© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-07 vom 07. Juli 2007

Schönheit in Ruinen
Probleme einer Friseurschule in Kabul

Was braucht eine Ruinenstadt wie Kabul mehr als einen Schönheitssalon? Eine durchaus berechtigte sarkastische Frage, die Deborah Rodriguez in ihrem Buch "Kabuls Schule der schönen Frauen" jedoch beantwortet.

Zu Zeiten der Taliban waren Schönheitssalons verboten, und auch heute noch beäugt die afghanische Regierung den Damensalon der 2002 aus Michigan nach Kabul gereisten Friseurin Deborah Rodriguez mit Mißtrauen.

Als ihr Schönheitssalon sich zum Beispiel zu Beginn gerade einigermaßen etabliert hatte und sie dabei war, ihre Schülerinnen anzulernen, funkte das Ministerium ihr selbstgerecht dazwischen, und die Worte der Sekretärin des Ministeriums, welche ihre Freundin ihr übersetzte, waren zunächst dazu angetan, sie an jeglichen Zukunftsvisionen zweifeln zu lassen.

Die Autorin schildert offen das Leben der Frauen in Kabul und welche Möglichkeiten ihnen die Ausbildung bei ihr im Schönheitssalon in einer ansonsten chancenlosen Ruinenstadt wie Kabul bietet.

Der Weg dahin war jedoch mehr als steinig, und doch meisterte Deborah Rodriguez diese Hürden, zwar nicht immer mit Bravour, aber dank ihres starken Willens mit Tatkraft und Entschlossenheit.

"Gegen Ende des Frühjahrs wurde mir plötzlich die Hälfte des Geldes gestrichen, das die deutsche Organisation mir zugesagt hatte und womit ich den zweiten und dritten Kurs finanzieren wollte. Die deutsche Regierung hatte der Organisation die Mittel gekürzt, und ich gehörte zu den Leidtragenden."

Verwundern mag so manchen Leser die Tatsache, daß Deborah Rodriguez als stolze unabhängige Frau ausgerechnet den gebürtigen Afghanen Sam heiratet.

Nicht genug damit, daß zwei sehr unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten aufeinanderprallen, sondern auch der Punkt, daß sie "nur" Sams zweite Ehefrau ist, läßt den Leser stutzen.

"Aber selbst wenn ich darauf achtete, mich ihm zu nähern, bevor er sich für das Abendgebet gereinigt hatte, reagierte er kaum. Er begriff überhaupt nicht, warum ich Händchen halten oder kuscheln wollte. Mit seiner afghanischen Frau hatte er so etwas noch nie gemacht, und sein Vater tat so etwas nicht mit seiner Mutter."

Ein Buch von und über eine bewundernswerte Frau, die in einem Land lebt, in dem sie als Frau zum Teil verachtet, zum Teil gefürchtet wird, die alles versucht, um den Frauen dort zu einem Minimum an Selbständig- und Unabhängigkeit zu verhelfen.

Die Ohnmacht, die Deborah Rodriguez von Zeit zu Zeit überkommt, über die Tatsache, als Frau nicht eingreifen zu können, wenn Frauen dort von ihrem Mann mißhandelt und gedemütigt werden, ist nachvollziehbar.

Deshalb gebührt dieser sich aufopfernden Frau um so mehr Respekt dafür, daß sie trotzdem immer wieder die Kraft findet weiterzumachen, weiterzumachen, um wenigstens eine kleine Zahl afghanischer Frauen zumindest zeitweise glücklich zu machen.         A. Ney

Deborah Rodriguez: "Kabuls Schule der schönen Frauen", Karl Blessing Verlag, München 2007, geb., 335 Seiten, 19,90 Euro, Best.-Nr. 6235


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