© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-07 vom 24. Februar 2007

Einsamer Irrer
Bademeister verliert Job

"Ich bin der Bademeister, ich habe nie viel gesprochen. Das Schwimmbad ist geschlossen. Seit Wochen steht das Gebäude leer." Katharina Hacker, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2006, ist mit "Der Bademeister" ein hervorragendes, aber auch bedrückendes Porträt eines Einzelgängers gelungen. Aus der Sicht des Bademeisters Hugo erzählt sie dessen Geschichte. Dieser wiederholt sich immer wieder, widerspricht sich teils auch, und nur ganz langsam offenbaren sich durchaus interessante Ereignisse.

Nach der Schließung des renovierungsbedürftigen Schwimmbades rennt Hugo erst einige Wochen orientierungslos durch die Stadt. Seine Mutter, bei der er mit fast 60 Jahre noch gewohnt hat, ist erst vor kurzen gestorben, doch das ist für Hugo nicht weiter schlimm, da er zu ihr keinen Bezug hatte. Außer dem Kioskbesitzer Cremer, bei dem er sich auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag zwei Käsebrötchen gekauft hat, kennt Hugo kaum jemanden. Doch da er keine Arbeit mehr hat, hat er keinen Grund, bei Cremer vorbeizuschauen, und auch seine Kollegen sind für immer aus seinem Leben verschwunden. Wobei sich Stück für Stück offenbart, daß Hugo nie ein gutes Verhältnis zu diesen hatte. Sie hielten den schweigsamen Bademeister immer für einen Irren.

Einige Wochen nach seiner Entlassung zieht Hugo in das leerstehende Schwimmbad, das einzige Zuhause, das er je hatte. Immer wieder beschreibt er den Verfall des Gebäudes. Während er den Zustand des Bades beschreibt, gibt er auch Hinweise auf seinen beruflichen Werdegang, seinen Vorgänger, seine Familie. Dabei wird der Leser direkt mit NS- und DDR-Vergangenheit konfrontiert. Auch sind natürliche Tode im Umfeld des Bademeisters eher selten.

Am Ende des Monologes stehen Wahnsinn und Tod. Bel

Katharina Hacker: "Der Bademeister", Suhrkamp, Frankfurt / M. 2006, broschiert, 206 Seiten, 7,50 Euro, Best.-Nr. 6077


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