07.12.2021

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19.05.07 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-07 vom 19. Mai 2007

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,

liebe Familienfreunde,

um einen Anfang war ich eigentlich nie verlegen, das war schon so zu meiner Schulzeit, wo ich bei Aufsätzen der halben Klasse die Anfangszeilen zuflüstern mußte, und das ist dann auch später so geblieben - bis heute. Nur, daß ich jetzt, jedenfalls was diese Kolumne betrifft, die ersten Zeilen geliefert bekomme - von meinen Lesern, denn sie formen ihr Urteil über unsere Ostpreußische Familie in ihren Briefen, und das freiwillig und nicht diktiert. So beginne ich mit den Endzeilen des langen Schreibens von Frau Ingeborg Planert aus Jena, die so lauten: "Hoffentlich gibt es Ihre Kolumne noch recht lange, denn Nachfragen kommen ja immer wieder. Auch ich fühle mich angesprochen, wenn Sie mit der Anrede beginnen ,Lewe Landslied, liebe Familienfreunde ...', dann sehe auch ich mich als Mitglied dieser großen Familie, wenn auch schon in der nächsten Generation." Und so soll es ja auch sein, denn dann bleibt unsere Sippe lebendig und trägt das bisher Bewahrte weiter und hilft, vergessen Geglaubtes aufzuspüren.

Darauf hofft eben auch Frau Planert, angeregt durch einen schon etwas länger zurückliegenden Bericht von der Flucht über See mit der "Hektor". Mit diesem Schiff kam auch ihre Mutter, Johanna Grunau geborene Sanftleben, mit ihren vier Kindern heraus und wurde nach Dänemark evakuiert. Wie es aber Johannas Eltern ergangen ist, weiß niemand. Suchaktionen blieben zur DDR-Zeit erfolglos. Mit dieser Ungewißheit ist Frau Grunau dann mit 82 Jahren verstorben. Ihrer Tochter läßt das keine Ruhe, zumal sie - 1949 als Nachkriegskind in Thüringen geboren - ihre ostpreußischen Wurzeln immer stärker fühlt. Ingeborg Planert hat ihrer Mutter, von der sie immer "Marjellchen" gerufen wurde, ein liebevolles Denkmal gesetzt mit einem Buch, das diesen Kosenamen als Titel trägt. Und so ist es erklärlich, daß sie noch mehr über ihre Mutterheimat wissen möchte, und dazu gehört eben die Klärung des Schicksals ihrer Großeltern und deren Herkunft. Während die Suche nach ihren väterlichen Vorfahren aus der Danziger Gegend erfolgreich war, fehlt über die mütterliche Linie jeder Hinweis. Immerhin ist bekannt, daß die Familie Sanftleben aus dem östlichen Gebiet unserer Heimat stammt, denn Johanna Grunau wurde 1910 in Doerschkehmen, Kreis Pillkallen geboren. Der östlich von Pillkallen / Schloßberg gelegene, wohl nur aus einem Gut bestehende Ort mit 82 Einwohnern wurde später in Derschau umbenannt. Er gehörte zum Kirchspiel Willuhnen. Frau Planert hat ihn als zwischen Stallupönen und Eydtkuhnen gelegen angegeben, da gab es zwar auch ein Doerschkehmen, aber nicht mehr um 1910, da hieß der Ort Wabbeln. Immerhin sind Verwechslungen möglich, sie haben schon manche Suche erschwert. Der langen Rede kurzer Sinn: Wer kannte eine Familie Sanftleben, wer weiß, was aus ihren Angehörigen geworden ist? Frau Planert wäre aber auch schon glücklich, wenn sie mehr von dieser östlichen Gegend - eventuell anhand von alten Aufnahmen - erfahren könnte. (Ingeborg Planert, Dietrichweg 6 in 07749 Jena)

"Es gibt Dinge, die kommen einem von Zeit zu Zeit immer wieder ins Blickfeld", schreibt mein Königsberger Landsmann Gerhard Mannke, was ich nur bestätigen kann. Das geschieht mir allerdings in jeder Woche, wenn ich die Leserpost vor mir ausbreite. Für den unermüdlichen Chronisten unserer Heimat steht diesmal im Fokus eines der ältesten Gebäude Königsbergs, die frühere Elisabethkirche auf dem Sackheim, die aber bereits 1808 sehr profan genutzt wurde, nämlich als Arresthaus. Später waren dort Bezirkskommando, Meldeamt, Versorgungsamt und Wehrmachtsentlassungsstelle untergebracht. Während Herr Mannke sehr viel Material über die kirchliche Liegenschaft zusammengetragen und es in seine aufwendige Abhandlung "Die alten Königsberger Kirchen" - danke, lieber Mannke, für die Überlassung eines Exemplares - eingebracht hat, fehlen ihm über die nachkirchliche Nutzung genauere Angaben. Die Lage beschreibt Herr Mannke sehr präzise: "Kam man von der Sackheimer Mittelstraße über den sogenannten Meiereiplatz und durch die enge Elisabethstraße, die früher Litauische Schulstraße hieß, fiel das blaugraue Gebäude auf, das eine Ziegelmauer überragte. Darüber lugten die sechs bis sieben Meter hohen, mit Strebepfeilern versehenen Grundmauern, eine polygonale ausgestaltete Ostseite und ein nicht sehr steiles Pfannendach. In Ost-West-Richtung liegend mag der Bau 15 bis 18 Meter lang und knapp acht Meter breit gewesen sein." Von der Königstraße führte die Ziegelstraße pregelwärts zu der Stelle. Auf dem südlich anschließenden Elisabethplatz wurde in den späteren Kriegsjahren ein Hochbunker errichtet, der noch heute am "Moskowskiprospekt" steht und die genaue Lage markiert. Herr Mannke benötigt nun möglichst präzise Angaben über die profane Nutzung des ehemaligen Kirchengebäudes. Aus der Frequentierung als Wehrmeldeamt beziehungsweise Entlassungsstelle kann man schließen, daß es verhältnismäßig vielen Menschen bekannt gewesen sein muß. Ihn interessieren vor allem Angaben über die Ausgestaltung des Gebäudes im Inneren und etwaiger Nebengebäude, auch über die Anzahl und Tätigkeit der dort Beschäftigten. Vielleicht melden sich sogar einige von ihnen, sie können wohl die genauesten Informationen geben. (Gerhard Mannke, Haferkamp 8, 25337 Elmshorn, Telefon 0 41 21/ 7 15 30).

In längst vergangene Kindertage führt das "Ostpreußische Bilderbuch" zurück, das die Königsbergerin Brigitte Willmann gezeichnet und getextet hat. Sie ist in unserem "Familienkreis" keine Unbekannte, denn nach von ihr illustrierten Büchern wurde schon früher gesucht. Nun legt sie dieses "Bilderbuch" vor, das den Untertitel "Eine Großmutter erzählt" trägt, denn so sieht sich wohl die Autorin: Sie nimmt sich selber an die Hand und geht noch einmal über die alten Wege ihrer Heimat, die sie auch als Zeichnerin mit Kinderaugen sieht: bunt, figurenreich, bilderbuchartig - im knapp skizzierten Begleittext diese Reminiszenzen erläuternd. Manche Leserinnen und Leser im Großelternalter werden sich in ihre eigene Kindheit zurückversetzt fühlen, vielleicht werden sie auch angeregt, anhand der Bilder und begleitenden Texte den Enkeln von ihrer Kinderheimat zu erzählen, diesen Zweck deuten jedenfalls die Titel an, zu denen auch "Wo Großmutter zu Hause war" gehört. Die manchmal sehr knapp gehaltenen Erläuterungen können Stichworte zu eigenen Erinnerungen geben, mit denen auch die Autorin die Texte belebt. Und auch bei stiller Betrachtung der liebevoll gezeichneten Szenenarien wird mancher nicken: "Ja, so war's!" Ein älterer Landsmann, Königsberger wie Brigitte Willmann und ich, dem ich das Buch zeigte, sagte es jedenfalls mit einer Mischung aus Wehmut und freudigem Wiedererkennen.

In das weite Land, das einmal aus der "Großen Wildnis" entstand, weil es durch die fleißigen Hände unserer Vorfahren urbar gemacht worden war, führt auch die Suche von Herrn Horst Gernhoefer nach seinen Vorfahren. Wie der Name beweist, handelt es sich um eine alte Salzburger Familie. Drei Brüder dieses Namens sollen mit ihren Familien damals nach Altpreußen ausgewandert und in der Gegend von Lengwethen, Tuppen und Budwethen ansässig geworden sein. Horst Gernhoefer kann die väterliche Linie bis zu seinem Ururgroßvater Karl Gernhöfer zurückverfolgen, der in Beinigkehmen, (später Beiningen) lebte und mit Henriette Grohs verheiratet war. Deren Sohn Carl Gernhöfer, * 1854 in Uszproduppen (Dachsheide), war mit Ennutte Kuckat, * 1852, verehelicht. Bei dem Sohn des Ehepaares, Heinrich Friedrich Gernhöfer, * 1880, taucht wieder der Name Beinigkehmen auf, dort verstarb der Großvater von Horst Gernhoefer am 25. Oktober 1942, also noch vor der Flucht. Er war mit Emma Martha Marie Krienitz, * 1883, verheiratet. Der Vater des Suchenden, Willi Heinrich Max Gernhöfer, * 1905, zog nach Berlin, wo er 1981 verstarb. Nun hofft Horst Gernhoefer, mit weiteren Trägern dieses Namens Kontakt aufzunehmen, um vielleicht herauszufinden, von welchem Salzburger Exilanten seine Familie stammt. Vor allem seine Frau Gerda möchte die Familiengeschichte so weit wie möglich vervollkommnen. (Horst Gernhoefer, Am Walde 4 in 29476 Gusborn, Telefon 0 58 65 / 13 73, E-Mail: hggerni@t-online.de.)

Auch Frau Inge Prydzuhn aus Bremervörde möchte nach ihren Vorfahren forschen, und dieser Wunsch kommt nicht von ungefähr. Sie hatte sich schon einmal an unsere ostpreußische Familie gewandt und eine präzise Auskunft erhalten. Frau Prydzuhn hatte im vergangenen Jahr nach dem Pflegesohn ihrer Großmutter Emma Broszeit aus Heinrichswalde, Werner Voigt, gesucht. Sie erhielt mehrere Anrufe, darunter den eines Lesers aus dem hessischen Gleimenhain, der den Gesuchten auf den Fotos wiedererkannte, weil Werner Voigt dort als Schmied gearbeitet hatte. Leider verstarb er bereits mit 36 Jahren an Krebs, auch seine Frau ist verstorben, die Ehe blieb kinderlos. Durch die netten Gespräche mit den älteren Ostpreußen - Frau Prydzuhn wurde 1950 in Itzehoe geboren - angeregt, geht sie nun auf Ahnensuche, und da kommt zuerst wieder ihre Großmutter Emma Broszeit ins Spiel. Die als Emma Schaack 1883 in Grüneberg geborene Frau war verwitwet, als sie etwa 1910/11 Rudolf Broszeit, * 1884, aus Heinrichswalde heiratete. In jungen Jahren war sie nach Schleswig-Holstein gegangen und hatte in Kiel geheiratet, war aber nach dem Tod des Mannes in ihre Heimat zurückgekehrt. Rudolf Broszeit war zuletzt Kreisgärtner beim Landratsamt in Heinrichwalde. Seine Eltern waren Erdmann Broszeit, = 1899, und Amalie geborene Grigull, = um 1910. Frau Prydzuhn möchte nun gerne Näheres über die Urgroßeltern wissen - wo geboren, wann geheiratet, wie viele Kinder? -, aber auch über die Eltern ihrer Großmutter Friedrich Schaack und Anna geborene Klabohn aus Grietischken. Über die Suchdienste hat Frau Prydzuhn schon einige Angaben bekommen, kann diese aber nicht einordnen. Sie setzt deshalb auf Landsleute, die aus der Niederung stammen, vielleicht die Familien kannten und etwas über sie sagen könnten. (Inge Prydzuhn, Breslauer Straße 23 in 27432 Bremervörde, Telefon 0 47 61 / 41 66.)

Erst jetzt entdeckte Frau Silke Weber aus Apolda unsere Zeitung und damit auch die Ostpreußische Familie und hat sich gleich an uns gewandt, weil sie nun einen Weg sieht, endlich Verwandte zu finden. Die 35jährige wurde in Thüringen geboren, aber ihr Großvater mütterlicherseits stammte aus Ostpreußen. Seine Enkelin hat ihm so gerne zugehört, wenn er erzählte, die Stimme ist ihr noch vertraut, obgleich er schon 1983 verstarb. Auch ihre Mutter lebt nicht mehr, sie fehlt ihr sehr. Aber nun hat Silke Weber unsere Ostpreußische Familie gefunden, und vielleicht hilft sie ihr weiter. "Opa" Friedrich Dujons, * 17. September 1905 in Memel-Schmelz, wurde vertrieben und landete in Winsen / Luhe. Ein Schreiben vom Landkreis Harburg bezüglich Lastenausgleich ist das einzige Dokument, aus dem die Enkelin einige Namen und Daten entnehmen kann. Die Eltern von Friedrich Dudjons waren Michael Dudjons und Barbara geborene Makareinis. Sie hatten außer dem Sohn noch weitere Kinder, die Namen von zwei Töchtern sind auf dem Schreiben vermerkt: Berta Gertrud Baltrusch, zuletzt wohnhaft Donaustraße 6 in 4179 Kervenheim oder 4197 Weeze, und Marie Kloschies, damalige Anschrift: Hamburger Straße 4 in 2153 Neu Wulmsdorf. Vor 1945 lebte die Familie in Birkenhain, Schweppeln, wo sie eine Landwirtschaft betrieb. So, das sind die einzigen Angaben, die Frau Weber besitzt, aber vielleicht helfen sie weiter, wir hoffen es sehr! (Silke Weber, Schwabestraße 9 in 99510 Apolda.)

Eure Ruth Geede


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