolgschaft ließ der niederländische Arzt, Kaufmann und Kolonialverwalter das Fort de Goede Hoop errichten und in großen Mengen Obstbäume und Gemüse anpflanzen; der Anbau von Wein, weltweit begehrt, folgte wenig später. Schnell waren die Europäer - Holländer, Hugenotten und Deutsche - überwältigt von der Fruchtbarkeit des Landes, das Gott in bester Stimmung erschaffen haben muß. Reichhaltige Wasservorkommen, eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt mit farbenfroher Flora und Fauna in schier unerschöpflichen Weiten wechseln mit unberührten Stränden, bizarren Buchten, naturreinen Flüssen, gewaltigen Gebirgsmassiven, dichten Wäldern und riesigen Ebenen - die Welt in einem Land. Diese Vielfalt und fruchtbare Böden, unter denen Gold und hochkarätige Schätze schlummern, sicherten die Lebensgrundlage der San (Buschmänner) und Zulus. Der Reichtum lockte aber auch Siedler aus der Alten Welt in das exotische Land voll faszinierender Kontraste. Wo sich Flora und Fauna früher ungehindert entfalten konnten, haben Menschen längst die besten Plätze okkupiert. Selbst große Tiere wie Elefanten, Büffel, Löwen, Giraffen, Nashörner und Nilpferde mußten zurückweichen in die Naturreservate. Das berühmteste davon ist der Krüger National Park, magischer Anziehungspunkt für Millionen schaulustiger Gäste von allen Kontinenten. R. D.

Foto: Zwischen Berg und Ozean: Kapstadt bietet eine bunte, weltoffene Atmosphäre. Die Metropole weiß zu begeistern.


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