© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-07 vom 07. Juli 2007

Eine streitbare Frau
von Klaus Gröbig

Im sächsischen Wiederau wurde am 5. Juli 1857 Clara Eißner geboren. Ab dem 14. Lebensjahr besuchte sie das sächsischen Lehrerinnenseminar. Früh geriet sie unter den geistigen Einfluß linker und feministischer Ideologie. Sie lernte den russischen Berufsrevolutionär Ossip Zetkin kennen, der die heranwachsende Frau sehr beeinflußte. Mit 21 Jahren bestand sie die Lehrerprüfung und versuchte sich als Hauslehrerin, aber die Eltern ihrer Schüler zeigten wenig Verständnis für ihre Agitation. 1878 trat sie der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands bei, der späteren SPD. Im Rahmen ihrer rasch wechselnden Beschäftigungsverhältnisse lernte sie Sachsen und dann Österreich kennen. Schließlich folgte sie Ossip Zetkin 1883 nach Paris. Obwohl sie Ossip Zetkin nicht heiratete, nahm sie seinen Namen an und gebar ihm zwei Söhne. 1889 hatte sie Gelegenheit, maßgeblich an der Vorbereitung der Zweiten Internationale in Paris mitzuwirken. In der linken Szene stieg daher ihr Ansehen. Im selben Jahr starb Ossip Zetkin.

Nach dem Auslaufen des Sozialistengesetzes ins Deutsche Reich zurückgekehrt, gründete sie 1892 die sozialdemokratische Frauenzeitschrift "Die Gleichheit" und übernahmt deren Leitung. 1907 wurde sie auf der ersten "Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen" zur Vorsitzenden des Frauensekretariats gewählt. 1910 forderte sie auf der zweiten Konferenz die Abhaltung eines "Internationalen Frauentages". Diesem Bemühen war sicherlich ihr nachhaltigster Erfolg beschieden. Bis 1989 wurde dieser Tag in der DDR mit großem Aufwand gefeiert, 1990 erbte die um das Beitrittsgebiet erweiterte Bundesrepublik diese Errungenschaft.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges bekämpfte sie die staatstragende Haltung der Sozialdemokratie im Reichstag. Ihr politisches Engagement brachte ihr 1915 vier Monate Freiheitsentzug ein. Sie radikalisierte sich. 1916 wurden der "Spartakusbund" und 1917 die USPD ihre politische Heimat. Schließlich wurde sie 1919 KPD-Mitglied. Ab 1920 saß sie für die extreme Linke im Reichstag und predigte dort die Solidarität mit Lenins und später Stalins Sowjetunion. 1924 siedelte sie in die UdSSR über und reiste nur noch sporadisch zu den Sitzungen des Reichstages nach Deutschland.

Obwohl sie mit der KPD bald im Streit lag, wurde sie dennoch immer wieder als Kandidatin für den Reichstag aufgestellt. Die Partei wollte sich die propagandistische Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Alterspräsidentin des Parlamentes zu stellen. In dieser Eigenschaft erklärte sie 1932 vor dem Parlament, sie hoffe es noch zu erleben, den ersten Kongreß der Volksräte Sowjetdeutschlands eröffnen zu können. Am 20. Juni 1933 starb Clara Zetkin in Archangelskoje in der Nähe von Moskau. Vor der Kremlmauer wurde sie beigesetzt.


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