© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-07 vom 12. Mai 2007

Versöhnung und Trauer
Zum Tod von Annemarie Suckow v. Heydendorff
von Silke Osman

Schreitende junge Mädchen, Knaben voller Anmut, Kinder prägten ihr plastisches Schaffen. Aus den Jahren der Not aber entstanden auch Arbeiten, die an Flucht und Vertreibung erinnern. "Es sind Werke voller Menschlichkeit, die humanistische Weltanschauung der Künstlerin wiedergebend", schrieb Günther Ott zum 90. Geburtstag von Annemarie Suckow v. Heydendorff in der Preußischen Allgemeinen Zeitung, "Werke der Versöhnung und Trauer, bar jeder aggressiven oder revanchistischen Gefühle. Sie fordern zum besinnlichen Nachdenken auf, sind ,Denkmale' im wahrsten Sinne des Wortes."

Geboren wurde Annemarie Conrad v. Heydendorff am 21. März 1912 in Mediasch / Siebenbürgen. Nach dem Besuch der humanistischen Gymnasien in ihrer Vaterstadt, in Hermannstadt und in Bukarest belegte sie Kurse an der Hermannstädter Handelsschule. Ursprünglich wollte sie Gebrauchsgraphikerin werden und besuchte die Reimann-Schule in Berlin. Ein Lehrer entdeckte dort ihre Begabung für das plastische Gestalten, und so kehrte sie nach Bukarest zurück, um sich an der dortigen Kunstakademie bei Professor Oscar Han ausbilden zu lassen. 1935 bestand sie ihr Examen als akademische Bildhauerin mit Bravour. Im selben Jahr heiratete sie den Rechtsanwalt Hermann Suckow und ging mit ihm in seine ostpreußische Heimat.

In Allenstein widmete sich Annemarie Suckow v. Heydendorff zunächst vor allem ihrer Familie. Drei Töchter kamen zur Welt und die mußten versorgt werden. Dennoch fand sie die Zeit, sich ihrer Kunst zu widmen. Sie schuf zahlreiche Porträts und Kleinplastiken. 1945 kam auch für die Künstlerin die Zeit des Abschiednehmens. Mit ihren drei kleinen Töchtern ging sie auf die Flucht, der Mann war an der Front. Bis nach Neumünster in Schleswig-Holstein führte sie der Weg. Dort traf sie 1947 mit ihrem aus der Gefangenschaft entlassenen Mann wieder zusammen.

Ein Jahr später siedelte die Familie ins Rheinland über, um in Bonn eine neue Existenz aufzubauen. Hermann Suckow gründete eine Rechtsanwaltskanzlei, seine Frau erhielt bald auch Aufträge für plastische Arbeiten. So schuf sie Porträts von Persönlichkeiten der noch jungen Bundesrepublik Deutschland, unter anderem Büsten von Bundesministerin Elisabeth Schwarzhaupt, dem Bonner Oberbürgermeister Wilhelm Daniels und dem ersten Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Staatssekretär Ottomar Schreiber. 1966 entstand ein Ehrenmal für die Gefallenen der 16. Panzerdivision Vossenack / Hürtgenwald. Immer aber waren es auch die kleinen Arbeiten aus Ton oder Bronze, die ihr Atelier verließen und den Menschen in seinem Innersten berührten. 1973 wurde ihr Schaffen mit der Verleihung des Kulturpreises der Landsmannschaft Ostpreußen gewürdigt, drei Jahre später folgte der Kulturpreis der Siebenbürger Sachsen.

Auf dem Höhepunkt ihres künstlerischen Wirkens ereilte Annemarie Suckow v. Heydendorff ein tragisches Schicksal: Bei einer Augenoperation unterlief dem behandelnden Arzt ein entscheidender Fehler. Die Künstlerin erblindete und mußte ihre Bildhauerei aufgeben.

Einen Monat nach ihren 95. Geburtstag nun ist Annmarie Suckow v. Heydendorff am 21. April in Bonn gestorben. Sie wird als eine Frau und Künstlerin in Erinnerung bleiben, die ihren eigenen Weg verfolgte und sich nicht beeinflussen ließ von irgendwelchen modischen Strömungen. Und so wird ihr Werk auch weiterhin Bestand haben.


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