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26.05.07 / Wider das steinerne Herz / Gedanken zum Pfingstfest: Mit Gottes Hilfe sind auch schwierige Aufgaben zu bewältigen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Wider das steinerne Herz
Gedanken zum Pfingstfest: Mit Gottes Hilfe sind auch schwierige Aufgaben zu bewältigen
von Klaus Plorin

Zum Pfingstfest erinnern wir uns nicht nur an das mitreißend bewegende Geschehen damals in Jerusalem, als der Heilige Geist die ersten Christen ergriff, zu mutigem Bekennen ihres Glaubens in der Öffentlichkeit befähigte und so die Kirche gründete. Es ist für uns zugleich ein Anlaß, Gott für die Gaben seines Geistes bis heute zu danken, der uns und viele Christen immer wieder neu zu einem liebevollen, gerechten und wahrhaft menschlichen Denken und Tun hin bewegt. Um diesen Leben schaffenden Geist sollten wir Gott täglich bitten; denn ohne ihn kann uns nichts wirklich Gutes gelingen.

Nach christlichem Verständnis begann damals in Erfüllung zu gehen, was schon alttestamentliche Propheten ihrem Volk, und was Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern zugesagt hatten. Der Prophet Hesekiel zum Beispiel kündigte im Namen Gottes an: "Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben, das steinerne Herz aus eurer Brust nehmen und euch dafür ein Herz aus Fleisch schenken." (36,26)

Eine solche, bis in unseren Personenkern gehende, Erneuerung haben auch wir durchaus immer wieder nötig. Denn nicht nur organisch ist unser Herz anfällig für eine gefährliche Verkalkung und Verengung seiner Kranzgefäße. Ebenso droht dem hier "Herz" genannten Sitz unserer tiefsten Gefühle und Triebkräfte eine Art von Versteinerung, mit der wir uns gegen Zu- und Ansprüche Gottes und unserer Mitmenschen abschotten, damit wir ungestört unsere eigensinnigen Wege zu egoistischen Zielen gehen können. Zum Schaden allerdings nicht nur für unsere Nächsten, denen wir einiges schuldig bleiben, sondern auch für uns selbst. Wilhelm Hauffs Märchen "Das kalte Herz" beschreibt warnend die bösen Folgen, die das familiär und beruflich hat. Wie sich fleißiges Streben in materielle Unersättlichkeit verkehrt, wie Ehe und Familie zerbrechen, aber auch, wie Rettung aus der Katastrophe möglich wird.

Kaltherziger Egoismus kann ganze Interessengruppen, ja sogar Völker verderben. So daß sich zum Beispiel eine gesunde Vaterlandsliebe zu überheblichem Nationalismus verdreht. Und wie schnell lassen sich manche durch ihre Herzenshärte, statt mit dem "Schwert des Geistes" zu kämpfen, vom "Geist des Schwertes" beherrschen. Wie aber können wir statt unseres versteinert kalten Herzens wieder ein lebendiges, für Gott und unsere Nächsten zugängliches Herz bekommen, in dem Gottes Geist wirken kann, das in Freude und Leid mitfühlt? Das liegt wohl nicht in eigener Macht, bleibt ein Geschenk Gottes, um das wir ihn nur bitten können. Wie es Paul Gerhardt formuliert hat: "Du, Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt, kannst Menschenherzen wenden, wie es dir wohlgefällt" (133,8). Wenn eine solche Wende anfangs auch schmerzhaft sein mag, weil wir - wie bei einer Entziehungskur - Vertrautes loslassen müssen, so erleben wir dabei doch zugleich eine großartige Befreiung und Bereicherung.

Christlich gesehen geht es mit Hilfe des göttlichen Geistes in einem erneuerten Herzen nämlich um viel mehr als nur brave Erfüllung von Geboten. Denn die belebende und erleuchtende Kraft des Geistes Gottes und Jesu führt uns in die "herrliche Freiheit der Kinder Gottes" (Römer 8,21). "Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit" (2. Kor. 3,17).

In dieser Freiheit müssen wir uns nicht mehr ängstlich-kleinlich einer Schablone frommer Lebensgestaltung anpassen. Sondern wir dürfen alle unsere von Gott geschenkten körperlichen und geistigen Gaben zu segensreicher, freier Entfaltung kommen lassen, um sie liebe- und hoffnungsvoll einzusetzen.

Von Gottes Geist der Liebe bewegt können wir sogar manches planen und zu beginnen wagen, dem keine nüchterne Berechnung Erfolgsaussichten zubilligt. Dabei werden wir dankbar staunend erleben, was aus vertrauensvoller Verbundenheit mit Gott alles an Gutem erwachsen kann. Und falls wir dabei Fehler machen, Rückschläge und Verluste hinnehmen müssen, werden wir sie ertragen können, ohne den Mut zu verlieren.

Wenn unsere Aufgaben und Ziele wirklich Gott und den Menschen und nicht unserem eigenen Ruhm gelten, können wir weiterhin geduldig und ausdauernd daran arbeiten. Denn wir dürfen darauf vertrauen, daß Gott uns und denen, die vielleicht nach uns die Sache weiterführen, auch in der Zukunft Wege zeigen und Kräfte geben wird.

Ausreichende Lebensverhältnisse für alle Menschen, friedliches Zusammenleben der Völker, Rassen und Religionen sowie Lebens-, Produktions- und Wirtschaftsformen, welche die Existenzgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen dauerhaft bewahren - diese dringendsten Aufgaben können wir nur mit Hilfe des Heiligen Geistes Gottes bewältigen. Bitten wir Gott, daß er ihn uns allen reichlich schenke!

Foto: Pfingsten: In einer sogenannten Armenbibel werden Szenen aus dem Leben Jesu bildlich dargestellt.


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