© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-07 vom 07. Juli 2007

Eine mildtätige Frau
von Klaus Gröbig

Am 7. Juli 1207 kam die heilige Elisabeth auf der Burg Sarospatak in Nordungarn zur Welt. Schon im Alter von vier Jahren ließ sie ihr Vater, der ungarische König Andreas II., auf die Wartburg bringen, denn sie war dafür ausersehen, den ältesten Sohn des dortigen Landgrafen zu heiraten. Doch dieser starb 1216 und im Jahr darauf auch sein Vater. Der minderjährige Ludwig folgte ihm in der Thronfolge nach. Der hatte sich inzwischen in das junge Mädchen sehr verliebt. Sie war bei Hofe durch Sittsamkeit und Frömmigkeit aufgefallen. Nun konnte die aus politischen Gründen angebahnte Ehe 1221 doch noch geschlossen werden - wenn auch der Bäutigam gewechselt hatte. Die Ehe war - nach den überlieferten Berichten - sehr glücklich und aus ihr gingen drei Kinder hervor.

Als 1225 die ersten Franziskaner Mönche nach Eisenach kamen, übten sie großen geistigen Einfluß auf Elisabeth aus. Die Ideale der Frömmigkeit, Armut und Nächstenliebe fanden bei ihr Anklang und sie lebte sie auch. Mit den Franziskanern kam auch Konrad von Marburg, ein berühmt-berüchtigter Ketzerprediger, an den Hof. Er gewann rasch großen Einfluß. Diesem gelobte Elisabeth 1226 im Beisein ihres Mannes immerwährende Keuschheit für den Fall des Ablebens ihres Gemahls sowie Gehorsam gegenüber Konrad soweit es nicht in die Rechte des Landgrafen eingriff.

Dieser Fall trat früher ein, als alle gedacht hatten. 1227 beteiligte sich Ludwig an einem Kreuzzug, aber noch bevor er das Heilige Land erreicht hatte, raffte ihn eine Seuche dahin. Elisabeths Schwager Heinrich Raspe IV. wurde Regent für den erst fünf Jahre alten Sohn des Landgrafen. Bald verließ Elisabeth die Wartburg, weil der Regent ihr laufend Schwierigkeiten bereitete. Die Herausgabe ihres Witwenerbes mußte Konrad von Marburg für sie durchsetzen. Sie wohnte zunächst bei ihrer Tante, die Äbtissin des Klosters Kitzingen war, und dann bei ihrem Onkel, dem Bischof von Bamberg. Dieser bemühte sich um ihre erneute Verheiratung - sogar der verwitwete Kaiser zeigte sich interessiert -, aber Elisabeth fühlte sich an ihr Versprechen gebunden. Als die Gebeine ihres Gemahls im Mai 1228 nach Eisenach gebracht wurden, um dort bestattet zu werden, kehrte sie ein letztes Mal nach Thüringen zurück. 1229 folgte sie ihrem Beichtvater Konrad nach Marburg. Dort errichtete sie aus ihrem geerbten Vermögen ein Hospital, in dem sie auch selbst arbeitete. Konrad verlangte von ihr viele Bußübungen und Geißelungen. Im November 1231 erkrankte Elisabeth schwer und starb am 19. November 1231. Vier Jahre später wurde sie durch  Papst Gregor IX. heiliggesprochen.


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