© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-07 vom 07. Juli 2007

So lebten die alten Rittersleut wirklich
Eine Ausstellung im Deutschen Burgenmuseum auf der Veste Heldburg widerlegt Klischees über das Mittelalter

Das Deutsche Burgenmuseum nimmt konkrete Formen an. Auf der Thüringer Heldburg wurde eine Ausstellung mit 30 Schautafeln eröffnet, in der sich alle Besucher der Burg über die Ziele und Inhalte des im Aufbau befindlichen Museums informieren können. Die Ausstellung soll bis zur Eröffnung des Deutschen Burgenmuseums auf der Veste Heldburg bestehen bleiben.

"Das Mittelalter boomt. Aber wer heute eine der erhaltenen Burgen besucht, begegnet oft nur gängigen Klischees und Anekdoten über das Ritterleben. Das wollen wir ändern", sagt Prof. Dr. G. Ulrich Großmann, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums und Initiator des Projekts. Gemeinsam mit Dr. Anja Grebe hat Großmann in den vergangenen zwei Jahren ein Konzept für das Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg erarbeitet. "Das Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg wird ein breites Publikum, aber auch Fachbesucher über den neuesten Stand der Burgenforschung informieren und dabei mit vielen überholten Vorstellungen aus Hollywoodfilmen und Ritterromanen aufräumen", so Großmann weiter. "Hier werden die Besucher erfahren, wie die Menschen auf einer mittelalterlichen Burg wirklich gelebt haben. Die Faszination bleibt erhalten, aber das Wissen kommt hinzu!" verspricht Großmann.

Dr. Helmut-Eberhard Paulus, Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und somit Hausherr der Veste Heldburg, sieht in der Durchführung der Bauarbeiten eine Herausforderung für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. "Die künftige Präsentation des Deutschen Burgenmuseums ist zugleich eine große Chance zur Sanierung der Heldburg. Die baulichen Voraussetzungen sollen ab 2008 geschaffen werden." Eine konkrete Kostenschätzung für die Baumaßnahmen liege derzeit noch nicht vor, aber es müsse mit mindestens fünf Millionen Euro gerechnet werden. "Diese Mittel können wir nicht aus dem laufenden Haushalt der Stiftung bereit stellen, das Projekt soll daher mit EU-Fördermitteln umgesetzt werden", stellte Paulus in Aussicht.

Anita Schwarz, die Bürgermeisterin von Bad Colberg-Heldburg, hofft, daß das Deutsche Burgenmuseum die Besucherzahlen auf der Veste, bislang schon über 30000 im Jahr, in die Höhe schnellen läßt: "Wir sind sehr glücklich über die Entscheidung, das Deutsche Burgenmuseum nach Thüringen zu bringen. Die Veste mit ihrer imposanten Lage zwischen Coburg und Hildburghausen an der Deutschen Burgenstraße bietet ideale Bedingungen, um die Besucher umfassend über das Thema Burg zu informieren und der Region viele neue Freunde zu gewinnen."

Die neu eröffnete Informationsausstellung umfaßt 30 mit Texten, Fotos und Zeichnungen versehene Holztafeln, die über die Geschichte und Typologie der Burgen,  ihre baulichen Bestandteile, ihre Funktion in der mittelalterlichen Gesellschaft und ihre

Bewohner Auskunft geben. Ausblicke auf die Burg als Amtssitz im 17. und 18. Jahrhundert sowie ihre Rolle in der Romantik des 19. Jahrhunderts ergänzen die Darstellung.

Weitere Tafeln informieren über die Methoden der Burgenforschung, die Internationale Wartburggesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern sowie schließlich über die Zielsetzung und den Aufbau des künftigen Deutschen Burgenmuseums.

Die Eröffnung des Deutschen  Burgenmuseums auf der Veste Heldburg ist für 2011 vorgesehen. Es wird im sogenannten Französischen Bau des bedeutenden Renaissance-Baumeisters Nicol Gromann eingerichtet, daneben wird der Heidenbau und der Küchenbau für die gastronomische Versorgung hergerichtet.

1982 hatte ein Brand den Französischen Bau beschädigt. In der dennoch weitgehend erhaltenen historischen Bausubstanz kann nun ein modernes Museumskonzept umgesetzt werden.

Das Deutsche Burgenmuseum wird von einem Trägerverein unterstützt, in dem neben dem Germanischen Nationalmuseum und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten auch das Deutsche Historische Museum in Berlin vertreten ist. Für das Jahr 2010 ist in Nürnberg und Berlin eine große Ausstellung zur Geschichte der Burgen in Deutschland geplant, deren wissenschaftliche Erkenntnisse in das Deutsche Burgenmuseum einfließen.

Zeitgleich mit der Eröffnung der Informationsausstellung wird die Internetseite des Deutschen Burgenmuseums www.deutschesburgenmuseum.de freigeschaltet. Auf ihr wird ebenfalls über die Ausstellung und die neuen Entwicklungen informiert.

gnm

Die Heldburg ist von April bis Oktober von 10 bis 18 Uhr, von November bis März von 10 bis 16 Uhr geöffnet.


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