© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-07 vom 07. Juli 2007

Aus der Versenkung
Deutsch-polnische Gesellschaften sind mehr als nur linkslastig
von Joachim Görlich

Fast waren sie in der Nach-Wendezeit ins Vergessen geraten: die linkslastigen deutsch-polnischen Gesellschaften. Jetzt scheinen sie wieder da zu sein. Und diesmal ist der neue Präsident der polnische "Polityka"-Redakteur Adam Krzeminski. Er hat unlängst auch von der "Viadrina"-Uni in Frankfurt / Oder einen Preis für deutsch-polnische Verständigung bekommen.

Die deutsch-polnischen Gesellschaften machten zum ersten Mal in der Ära des "Polnischen Oktobers" 1956 auf sich aufmerksam. Ihr Hauptsitz war damals Düsseldorf. An der Spitze stand der deutsche General v. Rohr, ein Liberaler und Freimaurer, der aus der polnischen Gefangenschaft gekommen war. Hinter ihm stand fast unbemerkbar der Altkommunist Paul Wolf, der penibel auf das bürgerliche Erscheinungsbild bedacht war.

Das gutgemachte Heft "Deutsch-polnische Begegnungen" durfte in Polen vertrieben werden. Auch in den Gebieten, wo es Restbestände einer deutschen Intelligenz gab. Es wurden junge deutsche Intellektuelle in Schlesien und Ostpreußen zur Mitarbeit geworben. Sie arbeiteten so lange mit, bis sie nach Deutschland kamen und zu ahnen begannen, wohin die Reise ging.

Dann gab es immer mehr deutsch-polnische Gesellschaften in der Bundesrepublik, die auch immer mehr ins linke Fahrwasser gerieten und ganz offen die "polnische Staatsräson" vertraten. Das Ansehen sank, und es wurde still um sie. Denn das Gedankengut war nicht mehr mit dem identisch, das von der "Solidarnosc" über die Oder tönte. Es gibt nach der "Wende" 1989 allerdings auch unabhängige deutsch-polnische Gesellschaften, wie die der Universität Breslau, der neben anderen auch der deutsche Nobelpreisträger Günter Blobel angehört.

In der Endzeit des "Kalten Krieges" war die "Polityka" - Krzeminski war als Deutschlandspezialist dabei - das "Flaggschiff der polnischen KP" mit pseudoliberalem Anstrich, deren Chefredakteur, Polens letzter KP-Chef Mieczyslaw Rakowski, im Gegensatz zu anderen Medien selbst der Hauptzensor seiner Zeitung war. Ein Novum.

80 Prozent der roten Medien Polens schafften die "Wende" 1989. Und befinden sich heute noch in den Händen der alten Nomenklatura. Nachdem die polnischen Postkommunisten es schafften - auch dank der SPD - in die Sozialistische Internationale aufgenommen zu werden, wurden sie und ihre Mitarbeiter in Westdeutschland salonfähig. Nicht nur im linken Lager.

Aber auch in Polen gibt es eine Birthler-Behörde, die sich "Institut für nationales Gedenken" (IPN) nennt, im Gegensatz zu unserer Birthler-Behörde hat sie eigene Staatsanwälte. Und so sind Teile der polnischen kommunistischen Medien und ihre Mitarbeiter ins Visier und auf die Listen von IPN geraten.

So auch einige aus der "Polityka". Herausragender Top-Agent war da der hierzulande geradezu vergötterte Deutschland-Experte Andrzej Szczypiorski, um den sich deutsche Verlage und Gazetten rissen und den sie fürstlich honorierten. Der Mann hatte sogar seine eigenen Eltern denunziert.

Die deutsch-polnische Schiene wird deutscherseits heute sowieso von links dominiert. Der deutsche Außenminister, der ja entsprechenden Einfluß auf die deutschen Konsularstellen in Polen und damit auch auf die deutsch-polnischen Einrichtungen hat, gehört der SPD an. Bundesbeauftragte ist als "Koordinatorin" die "Viadrina"-Chefin  Gesine Schwan, eine fanatische SPD-Genossin, der ausgezeichnete Beziehungen zur einstigen postkommunistischen Regierung Warschaus und deren Veteranen nachgesagt werden.

Freilich kann man den Genannten nicht nachsagen, daß sie momentan weiter die "polnische Staatsräson" der Gebrüder Kaczynski vertreten. Schon deswegen nicht, weil diese alles, was rot ist, geradezu hassen.


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