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26.05.07 / Die Erde in 80 Minuten / Bei einem Besuch im Bremer Übersee-Museum kann man unerhörte Schätze entdecken

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Die Erde in 80 Minuten
Bei einem Besuch im Bremer Übersee-Museum kann man unerhörte Schätze entdecken
von Esther Knorr-Anders

Anno 1873 erschien von Jules Verne der Abenteuer-Roman "Reise um die Erde in 80 Tagen". Der kundige Leser weiß, daß Mr. Fogg und sein Faktotum Passepartout die eingegangene Wette mit Hängen und Würgen gewannen. "Die Erde in 80 Minuten", so der Untertitel des hervorragenden Museumskatalogs, ist allerdings nicht zu bewältigen. Wer sich der Erlebniswelt des Bremer Übersee-Museums anvertraut, benötigt strenggenommen Tage, denn er durchquert alle Kontinente mit ihren unerhörten Schätzen.

Im Januar 1896 wurde das "Städtische Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde", das heutige Übersee-Museum, in Bremen eröffnet. Die Hallen und Lichthöfe bilden eine Ausstellungsfläche von über 9000 Quadratmetern; die Natur- und Kulturgeschichte der fünf Erdteile ist repräsentativ dargestellt. Darüber hinaus werden die Besucher mit sozial- und glaubensgeschichtlichen Inhalten der Altvorderen konfrontiert. Herrliche Exponate, Dioramen, ein japanisches Teehaus, Gärten, exotische Behausungen aus aller Herren Ländern lassen den Besucher traumverlorene Pausen einlegen, die zwangsläufig den Rundgang auf Schwerpunkte beschränken. Das Haus eines chinesischen Würdenträgers entstand um 1900 aus der Zusammenarbeit zwischen dem damaligen Museumsdirektor Hugo Schauinsland und dem Bremer Kaufmann W. Wilshusen.

Im Hauptraum des chinesischen Hauses, stets Ehren- und Empfangszimmer, befindet sich der Ahnenaltar, unerläßliches Requisit der chinesischen Familienkultur. Dort bittet man die Toten um Rat und Hilfe. Dem europäischen Museumsgast drängt sich die Erkenntnis auf, daß die Bewohner der exotischen Kontinente alle Verstorbenen als persönliche Schutzgeister ehren.

Plastiken von der Elfenbeinküste, sogenannte "Lebenspartnerfiguren", bestimmen die Vorstellungswelt der Baule, für die im Jenseits das "Dorf der Wahrheit" existiert. Von dort kommen alle Baule her und kehren dorthin zurück. Durch das irdische Leben aber begleitet sie ein Schutzgeist, und damit dieser sich auf der Erdenwanderung wohlfühlt, wird eine kostbare, mit Perlen und Gold dekorierte Plastik von ihm gefertigt. Zwei der schönsten sind in Bremen zu bewundern.

Ein Totem-Pfahl der Haida-Indianer (von der Nordwestküste Amerikas) beschwört ebenfalls Schutzgeist-Magie. Großäugige Fabeltiere beherrschen den 4,85 Meter hohen Schaft. Totenkult auch bei den Ägyptern. Der in menschlicher Gestalt geschaffene Sarg des Priesters Harsiese (frühe Ptolemäerzeit) besteht aus bemaltem Sykomorenholz, am Fußteil eine Schirmformel des Totengottes Anubis und zwei Schakale.

Die Weltreise geht weiter: Überwältigend durch die Ausstrahlung jenseitiger Ruhe ist eine japanische Buddha-Skulptur mit Gold- und Lackfassung. Dieser "Amida-butsu", der "Buddha unermeßlichen Glanzes", verheißt mit der erhobenen Rechten Furchtlosigkeit und Schutzgewährung, die auf dem Knie ruhende linke Hand bietet Segen und wohlwollende Gabe. Zu den außergewöhnlichen Exponaten des Museums zählt der präkolumbianische Goldschatz, der Bremen von dem Kaufmann C. Schütte übereignet wurde. Es handelt sich um Funde aus Schachtgräbern, die den europäischen Plünderern entgingen.

Ein goldener Anhänger in Form eines geflügelten Krokodils im Tolima-Stil (100-1000 n. Chr.) verströmt eigentümlichen Reiz.

In Peru wurde das Christentum durch die Spanier gewalttätig eingeführt. Doch neigten die Quechua- und Aymara-Indianer dem Madonnenkult zu, denn in der christlichen Muttergottes ließ sich die "Pachamama", eine mütterliche Urgottheit wiederfinden.

Das Gemälde eines anonymen Meisters "Madonna von Charcato" (18. Jahrhundert) zeigt die ewige Mutter im blutroten, ornamental übersäten Gewand.

Faszinierend auch drei Stabpuppen aus Java. Ihre zierlichen Unterkörper umhüllt faltenreicher, gemusterter Batikstoff.

Ob die Puppen einen guten oder bösen Charakter verkörpern, ist leicht zu erkennen. Die Guten haben edle, schmale Nasen; die Mieslinge tragen wahre Knollen im Gesicht ...

Am Ende des Rundgangs geht's durch die handelskundliche Schau des Hauses. Das Herz hüpft vor Freude. Bremer Waren: Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Reis, Bier, Wein!

Im originalen "Kolonialwarenladen" ist das alles fein gestapelt und sortiert, und zwar in anrührend nostalgischer Verpackung. Unvergänglicher Erinnerungszauber, den nur ein Museum bewahren kann.

Das Übersee-Museum Bremen, Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen, ist dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Foto: Übersee-Museum in Bremen: Beherbergt Kostbarkeiten aus der ganzen Welt


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