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26.05.07 / Die Gipfel sind ein Bretton-Woods-Ersatz / Das 1944 von 44 Staaten beschlossene Währungssystem scheiterte 1973 am Mißbrauch durch die USA

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Die Gipfel sind ein Bretton-Woods-Ersatz
Das 1944 von 44 Staaten beschlossene Währungssystem scheiterte 1973 am Mißbrauch durch die USA
von Manuel Ruoff

Entsprechend der von US-Präsident Franklin D. Roosevelt im Zweiten Weltkrieg angestrebten Weltfriedensordnung der "One World" mit seinem Land als Ordnungsmacht wurde als währungspolitische Ergänzung der Vereinten Nationen am 22. Juli 1944 auf einer Konferenz im US-amerikanischen Bretton Woods von 44 Staaten ein Währungssystem mit festen Wechselkursen zwischen den einzelnen nationalen Währungen beschlossen. Leitwährung war dabei der US-Dollar, der wiederum soviel wert sein sollte wie eine 35stel Unze Gold.

Um das Dollar-Gold-Verhältnis stabil zu halten, verpflichteten sich die USA, Dollar in Gold einzulösen. Um das Verhältnis der Währungen der anderen Teilnehmer dieses sogenannten Bretton-Woods-Systems zum Dollar zu stabilisieren, verpflichteten diese sich zu Devisenmarktinterventionen. Wenn die eigene Währung zu schwächeln drohte, sollten sie Dollar verkaufen und über diese Vergrößerung des Angebotes den Dollar-Wert senken. Wenn die eigene Währung hingegen zu stark zu werden drohte, sollten sie Dollar kaufen, um über die Erhöhung der Nachfrage den Dollar-Wert zu erhöhen.

Dieses System hätte sicherlich noch länger funktioniert, wenn die USA es nicht mißbraucht hätten, um einen Großteil der Kosten für ihren Vietnamkrieg auf die Partner abzuwälzen. Im Prinzip wie weiland die Weimarer Republik den Ersten Weltkrieg versuchten die USA den Vietnamkrieg zu finanzieren, indem sie die Geldmenge erhöhten, einfach mehr Geld druckten, Wie weiland die Mark geriet nun der Dollar unter Druck, verlor an Wert. Pflichtgemäß kauften daraufhin die Partner der USA immer mehr an Wert verlierenden Dollar, um das Verhältnis zur eigenen Währung zu stabilisieren. Gegen die Gelddruckmaschinen in den USA kamen sie jedoch mit ihren Käufen nicht an.

Frankreichs Führung, die weniger die Interessen der USA als jene der eigenen Staatsnation verfolgte, zog deshalb 1969 die Notbremse. Sie versuchte für ihr Land zu retten, was noch zu retten war. Statt weitere Dollars zu kaufen, versuchte sie die bereits vorhandenen - nicht etwa zu versilbern, sondern zu vergolden, sprich bei der US-Zentralbank in Gold einzulösen. Die Franzosen brachten damit die Blase zum Platzen, denn sie stellten die US-Amerikaner als zahlungsunfähig bloß. Deren Goldbestände erwiesen sich als nicht einmal ausreichend, um den Dollarbestand eines einzigen Bretton-Woods-Partners einzulösen. Zwei Jahre später nahm US-Präsident Richard Nixon die Zusage, Dollar in Gold einzulösen zurück. Die Aufgabe des festen Gold-Dollar-Verhältnisses schwächte den Dollar zusätzlich gegenüber den anderen Währungen. Die festen Wechselkurse spiegelten immer weniger das Verhältnis der Kaufkraft wider und wurden 1973 aufgegeben. Das war das Ende des Währungssystems von Bretton Woods. Seitdem werden die Wechselkurse weitgehend dem Markt überlassen mit allen Nachteilen, die mit flexiblen Kursen verbunden sind wie beispielsweise Planungsunsicherheit.

Ungeachtet des Endes des Bretton-Woods-Systems existieren und arbeiten einige ihrer Instrumente bis zum heutigen Tag. Zu nennen sind hier der Internationale Währungsfonds, der parallel zu den nationalen Notenbanken die Wechselkurse durch Devisenmarktinterventionen stabilisieren sollte, aber auch die Weltbank.


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