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26.05.07 / Im Zeichen der Elchschaufel / Ausstellung in Verden und Lüneburg über Trakehnen und seine Pferde

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Im Zeichen der Elchschaufel
Ausstellung in Verden und Lüneburg über Trakehnen und seine Pferde
von C. Hinkelmann

Trakehnen - kaum jemand weiß mit diesem Namen nichts anzufangen. Für alle, die den Pferdesport lieben, und alle, die ihre Wurzeln in Ostpreußen haben, hat er jedoch einen ganz besonderen Klang. 1732, vor 275 Jahren, wurde das Hauptgestüt im äußersten Nordosten des gerade zum Königreich aufgewerteten Preußen gegründet. Dieses besondere Jubiläum nahmen zwei Museen zum Anlaß, gemeinsam eine Ausstellung vorzubereiten, die die Geschichte Trakehnens lebendig werden läßt und bis zur Gegenwart darstellt. Das Deutsche Pferdemuseum in Verden und das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg haben eine gemeinsame Schnittmenge: die wechselvolle Historie des preußischen Hauptgestüts Trakehnen und seine Bedeutung für die Pferdekultur bis heute. So lag nichts näher, als das große Thema gemeinsam anzupacken und die Präsentation gemeinsam zu realisieren. Als dritter im Bunde ist der Trakehner Verband beteiligt.

Wie bringt man nun ein Vorhaben, das untrennbar mit Lebewesen verbunden ist, in eine Museumsausstellung, die die Geschichte lebendig vermitteln soll? In den Ausstellungen und Magazinen beider Museen lagern zahlreiche Erinnerungen an das Hauptgestüt, die ostpreußischen Landgestüte und die private, ländliche Pferdezucht. Diese haben gemeinsam das in der Welt einzigartige edle Warmblutpferd Trakehner Abstammung, das erst seit Kriegsende einheitlich Trakehner genannt wird, geschaffen. Die Erinnerungen reichen vom Foto eines Siegerhengstes im Turnier über einen präparierten Huf bis zur Bronzeplastik eines Pferdes, das überragende Bedeutung für die Zucht hatte. Sie lassen die Geschichte lebendig werden, sind aber noch nicht genug für eine Ausstellung, die das große Thema angemessen würdigt.

Hier kamen die Privatpersonen ins Spiel. Nachfahren von bedeutenden Persönlichkeiten in Ostpreußen, besonders in Trakehnen selbst, deren Geschichte aufs engste mit der ostpreußischen Warmblutzucht verbunden ist. Von ihnen stammen wertvolle Ausstellungsstücke wie Gemälde, Pokale, Siegerpreise oder Alben, die sie leihweise zur Verfügung stellten. Anderen Privatpersonen fehlt der familiäre Bezug, doch widmen sich diese um so mehr und mit sehr viel Engagement der Erinnerung an Trakehnen und an die ostpreußischen Pferde, daß ihre Leihgaben in jedem einzelnen Fall ein vom Herzen gerissenes Exponat bedeuten.

Eine dritte Gruppe tritt in der Ausstellung mit eigenem Bild und gesprochenen Erinnerungen an die Öffentlichkeit. Dies sind Züchter Trakehner Pferde in der Gegenwart, die noch selbst in Ostpreußen geboren und geprägt wurden.

Die Ausstellung selbst betritt man, nachdem man eine fotografierte Eichenallee passiert hat, durch einen Torbogen mit der Jahreszahl 1732. Beide Elemente sind der Situation in Trakehnen selbst nachempfunden. Lagepläne, ein detailgenaues Modell des Landstallmeisterhauses, originale Bauzeichnungen und diverse Gegenstände vom Hauptgestüt selbst vermitteln dann, daß man in Trakehnen angekommen und willkommen ist. Die Ausstellungsstücke spiegeln aber auch auf drastische Weise wider, daß in Trakehnen selbst heute nichts mehr so ist, wie es einmal war.

Im weiteren Verlauf des Rundgangs folgt die Präsentation einer chronologischen Darstellung. Nach der - aus der Sicht eines Museumsausstellers - schlecht dokumentierten Anfangszeit des Privatgestüts der preußischen Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. bis 1786 ragt die Epoche des Landstallmeisters Wilhelm von Burgsdorf (in Trakehnen von 1808 bis 1842) heraus. Wie niemand vor ihm und kaum ein Leiter Trakehnens nach ihm beeinflußte er die preußische Warmblutzucht. Vielfache, Gestalt gewordene Dankbezeugungen und wertvolle Pferdedarstellungen verblieben in der Familie und bilden nun einen der Höhepunkte der Ausstellung.

In der Zeit nach von Burgsdorf, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vollzog sich Preußens Aufstieg zur führenden Macht in Deutschland. Diese Epoche ist durch drei für Preußen siegreiche Kriege gekennzeichnet, die ohne die Leistungsfähigkeit der ostpreußischen Warmblutpferde kaum hätten gewonnen werden können. Deshalb spiegelt die Ausstellung die hohe Bedeutung der Trakehner Pferde für die Armee wider, die sie in zahlreichen Kavallerie- und Transporteinheiten einsetzte. Das Soldatenpferd, im Erscheinungsbild quadratisch, in der Bewegung vielseitig und wendig, mit einem hohen Vollblutanteil, ist in zeitauthentischen Darstellungen präsentiert. Eine originale Uniform eines Königsberger Wrangel-Kürassiers oder eine gußeiserne Gedenktafel an ein treues Militärpferd runden diese Epoche ab.

Um 1900 herum erhielt das Hauptgestüt Trakehnen den Charakter einer Sehenswürdigkeit im parkähnlichen Flair, das Aussehen, das es bis 1945 behielt. Landstallmeister Burchart von Oettingen setzte die Modernisierung und Umgestaltung in großem Stil gegen viele Widerstände durch. In seiner Amtszeit bestimmte weiterhin das Soldatenpferd das Zuchtziel, das er um den Aspekt des Rennsports erweiterte. Wieder gelangte viel Vollblut in die Trakehner Linien. Diese Entwicklung setzte sein Nachfolger und Schwiegersohn, Kurt Graf Sponeck, fort, bis der Erste Weltkrieg eine Blütezeit der ostpreußischen Warmblutzucht beendete. Die glücklichen Jahre vor 1914 sind in der Ausstellung mit Gegenständen aus dem persönlichen Nachlaß von Marissa Gräfin Sponeck ausgeschmückt.

Der Erste Weltkrieg bedeutete für Trakehnen schwere Zerstörungen der Gebäude und die vollständige Räumung des Pferdebestands. Die Gebäude konnten wieder aufgebaut werden, die Pferde durften bis 1919 zurückkehren. Doch das Kriegsende veränderte Perspektiven und Zuchtziel grundlegend. Nun war nicht mehr das Militär der Impulsgeber, nun wurde ein leistungsfähiges und kräftiges Pferd für alle Aufgaben in der Landwirtschaft gebraucht. Landstallmeister Siegfried Graf Lehndorff gelang diese, "III. Verstärkung" genannte, Entwicklung eines Pferdes mit rechteckigem Erscheinungsbild in bemerkenswert kurzer Zeit. Authentische Dokumente aus der ostpreußischen Landwirtschaft stellen diesen Zeitabschnitt in der Ausstellung dar.

Die wohl bedeutendste Epoche Trakehnens unter Landstallmeister Dr. Ernst Ehlert ist zugleich die letzte Phase der Trakehner in ihrer Heimat. Ostpreußische Warmblutpferde, die in aller Welt gefragt waren, die nicht nur bei der Olympiade in Berlin 1936 siegten, kennzeichnen die enge Verbindung zwischen Trakehnen und der ländlichen Pferdezucht auf höchstem Niveau. Mit Gemälden und Plastiken bedeutender Pferde, mit Ehrenpreisen ist diese Zeit in der Ausstellung präsentiert.

Das einschneidendste Ereignis in der gesamten Trakehner Pferdezucht ist die Flucht aus Ostpreußen in den ersten Monaten des Jahres 1945. Dieser härtesten Leistungsprüfung aller Zeiten wird in der Ausstellung an zentraler Stelle gedacht, mit der Inszenierung einer gescheiterten Flucht und einer original verwendeten Kutsche. Die nachfolgende Beschlagnahmung der nach Mecklenburg geretteten Pferde des Hauptgestüts durch die sowjetische Besatzungsmacht schien das Ende der ostpreußischen Warmblutzucht zu bedeuten.

Doch aus kleinen, nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen gebrachten Gruppen und der großen Herde der Flüchtlingspferde gelang die Rettung und Erhaltung der Trakehner, die heute hauptsächlich im Sport verwendet werden. In zahlreichen Gestüten in Deutschland und vielen anderen Ländern, vor allem in privaten Zuchten, wird das aus Ostpreußen stammende edle Pferdematerial gepflegt und gezüchtet. Beispiele erfolgreicher und bedeutender Pferde aus der Zeit des Neuanfangs nach 1945 bis in die Gegenwart hinein kennzeichnen diese Zeit in der Ausstellung.

In Verden ist die Ausstellung noch bis zum 1. Juli 2007 zu sehen. In Lüneburg wird sie vom 14. Juli bis zum 21. Oktober 2007 gezeigt. Filmausschnitte aus Trakehnen in den 1930er Jahren, die Vorstellung des bedeutenden Fotoarchivs von Werner Menzendorf und ein vielseitiges Vortrags- und museumspädagogisches Begleitprogramm an beiden Orten runden die Präsentation ab.

Zur Ausstellung ist ein umfangreiches Begleitbuch erschienen. Erstmals seit mehr als 30 Jahren wird die Geschichte Trakehnens und der ostpreußischen Warmblutzucht bis in die Gegenwart hinein wieder in einem Buch komprimiert angeboten. Neben den historischen Darstellungen enthält die Publikation authentische, nie zuvor veröffentlichte Schilderungen aus der Zeit vor 1945, Übersichten über die Bedeutung der Pferderennen in Trakehnen, das Jubiläum 200 Jahre Hauptgestüt 1932, die Preußische Gestütverwaltung, die fotografische Dokumentation Trakehnens durch Werner Menzendorf 1938, und Porträts einiger wichtiger Personen der jüngeren Geschichte der Trakehner Zucht. Das Buch "275 Jahre Trakehnen - Mythos im Zeichen der Elchschaufel" ist für 16,80 Euro bei den beiden Museen erhältlich.

Deutsches Pferdemuseum, Holzmarkt 9, 27283 Verden (Aller), Telefon (0 42 31) 80 71 40, www.dpm-verden.de, und Ostpreußisches Landesmuseum, Ritterstraße 10, 21335 Lüneburg, Telefon (0 41 31) 75 99 50, www.ostpreussisches-landesmuseum.de

Foto: Trakehner neben Trakehner: Remontemarkt auf dem Hof von Joachim Reisch in Perkallen, Kr. Gumbinnen, um 1935


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