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26.05.07 / Zwischen Mönch und Jungfrau / Berner Oberland lockt mit spannenden Bergtouren - ob auf eigene Faust oder in Begleitung erfahrener Bergsteiger

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Zwischen Mönch und Jungfrau
Berner Oberland lockt mit spannenden Bergtouren - ob auf eigene Faust oder in Begleitung erfahrener Bergsteiger
von Thomas Voigt

Die kleine Gruppe von Wanderern ist ganz still geworden. Nicht etwa, weil der kurze Aufstieg zum Aussichtspunkt "Wart" uns atemlos gemacht hätte oder weil der schmale Pfad zwischen Fels und Geröll unsere ganze Aufmerksamkeit fordert. Andächtig stehen wir am Fuß des mächtigen Eiger, blicken stumm und fast ein wenig ratlos an dessen Nordwand empor. Da ist nichts mit Vormittagssonne. Da ist nur diese Wand. Steil, breit und schier unendlich hoch.

Seit mehr als 100 Jahren fordert der schroffe Koloß Bergsteiger aus aller Welt heraus, und vielen von ihnen wurde er zum Verhängnis.

Noch in den 50er Jahren bekannte Luis Trenker: "Wie ein böser Störenfried lastet die Wand über dem freundlichen Tal von Grindelwald. Niemand liebt sie, und wer sie kennt, fürchtet sie!"

Hier unten droht keine Gefahr. Endlich darf sich jedermann, der einigermaßen bergtüchtig ist, zumindest bis an den Fuß der berühmten Wand wagen.

Das Gemeinschaftswerk der Gemeinde Grindelwald, der Berner Wanderwege, der Bergschaft Wärgistal und der Jungfrau-Bahnen ist ein neuer Bergweg, der von der Station Eigergletscher zum Örtchen Alpiglen führt. Etwa zweieinhalb Stunden nimmt die Strecke in Anspruch, führt über steile Alpweiden und Geröllhalden am Fuß der weltberühmten Eigernordwand entlang, vorbei an einem herrlichen Wasserfall bis zur Station Alpiglen der Wengernalpbahn mit Restaurant. Dort wartet auf den hungrigen Wanderer die größte "Chässchnitte", die es in Grindelwald gibt.

Das traditionsreiche Eiger-Dorf Grindelwald im Berner Oberland liegt inmitten eines der schönsten Wandergebiete der Alpen. Die eisgekrönte Bergkulisse mit Wetterhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau ist Bühnenbild für ein alpines Areal, das durch die Jungfrau-Bergbahnen bestens erschlossen ist. Ein Sechs-Tages-Ticket gibt es zum attraktiven Wanderer-Preis. Mit den Zügen gelangt man mühelos zu den Ausgangs- und Endpunkten von rund 50 beschilderten Wanderstrecken.

Neben dem Klassiker Eiger-Trail ist besonders der Höhenweg beliebt, der gegenüber von der Großen Scheidegg vorbei am kristallklaren Bachalpsee weiter zum Aussichtsberg Faulhorn und zum Bergmassiv Schynige Platte führt. Wer im dortigen Berghotel auf dem Gipfel eine Nacht verbringt, erlebt mit etwas Glück einen der unvergeßlichen Sonnenauf- und -untergänge.

Spannend sind auch die Gletscher-Wanderungen, die von versierten Bergführern der Schweizer Schnee- und Bergsportschule im Sommer auch für Unerfahrene angeboten werden.

Eine zweitägige geführte Aletschgletscherwanderung vom Jungfraujoch zu einer gut ausgestatteten Hütte und am zweiten Tag vorbei am Märjelesee hinab zur Fiescheralp startet von Ende Juni bis Mitte Oktober dreimal in der Woche.

Mit Recht zählt sich Grindelwald zu den Top-Ferienregionen in den Alpen. Das Logis-Angebot reicht vom Fünf-Sterne-Luxushotel bis zur einfachen Herberge, Gastronomie und das Shopping-Angebot sind ausgesprochen gut. Gemeinsam mit den Orten Chamonix Mont-Blanc, St. Anton am Arlberg, Kitzbühel, Zermatt, Seefeld, Garmisch-Partenkirchen, Lech Zürs am Arlberg, Cortina d'Ampezzo, St. Moritz, Megève und Davos hat sich das Dorf zur Tourismus-Marke "Best of the Alps" (Das Beste der Alpen) zusammengeschlossen und steht diesen anderen teils mondänen Namen nicht nach.

Sogar den höchsten für Normalbürger erreichbaren Punkt der Alpen steuert man von Grindelwald an: Vom Bergbahnhof Kleine Scheidegg klettert die Jungfrauenbahn zum "Top of Europe", dem Jungfrauenjoch,

3571 Meter hoch zwischen Mönch und Jungfrau gelegen. Rund um die unterirdische Station ist im und am Berg eine kleine Infotainment-Stadt entstanden - mit Forschungsstation, Ausstellung, Tonbildschau, Eispalast, mehreren Restaurants, Ski- und Snowboardpark, Schlittenhunde-Fahrten und Sphinx-Aussichtsterrasse.

Der Blick hinunter auf Gletscher und Gipfel ist bei klarem Himmel ein Traum.

Mythos Eiger - um das etwas verstaubte Abenteurer-Image des 130 Millionen Jahre alten Bergs aufzupolieren, lädt Grindelwald seit 2005 zur Sommer-Woche "Eiger live - 1000 Meter über dem Alltag".

"Es ist eine Veranstaltung einerseits für Bergsteiger, im speziellen aber auch für Bergbesucher und Bergbeobachter", sagt Gastgeber und Bergführer Godi Egger. "Wir bieten die Gelegenheit, den Berg als Gesamtes und speziell den Eiger auf sichere Art und Weise zu erleben."

Zum Programm-Angebot gehören eine Biwak-Übernachtung in einer Felshöhle des Eiger, Mountainbike-Touren, Nordic Walking Touren, Grundausbildungen am Fels, Bergwanderungen, Gletscherwanderungen, Yoga am Bergfeuer, Künstlertreffen der Schweizer Bergmaler, Multivisions-Shows, Bergpredigt und Jedermann-Wettbewerbe an der Kletterwand in Grindelwalds Ortsmitte. "Eiger live 2007" läuft vom 2. bis zum 10. Juni.

Foto: Eindrucksvolle Kulisse: Eine Familie rastet auf einem Findling des Eigergletschers in der Jungfrauregion im Berner Oberland.


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