© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-07 vom 19. Mai 2007

Aufgeklärt: Das wilde Räubernest Schwerin

Der Westpreuße Gottfried Achenwall führte mit dem "Abriss der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten Europäischen Reiche und Republiken" im Jahre 1749 die ersten Statistik in Deutschland ein. Doch Statistiken haben es bis in die heutige Zeit in sich, den Interpretationsmöglichkeiten scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. So passierte es, daß die Stadt Schwerin zum Räubernest der Nation erklärt wurde.

Mit 17070 Straftaten auf 100000 Einwohner übertreffen die Mecklenburger angeblich sogar die hessische Bankenmetropole Frankfurt am Main in der 191,6 Straftaten weniger zu verzeichnen sind, pro 100000 Einwohner.

In der Mainmetropole leben 651899 Menschen.

Das Städtchen Schwerin hat gerade mal 96656 Einwohner. Da kann man den Taschenrechner zum Glühen bringen, es bleibt dabei, in Schwerin scheinen Ganoven häufiger zu zuschlagen. Allerdings haben die Statistiker der Stadt Schwerin eine Fußnote gewidmet aus der hervorgeht, daß die Zahl der Straftaten auch sogenannte Leistungserschleichungen berücksichtigt. Betrügereien beim Bezug von Leistungen, wie Hartz IV zum Beispiel oder Schwarzfahren. Bemerkt wird auch, das in der Tat nach verstärkten Kontrollen ein Anstieg von 1149 Fällen zu verzeichnen war, na bitte. Den Frankfurtern gesteht man jährlich 2,8 Millionen Messebesucher zu und 52,2 Millionen Flugpassagiere streifen über den Rhein-Main-Flughafen die Bankenmetropole. Außerdem sind regelmäßig 300000 Berufspendler zwischen ihrem Wohnort und Frankfurt unterwegs. Wie aus der Fußnote der Statistik zu entnehmen ist werden diese Menschenströme bei den Häufigkeitszahlen nicht berücksichtigt. So ist das eben mit der Statistik - und dem Kleingedruckten. Ehrenrettung für die Schweriner, denen die Tageszeitung "Die Welt" bescheinigte, die gefährlichste Stadt Deutschlands zu sein.


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