© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-07 vom 07. Juli 2007

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,        

liebe Familienfreunde,

heute geht es um die - gegenüber den großen Suchfragen - kleinen, aber nicht minder wichtigen Wünsche, von denen wohl manche auch nicht leicht zu erfüllen sind. Wie der von Herrn Andreas Marecki aus Dresden, der sich mit der "Poscheruner Mühle" beschäftigt, jenem Ort, an dem im Dezember 1812 die denkwürdige Konvention von Tauroggen unterzeichnet wurde. Herr Marecki glaubt, daß es ein altes Ölgemälde von dieser Mühle gibt, in der Geschichte geschrieben wurde. Wer hat einen Hinweis, wo sich dieses Gemälde befindet oder in welchen Büchern farbige Abbildungen zu finden sind? Die Unterzeichner waren damals der russische General Diebisch-Sabalkansky und Preußens General York, dem ein Denkmal, der "Yorkstein", in Tauroggen gesetzt wurde. Dieser Stein wurde von den Litauern als Musikerdenkmal "umgenagelt". Wer weiß etwas über die Aktion und vor allem, wann sie erfolgte? (Andreas Marecki, Hermann-Schmitt-Platz 8 in 01259 Dresden.)

Auch die nächste Frage ist sehr schwierig. Sie führt allerdings in eine jüngere Zeit, die für die Älteren von uns noch lebendig ist, so daß es Zeitzeugen geben muß. Gestellt wird sie von Herrn Professor Dr. med. J. Rüdiger Döhler, Chefarzt der Klinik Plau am See. Sie betrifft den früheren Präsidenten des Oberlandesgerichts Königsberg, Dr. Friedrich Ernst Max Dräger, * 18. Januar 1885 in Marienburg, Westpreußen, der 1944 hingerichtet wurde. Über den Hintergrund und die Umstände seines Todes hat Herr Professor Döhler bisher nichts ermitteln können, obwohl er die in Frage kommenden Archive durchsucht hat. Es sind nur die beruflichen Stationen des Juristen angegeben, aber nichts über sein Ende. Von 1935 bis 1931 war Dr. Dräger Präsident des Landgerichts Duisburg, hier sind im Augenblick Nachforschungen im Gange, die aber wohl auch nicht weiterführen werden. Ich glaube, daß wir aus dem Kreis unserer Leserschaft authentische Informationen über den Tod des ehemaligen Präsidenten oder Hinweise auf brauchbare Quellen erwarten können. (Zuschriften sind zu richten an Herrn Prof. Dr. J. R. Döhler, FRCSEd, Chefarzt Klinikum Plau am See, Quetziner Straße 88 in 19395 Plau am See. Telefon (03 81 35) 8 13 21. Fax (03 87 35) 8 71 22, E-Mail: doehler@plau.mediclin.de)

Immer wieder treffen bei uns Suchwünsche nach den Büchern des dänischen Schriftstellers Arne Gammelgaard ein, in denen er die Internierung der deutschen Flüchtlinge in Dänemark 1945 bis 1948 behandelt, so auch jetzt von Frau Eva Doese aus Kiel, die das Buch "Treibholz" sucht. Sie besitzt zu ihrem Bedauern keines der Bücher von Gammelgaard, möchte aber das genannte gerne für ihre Enkelkinder erwerben. Vielleicht befindet es sich noch im Besitz eines Lesers oder einer Leserin, die sich von ihm trennen könnten - so hofft Frau Doese, und wir glauben, daß sich ihr Wunsch erfüllen wird. (Eva Doese, Franziusallee 204 in 24148 Kiel, Telefon 04 31 / 72 47 85, E-Mail: edroese@arcor.de)

Manche Fragen sind, obgleich sie leicht erscheinen, doch schwer zu erfüllen - und das liegt an den ostpreußischen Ortsnamen, vor allem an denen, die 1938 oder auch schon früher geändert wurden. Selbst diejenigen, die noch in der Heimat geboren wurden und dort aufgewachsen sind, kommen damit schwer zurecht, erst recht die Kinder und Enkel. So mußte ich bei der Frage, die Frau Ricarda Schneidereit nach des Kindheit ihres Mannes stellt, doch verschiedene Möglichkeiten in Betracht ziehen. Helmut Schneidereit, * 26. August 1936 in Tilsit, lebte mit seinen Eltern Franz Schneidereit und Martha geborene Naujoks, in dem Haus Oberst-Hoffmann-Straße / Ecke Gartenstraße in Tilsit. Etwa zwei Jahre lang besuchte er die Herzog-Albrecht-Schule. Er kann sich erinnern, daß er oft mit seiner Mutter nach Wiesenfelde fuhr, wo sie Verwandte, die Geschwister Wilhelm und Martha Augat, besuchten, die einen zirka 60 Morgen großen Hof besaßen. Im Spätsommer 1944 kamen aus südlicher Richtung Verwandte, die ihren Besitz, eine Molkerei, verlassen hatten. Die Tante hieß Lydia, die damals etwa 15 Jahre alte Tochter Ute. Wiesenfelde - so schreibt Frau Schneidereit - kann nicht sehr weit von Tilsit entfernt gewesen sein, da man nachts die Feuer von den Bombenangriffen auf die Stadt sehen konnte. Ihr Mann erinnert sich, daß die Fahrzeit mit dem Zug eine Stunde dauerte. Nun ergibt sich aber folgendes: Man findet in ganz Ostpreußen nur einen Ort mit Namen Wiesenfelde, und der liegt im Kreis Treuburg. Der Ortsname Wiesenfeld ist zweimal vorhanden, im Kreis Neidenburg und im Kreis Tilsit-Ragnit, aber bei letzterem handelt es sich lediglich um einen großen Hof, etwa 33 Kilometer südöstlich von Tilsit gelegen, früherer Name Eszerninken. Die Fahrtzeit dürfte hinkommen, die Bahnstation ist nicht bekannt, das zuständige Kirchspiel war Altenkirch. Und dann bekam ich die Gewißheit, daß es sich tatsächlich um den gesuchten Namen handeln mußte, denn im ,,Niekammer", dem ostpreußischen Güterverzeichnis, fand ich als Besitzer einen Heinrich Naujoks - und das ist ja der Geburtsname von Herrn Schneidereits Mutter. "Bingo" würden meine Enkel sagen. Ob sich allerdings noch Landsleute finden, die etwas über dieses Wiesenfeld berichten könnten, ist zu bezweifeln, denn bei Kriegsende betrug die Einwohnerzahl noch nicht einmal 80! Kein Wunder, daß das Ehepaar Schneidereit bei mehreren Besuchen in Ostpreußen vergeblich nach dem vermeintlichen "Wiesenfelde" gesucht hat, das wahrscheinlich von der Landkarte ausgelöscht wurde, denn ein russischer Name ist nicht bekannt. Auf der Flucht kamen Mutter und Sohn dann nach Blankenau, der Bahnhof hieß "Underwangen" - so die Angaben -, aber es ist natürlich Uderwangen im Kreis Pr. Eylau. Und ungenau ist auch der Name des Gutes, auf dem sie unterkamen: Lindenau - aber entweder gibt es da eine Verwechslung mit Linkenau oder mit Gr. Lindenau, aber das liegt schon wieder nördlicher im Kreis Samland. (Und das kenne ich nur zu gut, weil ich als dreijährige Marjell auf dem Hof meines Nennonkels Karl Leckies in einen eisernen Topf mit kochendem Wasser gesprungen war, der zum Abkühlen auf dem Küchenboden stand! Ich behaupte, daß meine Füße mir das noch heute übel nehmen) Schlußpunkt: Wer etwas über die Orte sagen kann, wer sich an die genannten Personen erinnert, schreibe bitte an Frau Ricarda Schneidereit, Habichtweg 1 in 58256 Ennepetal.

Die nächste Frage wird schwieriger zu lösen sein, denn es geht um ein Bild, vielmehr um den Maler, der es geschaffen hat. Frau Sabine Crone fragt danach, denn es ist nicht nur in ihrem Besitz, es fasziniert sie auch als leidenschaftliche Märchenerzählerin, die sich besonders des ostpreußischen Sagenguts angenommen hat und es auf fesselnde Weise interpretiert. Viele Seminarteilnehmer im Ostheim in Bad Pyrmont und anderswo haben sie schon auf den Märchenabenden erlebt, die sie gemeinsam mit ihrem Mann veranstaltet. Nun zum Bild, das aus einem ostpreußischen Nachlaß stammt und ein halbes Jahrhundert lang auf dem Dachboden von Frau Crones Schwiegereltern unbeachtet stand, bis das Ehepaar es entdeckte. Es wurde aufwendig restauriert und gerahmt und hat nun einem Ehrenplatz in ihrem Haus. Aber - wer ist der Maler? Zwar ist das Bild signiert, doch der Namenszug ist trotz sorgfältiger Reinigung unleserlich geblieben. Wir konnten ihn auch nicht enträtseln, und unsere Leserschaft wird es auch nicht können. Aber vielleicht können Freunde der bildenden Kunst aufgrund der Maltechnik und des Sujets, das zweifellos ein ostpreußisches ist, es einem Künstler zuordnen oder einen Hinweis geben. Es ist wirklich ein sehr schönes Bild, es atmet den stillen Zauber unserer heimatlichen Seenlandschaft, und man kann verstehen, daß das Ehepaar Crone sich jeden Tag an seinem Anblick erfreut. Für Hinweise wären sie sehr dankbar. (Sabine Crone, Schützenstraße 20 in 31688 Nienstädt, Telefon 0 57 21 / 8 23 11.)

Eure Ruth Geede


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