01.12.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
26.05.07 / Alles fing an im Schloß Rambouillet

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Alles fing an im Schloß Rambouillet

Nach dem Ende des Weltwährungssystems von Bretton Woods im Jahre 1973 herrschte in der Weltwirtschaft weitgehende Koordinierungslosigkeit. Andererseits stürzte ungefähr zeitgleich die erste Ölkrise die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise, die eine koordinierte Reaktion wünschenswert erscheinen ließ. Zum Austausch und zur Koordination trafen sich 1975 die Staats- beziehungsweise Regierungschefs der größten Industrienationen der freien Welt in der Sommerresidenz des französischen Präsidenten, Schloß Rambouillet, zu einem ungezwungenen Kamingespräch. Abgesehen vom Gastgeber, dem französischen Präsident Valéry Giscard d'Estaing, und dem deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt, welche die Idee zu diesem formlosen Gipfeltreffen hatten, waren Italien, Japan, Großbritannien und die USA vertreten. Die Themen waren durch die damalige Zeit vorgegeben: die Währungspolitik nach dem Ende des Bretton-Woods-Systems und die Reaktion auf die Ölkrise. Diese Gruppe der Sechs (G6) kam überein, es nicht bei diesem einen Treffen zu belassen, sondern sich nun regelmäßig einmal im Jahr informell zu treffen, um in "entspannter Runde" globale Themen und Probleme zu beraten.

Ein Jahr später kam als weitere große Industrienation des Westens Kanada hinzu und machte die G6 zur G7. Zur G8 wurde die kleine, aber feine internationale Organisation, die sich selber als "Abstimmungsforum" verstanden wissen will, nach dem Ende des Kalten Krieges durch die Aufnahme Rußlands. Die ehemalige Führungsmacht des Ostblocks ist von den finanz- und währungspolitischen Beratungen jedoch noch ausgeschlossen.

Die auf die seinerzeitige Problemlage (wohl auch auf Helmut Schmidts Interessenschwerpunkte) zurückzuführende anfängliche Konzentration auf finanz- und wirtschaftspolitische Fragen ist mittlerweile einem breiteren Themenspektrum gewichen. Diskutiert wird inzwischen auch über Gesundheits- und Bildungspolitik, Bevölkerungsentwicklung, Umwelt, Klimawandel, Außenpolitik, Fragen des internationalen Rechtes, Strafverfolgung und natürlich Terrorismus. Manuel Ruoff


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren