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17.03.07 / Wirbel um Anna / Volker Schlöndorffs Film "Strajk - Die Heldin von Danzig" verärgert die Polen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-07 vom 17. März 2007

Wirbel um Anna
Volker Schlöndorffs Film "Strajk - Die Heldin von Danzig" verärgert die Polen
von Maria Bornhöft

In Polen ist man wieder sauer auf die Deutschen, die wieder alles verdrehen: So sei es gar nicht gewesen, und vor allem sei gar kein Wodka geflossen. Der Unmut richtet sich gegen den Film "Strajk - Die Heldin von Danzig", der die Geschichte der polnischen Solidarnosc-Bewegung erzählt. Regie führte der deutsche Volker Schlöndorff, und das ärgert viele Polen schon. Wieso erzählt ein Deutscher ihre Geschichte, und dann wird die weibliche Hauptrolle auch noch von einer Deutschen, nämlich Katharina Thalbach, gespielt.

Während die polnischen Medien über "Strajk" diskutieren, kräht in Deutschland kaum ein Hahn nach dem Film. Zwar hat er den Bayerischen Filmpreis erhalten, doch das hat eher dafür gesorgt, daß fast nur Kunstkinos die nach heutigen Maßstäben eher kleine Produktion zeigen. Dabei ist die erzählte Geschichte recht zu Herzen gehend.

Im Mittelpunkt steht die Werftarbeiterin Agnieszka, die im wahren Leben eigentlich Anna Walentynowicz heißt, aber aus rechtlichen Gründen umgetauft wurde. Trotzdem hat Anna Walentynowicz bereits versucht, den Filmstart zu verhindern. Doch es ist ihr nicht geglückt, und so steht ihre Person im Mittelpunkt der Geschichte um den Streik der Werftarbeiter in Danzig 1980. Dort hat Anna alias Agnieszka nämlich eine wichtige Rolle gespielt, auch wenn die Geschichtsbücher sie häufig noch nicht mal als Randfigur erwähnen. Denn es war Anna, die sich nach einem Unfall auf der Werft, bei der 20 Mitarbeiter aufgrund fehlenden Arbeitsschutzes ums Leben kamen, offiziell beschwert hat. Die Mutter eines fast erwachsenen, unehelichen Sohnes hatte sich trotz schwerer Kindheit und Analphabetentums zur Kranführerin im wahrsten Sinne des Wortes hochgearbeitet und war wegen ihres großen Herzens und ihres Gerechtigkeitssinns beliebt. Als sie dann aufgrund ihres renitenten Auftretens als Beschwerdeführerin entlassen wurde, begannen erst ihre direkten Kollegen zu streiken, doch schnell breitete sich der Widerstand auf die ganze Werft, ja ganz Polen aus. Erst hier übernahm der spätere Friedens-Nobelpreisträger Lech Walesa das Ruder.

Eigentlich hat die Lebensgeschichte der von ihren Ansichten überzeugten, ja nahezu heiligen Anna der Werft also alles, was eine gute Geschichte braucht, um die Menschen zu rühren, trotzdem wird der Film über die nur 1,56 Meter große Frau, die Polen, ja, den Ostblock veränderte, die Menschen nicht bewegen. Schon alleine die Tatsache, daß die Polin in Vergessenheit geraten ist, zeugt davon, daß sich die letztlich schrullige, bärbeißige Frau nicht als Nationalheldin eignet. Und so blieb Anna Walentynowicz nur eine "Fußnote" der Geschichte über die die Drehbuchautorin Sylke Meyer eher durch Zufall stolperte. Anna Walentynowicz' Begründung, warum sie den Film verhindern wollte, ist zudem sehr gewöhnungsbedürftig und zeigt, daß es sich bei ihr um eine sehr eigenwillige Person handelt: So sei Lech Walesa eigentlich KGB-Agent gewesen und der Film würde ihn idealisieren. Vermutlich spielt Katharina Thalbach - die vor 30 Jahren schon einmal mit Volker Schlöndorff in Danzig gedreht hatte, damals hieß der Film "Die Blechtrommel" - die Anna alias Agnieszka also zu realistisch.

Auch wünscht sich der Kino-Zuschauer einen Befreiungskampf vor einer bunteren Kulisse als einer Werft, Befreiungskämpfer sehen in der Phantasie zudem anders aus als Werftarbeiter in schmutzigen Arbeitsklamotten.

Des weiteren wäre Schlöndorff nicht Schlöndorff, wenn er nicht auch Politik erzählen oder gar machen wollte. So regt sich die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber auf, daß Schlöndorff, aufgehängt an der "Biographie der Agnieszka Kowalska, beinahe die gesamte Geschichte der polnischen Gewerkschaftsbewegung ..., von den Anfängen in den 60er Jahren über den blutig niedergeschlagenen Werftarbeiterstreik von 1970 bis zur Gründung der Solidarnosc zehn Jahre später" erzählt und Agnieszka nur als "historische Figur" mit viel Pathos aufgeklebt wird.

"Strajk - Die Heldin von Danzig" entstand trotz des jetzigen Widerstandes der polnischen Medien überwiegend mit bekannten polnischen Schauspielern in Polen. Gedreht wurde der Film in polnischer Sprache.

Na ja, und der Wodka fließt zugegeben, aber selbst in Polen gibt es Stimmen, die den Wodka nicht leugnen wollen und die heftigen Reaktionen ihrer Landsleute darauf zurückführen, daß sie es satt haben, wenn im Ausland Klischees wie das der "polnischen Wirtschaft" oder das des Wodka Trinkens dargestellt werden.

Da Schlöndorffs neuste Arbeit eben nur in Kunstkinos gezeigt wird, wird nicht jeder Interessierte die Möglichkeit haben, sich den Film anzuschauen. Dem sei das Buch zum Film (Parthas, 166 Seiten, 19,80 Euro) empfohlen. Neben vielen farbigen Szenenfotos und Informationen zum Film haben sich auch einige Historiker versammelt, um das Umfeld der Solidarnosc-Bewegung - leicht lesbar mit vielen historischen Aufnahmen bebildert - näher zu beleuchten.

Foto: Die heilige Agnieszka der Werft: Katharina Thalbach spielt die polnische Heldin Anna Walentynowicz.


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