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19.05.07 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-07 vom 19. Mai 2007

Mittelnazis / Die CDU wird verboten, die Esten verschmieren unser Geschichtsbild, und dunkle Lolly-Schieber überschwemmen Berlin
Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Es sei "alarmierend, daß der Rechtsextremismus immer mehr in die Mitte der Gesellschaft vordringt", alarmiert uns Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Auweia, die Nazis hausen jetzt also in der Mitte.

Für gemäßigte Rechte ist das nur insofern eine Überraschung, als sie die Braunen mit ihrem ganzen Sozialismusgequatsche und ihrem rabiaten Kollektivismus noch viel weiter links vermutet hätte als bloß in der "Mitte". Aber da die Mitte ja links von rechts steht, müssen die demokratischen Rechten ihre politische Geographie nur marginal anpassen. Für alle übrigen ist Schäubles Neuordnung allerdings ziemlich beeindruckend, für seine eigene Partei bedeutet sie gar das Aus.

Daß die Ultrarechten zu "Mittelnazis" mutiert sind, ist nämlich gar nicht Schäubles Entdeckung. Wolfgang Thierse hat uns auf die neue Heimstatt der Hitleristen schon vor vielen Jahren hingewiesen. Und er meinte damals mit der Mitte, wo jetzt die Nazis seien, kaum verhohlen die CDU - wegen ihrer "Leitkultur". Nachdem sich Wolfgang Schäuble der Thierse-These angeschlossen hat und das Wort "Leitkultur" nun sogar in die Mitte des neuen CDU-Grundsatzprogramms vorgedrungen ist, wird es Zeit, daß der Bundesinnenminister drastische Maßnahmen ergreift.

Aber bitte nicht so dilettantisch wie beim letzten Mal der Schily. Damit das Verbotsverfahren gegen die CDU, die sich mittlerweile ganz frech und offen als "Partei der Mitte" selbst entlarvt, nicht genauso erbärmlich scheitert wie das gegen die NPD, muß Schäuble zunächst alle V-Leute, die er in die "Mitte" eingeschleust hat, von dort abziehen.

Der Rest ist schnell erledigt. Was ein Rechtsextremist ist, geht aus Schäubles Verfassungsschutzbericht unzweideutig hervor. Dort lesen wir: "Rechtsextremisten propagieren ein politisches System, in dem als angeblich natürliche Ordnung Staat und Volk in einer Einheit verschmelzen." Im neuen Grundsatzprogramm der "Mitte"-Partei CDU lautet das dann: "Der Zusammenhalt unserer Gesellschaft hat sein Fundament in unserer Zusammengehörigkeit als Nation." Bingo! Den Laden machen wir dicht.

Wenn wir mit der CDU fertig sind, warten schon andere Verbotskandidaten auf uns; unsere Wachsamkeit kennt keine Grenzen, schon gar keine europäischen. Da springen die Esten ins Auge. Die haben nämlich immer noch nichts aus der Geschichte gelernt, die wir ihnen über ihre Vergangenheit erzählt haben. Sie weigern sich verbiestert, voller Dankbarkeit an jene goldene Zeit der Freiheit zurückzudenken, die Stalin ihnen geschenkt hatte. Die "Befreiung" 1945 sei in Wirklichkeit der Wechsel von einer Besatzungsmacht zur nächsten gewesen. Das ist rechtsradikal. Fragen Sie Wolfgang Thierse!

Tausenden Esten winkte nach der Befreiung schließlich das große Los, ihr kleines, engstirniges Baltenland gegen die herrlichen Weiten Sibiriens eintauschen zu dürfen. Unzählige Esten muß das so glücklich gemacht haben, daß sie nie wieder zurückkehrten. Und jetzt räumen sie das sowjetische Ehrenmal ab, das sie doch nur auf ewig an diese wunderbare Epoche erinnern sollte (und ganz nebenbei daran, wer Herr in ihrem Hause ist).

Ein Aufstand der europäischen Anständigen - wie damals gegen Österreich nach dem faschistischen Putsch des Wahlvolks gegen seine sozialdemokratische Regierung - wäre die einzig angemessene Antwort auf die estnische Provokation.

Doch nichts davon: Ausgerechnet die Polen fallen uns in den krummen Rücken und springen den Esten bei. Das ist eine besondere Enttäuschung. Bislang standen die Polen doch immer fest an der Seite der Thierses, wenn es darum ging, das schwarz-weiße Geschichtsbild zu schützen vor denen, die es mit den Farbklecksen der sogenannten "Wirklichkeit" besudeln wollten wie der Vertreibung und ähnlichem Kram.

Dieses Bild war so praktisch und modern wie die Piktogramme an unseren Bahnhofstoiletten: Wer nur kurz draufsah, wußte sofort, wo es langging. Nun auf einmal nehmen sogar die Polen den Pinsel in die Hand, schmieren revanchistische Texte von der "sowjetischen Unterdrückung" drauf und legen womöglich bald Hand an Stalins Siegesmale wie zuvor die Esten.

Ahnt denn niemand die Gefahr? Wenn das Historienpiktogramm erst einmal gänzlich verschmiert ist, wird sich jeder selber den Weg zu den Wahrheiten der Geschichte suchen müssen. Dabei kann man sich übel die Knie aufschlagen wie schon die Russen an Katyn, die Franzosen an Pétain, die Polen an Jedwabne oder die Briten am Irak, wo sie in den 20er Jahren den Luftterror gegen Zivilisten erfanden.

Unreif und undankbar sind sie, diese Neu-Europäer. Alles nehmen sie uns weg. Unsere in mühevoller Aussonderung störender Details aufgebauten Gewißheiten, unsere Klempneraufträge und zum Schluß sogar den Grand Prix. Eine "Ostblock-Verschwörung" soll sich da zusammengerottet haben, um den Westeuropäern den Sängerpreis zu verweigern.

Schon wieder etwas Neues, von dem wir kalt erwischt wurden. Gerade hatten wir uns behaglich eingerichtet in der Rolle des gütigen Schiedsrichters, der die doofen Osteuropäer mahnt, sich nicht zu streiten und den "Ausgleich zu suchen" - zwischen Esten und Russen oder Albanern und Serben oder Zigeunern und Roma oder ... und nun fliegt auf, daß sich diese Brut auch völlig einig sein kann. Spielverderber.

Andererseits hat so ein "Ostblock" ja auch etwas Anheimelndes. Ein bißchen so wie früher halt. Gibt ja kaum noch was. Die Menschen sehnen sich aber nach Stabilität, weshalb sie ein serbisches Schlagerkelchen gern mal zum guten alten Ostblock aufblasen.

Wir wollen jetzt aber nicht dramatisieren, es gibt durchaus noch Sachen, die sich nicht geändert haben.

Lothar Schröder, der Verhandlungsführer von Verdi im Kampf gegen die Telekom, unterrichtete die aufgeschreckten Kunden des Unternehmens über die möglichen Folgen des Arbeitskampfes: "Es kann passieren, daß Störungen erst verspätet beseitigt und Aufträge mit Verzögerung erledigt werden." Der Service des Bonner Unternehmens wird während des Streiks also wie gewohnt weiterlaufen, so, wie ihn die Telekom-Kunden seit Jahrzehnten schätzen.

Auch die Große Koalition setzt angesichts der reformmüden Deutschen auf Berechenbarkeit. Während der großen Anti-Raucher-Kampagne hatten wir noch gekalauert, daß es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Politik sich an unsere Eß- und Wohnzimmertische setzen wird, um unsere korrekte Ernährung zu überwachen. Und siehe da! Jetzt haben wir - buchstäblich - den Salat.

Denn glaube doch niemand, daß die Politik von der Höherbesteuerung des Naschwerks allein satt wird. Fettes Fleisch oder Fleisch überhaupt kommt als nächstes, dann der Käse und so weiter. Bis wir schlußendlich nur noch vor Obst, Gemüse, Salaten und vogelfutterartigen Fleischsubstituten an unseren entfeinstaubten Tischen sitzen.

Aber erstmal sind die Süßigkeiten dran. Neben Tank- und Zigarettenkauf-Touren wird sich bald ein reger Gummibärchen-Tourismus über die Oder entfalten. In der Zeitung werden wir lesen, daß es der Berliner Polizei unter Einsatz verdeckter Ermittler gelungen sei, einen "international agierenden Ring von Lolly-Schiebern" zu zerschlagen. Die ganz Jungen werden sich von Uropa bis ins Einzelne erklären lassen, wie das damals ging, das mit dem "Organisieren" vor anno 1948.

Wie schon gehabt werden die Politiker versprechen, daß die Einnahmen aus der erhöhten Mehrwertsteuer "ausschließlich" für edle Zwecke wie Gesundheit, Bildung und Kinderkrippen verwendet würden. Ebenso routiniert werden sich die Deutschen dann säuerlich zugrinsen und "Ja, ja ..." oder sowas hervorstöhnen.

Ja, manches bleibt uns tatsächlich für immer.


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