© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-07 vom 24. Februar 2007

Deutschland im Minusbereich
Frohe Botschaften zum Arbeitsmarkt überdecken strukturelle Fehler

Da wird auch nach Aschermittwoch in guter Laune gemacht: In wenigen Tagen sollen positive Zahlen über den Arbeitsmarkt im Januar den Grund zum Feiern geben. Wer auch immer Erfolge im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit für sich reklamiert - hoffentlich hat jeder Recht, der behaupten kann, es gehe jetzt aufwärts.

Denn nicht nur die Airbus-Mitarbeiter hoffen auf bessere Zeiten. Im Norden Deutschlands sind mehr als 10000 Arbeitsplätze nach katastrophalen Managementfehlern akut bedroht. In vielen anderen Unternehmen hoffen Beschäftigte, auch in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt noch etwas Passendes zu finden.

Wie schwer das sein wird, ahnen die meisten. Denn in der Aufschwung-Statistik steckt viel Handgerührtes: Mehr als 300000 Ein-Euro-Jobs, gut 100000 Beschäftigungsverhältnisse als Fortbildungsmaßnahme oder Probe-Vermittlung polieren die Arbeitsmarktbilanz auf. Von den positiven Auswirkungen des außergewöhnlich milden Winters auf die Außenberufe ganz zu schweigen.

Gutgemeinte Prognosen für den Arbeitsmarkt sind das eine. Andere Statistiken sind ehrlicher - und belegen, welche Fehler in der Wirtschaftspolitik gemacht werden. "Der Einsatz von Computern steigert Produktivität und Effizienz. Das fördert das Wachstum der gesamten Wirtschaft", erklärt der Bundesverband der Informationswirtschaft BITKOM. Ein zukunftssicherer Arbeitsplatz, das liegt nahe, muß im weiteren Sinn "irgend etwas mit Computern zu tun haben". Hier sagt die jüngste Erhebung der EU-Statistikbehörde Eurostat unerbittlich die Wahrheit über das Versagen der Wirtschaftspolitik: Die gesamte Union kommt beim Computer-Einsatz für lukratives Arbeiten voran, nur Deutschland nicht.

Im EU-Durchschnitt stützen sich 51 Prozent der Mitarbeiter auf moderne Technologie am Arbeitsplatz, plus zwei Prozent im Jahr 2006. Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder mit Werten von 66 bis 68 Prozent: Dort floriert die Wirtschaft besonders.

In Deutschland haben 56 Prozent der Mitarbeiter einen Kollegen Computer, das ist gerade noch ein Wert im Mittelfeld. Aber unser Land fällt zurück, Eurostat hat 2006 einen Rückgang um ein Prozent ermittelt. Diese Werte sind dramatisch: Denn der dringend notwendige Zuwachs an Arbeitsplätzen findet in den Bereichen statt, die alles andere als eine gute Wertschöpfung haben, etwa beim Wischen und Fegen. VS


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