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02.06.07 / "Wo sind deine Hörner?" / Erinnerungen an sowjetische Gefangenschaft im Ural

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-07 vom 02. Juni 2007

"Wo sind deine Hörner?"
Erinnerungen an sowjetische Gefangenschaft im Ural

In "Eingetragen im Buch des Lebens - Erinnerungen einer Ostpreußin an die russische Kriegsgefangenschaft" berichtet die 1925 im ostpreußischen Soldau geborene Autorin, wie ihre Flucht im Januar 1945 vor der Roten Armee in einem Kriegsgefangenenlanger im Ural endete.

"Wir wurden durch das große Tor gebracht und standen nun vor langen einstöckigen Baracken, die in vier Reihen hintereinander standen ... Wir wurden anschließend alle in Baracken mit großen Fenstern eingeteilt, die mir sofort aufgefallen waren, da während unserer gesamten Fahrt im Zug die Fenster, oder besser gesagt die Luken, zugenagelt oder mit Stacheldraht zugebunden gewesen waren ... In den ersten zwei Jahren war es wirklich grausam. Mit der Zeit merkten aber die Russen, die mit den deutschen Mädchen und Jungen arbeiten mußten, daß die Deutschen auch Menschen waren. Mir ist es einmal passiert, als ich auf dem Weg zum Dorfarzt war, daß mich ein Russe fragte, wo meine Hörner seien, und faßte suchend an meinen Kopf. Ich lief erschrocken davon ..."

Diese und viele andere ihrer persönlichen Erlebnisse aus ihrer Zeit im Kriegsgefangenenlager teilt Alma Weimann dem Leser in diesem Buch mit.

"Das Essen war nach wie vor sehr karg, es gab oft Kapustasuppe mit trockenen Fischköpfen und Brot. Im Sommer konnte man wenigstens etwas von den Feldern klauen, aber im Winter ging das nicht ... Ich mußte mich oft zusammennehmen, weil auch ich der Verzweiflung sehr nah war. Ich ging oft still meiner Arbeit im Lazarett nach und die Kranken brauchten viel Hilfe, die es aber nur in kleinem Umfang gab."

Alma Weimann beschreibt, wie die Frauen aus der Lage das Beste zu machen versuchten, und sogar aus Materialresten einer Gummifabrik mit Hilfe von angespitztem Draht Strickjacken fertigten.

Doch sollte die Zeit der tapferen Frauen im Gefangenenlager nicht ewig wären, und so wurden sie im Jahr 1949 aus dem Lager in Rewda zurück nach Deutschland entlassen. Besonders hervorzuheben gilt hier der Umstand, daß die Frauen erstmals auf Kosten des Lagers eine Feier inklusive Festessen ausrichten durften. "Brot wie zu Hause, Gemüsesuppe mit Fleisch und Kascha, richtig zum Sattessen mit Nachschlag ... So ein Essen gab es zum ersten Mal in den fünf Jahren. Allen mundete es wunderbar."

Die menschliche Erzählweise Alma Weimanns, die Schilderungen ihrer Ängste und Nöte als damals gerade einmal 19jähriges Mädchen zeichnen dieses Buch als etwas Besonderes aus. A. Ney

Alma Weimann: "Eingetragen im Buch des Lebens - Erinnerungen einer Ostpreußin an die russische Kriegsgefangenschaft", Frieling, Berlin 2007, broschiert, 144 Seiten, 7,90 Euro, Best.-Nr. 6193


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