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02.06.07 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-07 vom 02. Juni 2007

Hübsch einsammeln! / Wie Steineschmeißer dem Bußgeld entgehen, warum Bankräuber nicht rauchen sollten, und wie die Teletubbies Polen erschüttern
Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Wenn man an einer Stelle im Garten nicht vorankommt oder die Wühlerei dort keinen Spaß mehr macht, dann wurstelt man eben woanders weiter. Alles gleichzeitig geht sowieso nicht, da verzettelt man sich, das ist in der Politik nicht anders als bei der Gartenarbeit.

Zur Doping-Kontrolle hatten die deutschen Politiker eigentlich von Anfang an keine Lust. Deshalb haben sie sich anderer gesundheitsgefährdender Substanzen angenommen und schnüffeln dem Tabak hinterher oder dem Alkohol oder fettem Essen - vor allem der Jugend wegen. Die soll nicht rauchen oder trinken oder falsch essen, weil das ihre Sportlichkeit beeinträchtigt. Nichtrauchende, schlanke Abstinenzler vertragen ihr "Epo" viel besser.

Dopen ist nicht legal, doch bestraft wird nicht einmal, wer jahrelang bis zum Trikotkragen in Chemie getränkt war. Wehe aber dem, der sich demnächst in einem öffentlichen Gebäude eine Zigarette ansteckt - da kennt der erziehungsermächtigte Staat keine Gnade mehr: Bußgeld.

Theoretisch zumindest. Denn leider ist die Unsitte eingezogen, kleinere Bußgelder, etwa für das Wegwerfen von Zigarettenschachteln oder das Hinterlassen von Waldis Hinterlassenschaft, nicht einzuziehen. Der Verwaltungsaufwand sei höher als die Einnahmen für das Staatssäckel, mogeln sich die Ordnungshüter heraus.

Damit soll nach dem Willen der Berliner CDU-Politikerin Monika Thamm bald Schluß sein. Auch die kleinen Ordnungswidrigkeiten müßten geahndet, das Geld eingezogen werden, schon der Gerechtigkeit wegen.

Gewaltfreudige Demonstranten haben sich bereits daran gewöhnt, daß kaum einem von ihnen Verfolgung droht, nur weil sie Steine oder Flaschen auf Polizisten geworfen haben. Wer die gemeldeten Zahlen gewalttätiger Marschierer in Hamburg diese Pfingsten mit der kleinen Schar der Festgenommen vergleicht, merkt schnell: Steine schmeißen auf Polizisten ist ein Spaß, der für die allermeisten ohne Folgen bleibt. Steine schmeißen gehört irgendwie dazu. Das wird wohl auch so bleiben, schließlich wollen wir ja nicht "überreagieren", versprechen die Politiker.

Was fürs Schmeißen gilt, gilt aber noch lange nicht fürs Liegenlassen. Wer schmeißt, wird "deeskaliert", schlimmstenfalls mit Wasser bespritzt und verscheucht. Wer das Geschmissene nicht wieder einsammelt, aber soll endlich mit einem gepfefferten Bußgeld rechnen müssen wegen Vermüllung des öffentlichen Raums. Demnächst werden die Randalierer wohl per Megaphon aufgefordert, die Brocken neben den blutenden Ordnungshütern wieder zurückzuholen, sonst gibt's Strafe. Man könnte unwillige Chaoten ja mit der Möglichkeit ködern, die gebrauchten Steine wiederverwenden zu dürfen. Schließlich hat "Nachhaltigkeit" oberste Priorität. Zudem müßten die Beamten verpflichtet werden, das Blut aus ihren Köpfen ordentlich aufzuwischen. Gleiche Pflicht für alle.

Allzu viele Polizisten werden wir für die Demos ohnehin nicht mehr zur Verfügung haben. Wenn erst einmal flächendeckend nach Wegwerfern von Pappbechern und Plastiktüten gefahndet wird, haben die Uniformierten ganz andere Aufgaben zu bewältigen.

Das ließe nicht nur die Randalierer aufatmen - keine Wasserspritzen mehr? Räubern, Dieben und Gewaltverbrechern wird es ebenfalls gefallen, wenn die Staatsmacht hinter der Omi mit dem inkontinenten Dackel herjagt, anstatt ihnen ins Handwerk zu pfuschen. Von einer drastischen Aufstockung der Belegschaften öffentlicher Ordnungsdienste, zu denen ja auch die Polizei zählt, war in dem Vorstoß zur schärferen Verfolgung der vermeintlich "kleinen" Ordnungswidrigkeiten jedenfalls keine Rede, also müssen die Planstellen von irgendwoher abgezogen werden.

Allerdings soll sich kein Ganove in Sicherheit wiegen, denn ganz wird sich die Polizei ja nicht auf Hundehaufen verlegen. Und wir haben zwar sehr verständnisvolle Richter, aber auch deren Zurückhaltung kennt Grenzen. Durch die schrittweise Verschiebung der Ahndungspraxis in Deutschland wird nicht weniger bestraft werden, sondern nur anders. Der Nichtraucherschutz wird sehr, sehr ernstgenommen und immer mehr ausgeweitet. Mag also sein, daß der Bankräuber für den Überfall und die Geiselnahme mildernde Umstände bekommt wegen seiner Kindheit, seiner Geldsorgen und so. Doch daß er die Geiseln stundenlang vollgequalmt und die leeren Schachteln durchs Fenster geworfen hat, dafür wird er sich in aller Konsequenz verantworten müssen.

Hundehalter, die den Staat ums Bußgeld prellen, kettenrauchende Bankräuber und ressourcenraubende Demonstranten - in was für Zeiten leben wir eigentlich? Ordnung und Moral haben es schwer in unserem Land.

Zum Glück sind wir damit nicht allein. Unsere polnischen Nachbarn sind einem Skandal auf der Spur, der uns seinerzeit völlig entgangen ist. Erinnern Sie sich an die "Teletubbies"? Vier debil dauerlächelnde Stoffpuppen mit albernen Namen, die unsere Kleinsten winkend, hüpfend und glucksend davon überzeugen wollten, daß Sprechenlernen überhaupt keinen Zweck hat, weil "A-o!" oder "Aaaaa!" völlig ausreichten.

Deutsche Experten jedenfalls fürchteten, daß die "Teletubbies" die Sprachentwicklung von Kleinkindern hemmen. Im Streit darüber haben sie etwas anderes völlig übersehen, worauf nunmehr aufgeweckte Polen gestoßen sind. Polnische Medienwächter haben entdeckt, daß einer der vier bunten Fratzen, genannt "Tinky Winky", auffällig tänzelt und noch dazu eine Handtasche trägt. Ihre Schlußfolgerung: Tinky Winky ist homosexuell!

Das ist in Polen keine Kleinigkeit und hat eine Generalbeschau von zahllosen Kindergeschichten ausgelöst. Altbekanntes, das man bislang unbesehen auf die Gören losgelassen hat, wird mit einem Male sehr kritisch betrachtet. Da wären zum Beispiel Lolek und Bolek, ein auch in Deutschland früher sehr beliebtes polnisches Zeichentrickduo. Beides Jungs, hm ... Andere fragen nach den Schlümpfen, die in dem blöden Schlager eines holländischen Sängers so einen schlüfrigen Satz gesungen haben. Ein weiterer polnischer Beobachter der aufgeheizten Debatte würde gern in Erfahrung bringen, was die sieben Zwerge eigentlich gemacht haben, bevor Schneewittchen in ihrer Hütte aufgetaucht war.

Erziehungsminister von Polen ist Roman Giertych. Der starke Mann der kleineren Regierungspartei LPR bekommt vom bloßen Gedanken an Homosexuelle rosa Ausschlag und nimmt die Sache sehr ernst. Seine Hauptfeinde auf der Welt sind allerdings die Deutschen an und für sich, egal wie gepolt. Da wird ihn die Causa Schneewittchen und die sieben zwielichtigen Zwerge besonders interessieren, es sind bekanntlich sieben Deutsche - aus Grimms Märchen. Und erinnern die Zipfelmützen nicht ohnehin ein wenig an Pickelhauben?

Die EU in Brüssel erkennt die hervorstechenden Eigenschaften, die einige der 2004 in die Union aufgenommen Neumitglieder mitgebracht haben, erst langsam und schwankt zwischen Lachen, Staunen und blankem Entsetzen hin und her. Man hatte dankbare Novizen erhofft, jugendlich beseelt von der etwas in die Jahre gekommenen europäischen Idee.

Außer den stillen Balten aber haben mit den Regierungen von Warschau bis Bukarest lauter Springteufel am europäischen Tisch platzgenommen und sorgen für Rabatz.

Das alte EU-Europa tapst durch den Osten der erweiterten Union wie Schneewittchen durch den dunklen Wald. Nur daß ihm da, anders als im Märchen, keine freundlichen, hilfsbereiten Zwerge begegnen, sondern eher die Horrorfilm-Persiflage der Teletubbies: ständig beleidigt, streitsüchtig und vor allem verfressen. Allein Polen streicht bis 2013 60 Milliarden Euro EU-Fondsgelder ein. Doch wie alle verfressenen Bälger sagt es nicht "Danke" sondern bellt: "Mehr!"


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