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02.06.07 / Staatsaffäre Doping / Nichts als laxe Vorschriften: Der Radsport-Skandal blamiert Deutschland

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-07 vom 02. Juni 2007

Staatsaffäre Doping
Nichts als laxe Vorschriften: Der Radsport-Skandal blamiert Deutschland
von Klaus D. Voss

Wer von der Doping-Affäre im Radsport überrascht ist, der hat nicht hinsehen wollen - oder er hat sich an die deutsche Marschregel in dieser Angelegenheit gehalten: Immer langsam voran. Im vierten Anlauf könnte es jetzt Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) immerhin gelingen, was sein rot-grüner Amtsvorgänger Otto Schily strikt blockiert hatte: ein Anti-Doping-Gesetz.

Schäuble muß sich ranhalten. Aus dem Doping-Skandal ist inzwischen eine Staatsaffäre geworden - denn die eklatanten Kontrollmängel im Leistungssport stellen das Land, seine politische Führung und vor allem seine Sportler generell in den Senkel. Selbst der oberste Doping-Fahnder Deutschlands, Armin Baumert, ist desillusioniert. Auf die Frage, ob mit weiteren Skandalen zu rechnen sei, etwa im Fußball oder im Wintersport, konnte er nur antworten; "Wir müssen leider auf alles gefaßt sein." Vergeblich hatte Baumert als Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) mehr Geld, mehr Personal und vor allem mehr Unterstützung eingefordert.

In Deutschland hat die Doping-Sportmafia Freigang. Man vertraute blauäugig den Zusagen der Sportverbände, die Sache im Griff zu haben. Nachbarländer wie Italien oder Frankreich können Doping-Sportlern wenigstens mit dem Staatsanwalt und den Gerichten drohen (zwischen drei Monaten und drei Jahren Haft), deutsche Strafverfolger können sich höchstens auf einen Paragraphen im Arzneimittelgesetz stützen - aber diese Regelung von 1998 hat nicht einmal die Hormon-Großhändler beeindruckt. 1998 war übrigens das Jahr, in dem französische Staatsanwälte die Tour de France lahmlegten und das Radsport-Team "Festina" aus dem Verkehr zogen.

Soviel Respekt in Sachen Leistungssport hat sich keine deutsche Institution verschafft, der Bund der Deutschen Radfahrer, heute geleitet von Altminister Rudolf Scharping, müßte eigentlich den Offenbarungseid leisten: die professionellen Radsportler haben offenkundig trotz aller Kontrolldrohungen weitergemacht.

Die kalkulierten "Geständnisse unter Tränen" der Telekom-Radler sind eine Ohrfeige für alle: Viel fürchten müssen die Doping-Sünder allerdings nicht, im Gegenteil. Sportvergehen verjähren in der Regel nach acht Jahren, und Kasse gemacht hatten sie schon alle. Und jetzt haben sie neues Aufsehen für sich erzeugt.

Wunder darf man von einem Anti-Doping-Gesetz nicht erwarten, auch ist das Strafrecht nicht dafür geschaffen, Sponsoren und Zuschauer vor Betrug durch nicht regelgerechte Leistungen zu bewahren. Aber das ist noch nicht alles, Doping wirkt fatalerweise bis in den Jugendsport hinein. Wer eine Sportkarriere plant, muß sich an den Leistungsmarken der Doping-Stars orientieren - ein Teufelskreis.

Der Staat, der sich gerade anschickt, seine Jugend durch Rauchverbote und verschärfte Kontrollen beim Alkoholverkauf vor den Alltagsgefahren zu schützen, hat eine neue Aufgabe - mit vollstreckbaren Anti-Doping-Regeln wenigstens mehr Klarheit in den Sportarenen zu schaffen.


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