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17.03.07 / Ost-Deutsch (6) / Schmecken

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-07 vom 17. März 2007

Ost-Deutsch (6):
Schmecken
von Wolf Oschlies

Smacznego" wünschen die Polen, wo wir "Guten Appetit" sagen. Wobei der polnische Wunsch "deutscher" ist, denn er stammt vom Substantiv "smak", das wiederum die Übernahme des althochdeutschen "smac" ist. Ähnlich ist es bei den alt- und mittelhochdeutschen Verben "smakken" und "smecken": Praktisch alle Slawen haben bereits in alter Zeit Geschmack am deutschen "smac" gefunden, was bis heute hörbar ist.

Bei den alten Deutschen bezeichnete "smac" alles, was der Mensch mit seinen Sinnen wahrnahm. Das mag sich bei uns etwas verengt haben, bei unseren Nachbarn nicht. Im Polnischen spürt man den "smak cukru, pracy, swobody" etc., also den "Geschmack des Zuckers, der Arbeit, der Freiheit", bei Ukrainern den "smak naturalnich produktiv" (von natürlichen Nahrungsmitteln), bei Serben den "smak sveta" und bei Kroaten den "smak svijeta", was beides "Geschmack der Welt" heißt. Auch Ableitungen sind uns vertraut, etwa ein ukrainischer "terpkij prismak", ein "herber Beigeschmack". Aber wie übersetzt man den polnischen "niesmak", wo es im Deutschen kein direktes Antonym des Geschmacks gibt?

Das sind Fragen für sprachliche "fajnsmekry", wie der in Geschmacksfragen kultivierte Mensch bei Tschechen heißt. Die kniffligste Frage werfen derzeit Südslawen auf. Die Makedonen debattieren seit Wochen darüber, ob Tito ein "smeker" war. Den Ausdruck gibt es auch bei Bulgaren, Serben und Kroaten, wo er in extensiver Bedeutungsvielfalt gebraucht wird. Nach den klassischen Jargonwörterbüchern von D. Andric (1976) und T. Sablak (1981) und dem neuen "Belgrader Freier-Wörterbuch" des geistvollen Petrit Imami (2003) kann ein "smeker" alles sein: Weiberheld, Kartengucker, Charmeur, Trickser, Fatzke, Wagemutiger, Gauner, Glückspilz.

In Bulgarien und in Makedonien tragen mehrere beliebte Sänger und Dichter den Spitznamen "smeker" - mit Stolz! Wenn Serben einen italienischen "sportwagon" als "smeker medju karavanima" (s. unter den Karavans) und Makedonen ein japanisches Auto als "gradski smeker" (s. der Stadt) bezeichnen, dann steht die positive Konnotierung von "smeker" fest. Sollten wir uns diese allslawischen Sprachspiele mit einem deutschen Wort nicht "smekati" lassen?


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