© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-07 vom 07. Juli 2007

Anknüpfen an Glanzzeiten
Rügen besinnt sich auf seine Vergangenheit - Badehaus Goor bietet stilvollen Erholungsurlaub
von Helga Schnehagen

Schon Elizabeth von Arnim schwärmte um 1900, "daß Lauterbach einer der bezauberndsten Orte bleibt, die man sich vorstellen kann". Und über ihren Aufenthalt im Badehaus Goor schrieb sie: "... waren meine Erfahrungen in diesem Hotel angenehm. Das Hotel war wunderbar still."

Bis heute hat Lauterbach seinen verwunschenen Charme am Rügischen Boddenufer bewahrt. Daran hat weder der moderne Yachthafen mit seinen 300 Liegeplätzen etwas geändert, noch wird es der 18-Loch-Golfplatz tun, dessen Eröffnung für 2008 geplant ist. So "wundervoll" wie einst ist auch der Goor genannte Buchenwald, der mit seinen schattigen Wegen das Ufer säumt. Schatzkästchen der Natur geblieben ist ebenso das vorgelagerte Inselchen Vilm, auf dem im 16. Jahrhundert zum letzten Mal ein Baum gefällt wurde.

"Mit weiten Blicken auf See und Himmel, auf mächtige Buchen, dichte Farne, blumenerfüllte Wiesen, enzianbewachsene Höhen" verzauberte das Eiland schon Elizabeth - genauso wie zahllose Maler, die dort mit ihren Familien den Sommer verbrachten. "Dabei gibt es auf Vilm rein gar nichts, was den Eiligen anlocken könnte; um so mehr für den verträumten Touristen." Einziger Wermutstropfen: Auf eigene Faust, wie zu Zeiten Elizabeth von Arnims, kann man Vilm nicht mehr erobern, sondern nur noch im Rahmen geführter Wanderungen.

Mit dem gelungenen Neubau des Badehauses Goor unter Bewahrung der historischen Substanz, insbesondere der Fassade, hat Lauterbach jetzt auch sein nobles Flair wiedererhalten. Ist der kleine Badeort vor den Toren der Residenzstadt Putbus doch nicht nur Rügens ältestes Seebad. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es auch der Treffpunkt der eleganten Welt des preußischen Adels. Selbst Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. hatte es 1820 nach Lauterbach gezogen. Vorsorglich hatte Fürst Malte den Grundstein des Badehauses im Jahr 1817 an dessen Geburtstag legen lassen. Auf Antrag durfte es dann sogar den Namen des Königs tragen.

Diese Glanzzeiten waren schon bei Elizabeth von Arnims Besuch längst Geschichte. Einer Geschichte, die mit einem Schreiben des Rostocker Arztes Samuel Gottlieb Vogel an Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin 1793 begonnen hatte. Darin hatte der Mediziner empfohlen, ein Badehaus zu bauen, denn das Baden im Meerwasser helfe bei "sehr vielen Schwachheiten und Kränklichkeiten des Körpers".

Noch im selben Jahr ließ der Herzog mit Heiligendamm das erste Seebad an der deutschen Ostseeküste eröffnen. 16 Jahre später ist Fürst Wilhelm Malte I. von Putbus erstmalig auf dessen Bäderliste zu finden. Doch der Fürst ließ sich nochmals sieben Jahre Zeit, bis er 1816 in Putbus ebenfalls ein kleines Badehaus errichten ließ, das dann aber sehr schnell durch das prachtvollere in Lauterbach ersetzt wurde. Mit dessen Einweihung 1818 hatte 25 Jahre später auch Rügens erstes Seebad Premiere.

Lauterbachs Karriere war jedoch nur kurz. Ab 1840 verlagerte sich das Bad immer mehr ins offene Meer, spielte sich das gesellschaftliche Leben zunehmend am Strand, auf der Promenade und der Seebrücke ab. Die Bäder in den Wannen aus italienischem Carrara-Marmor, von denen ein Exemplar noch im Garten vom Rügen-Hotel in Sassnitz steht, kamen aus der Mode. "Heroisch" verzichtete man auf wohlige Temperaturen. Denn für die Hausbäder war das Wasser vom Rügischen Bodden ins Badehaus gepumpt und erwärmt in die Wannen geleitet worden.

Seit Ostern dieses Jahres ist der Wellness-Bereich mit Schwimmbad, Saunen, Wannenbädern und Physiotherapie - seiner Geschichte entsprechend - wieder das Herzstück des Badehauses. Seitdem findet man hinter der 50 Meter langen Kolonnade mit ihren 18 Säulen auch genau das Nobelhotel wieder, das die mächtige Fassade verspricht. 

Fürstlicher als zuvor sind auch die Ausblicke. Denn abgesehen von der herrlichen Sicht auf Meer und Buchenwald bietet der Innenhof nun ein zusätzliches reizvolles Motiv. Als Wilhelm Malte, frisch geadelter Fürst zu Putbus, ab 1808 auf Rügen Europas letzte planmäßige Residenzstadt erbaute, machte er den Circus zum Prunkstück seiner klassizistischen "weißen Stadt am Meer". Der runde Platz, aus dessen Mitte ein Obelisk emporragt, findet sich heute drei Kilometer von Putbus entfernt in der Lauterbacher Gartenanlage wieder. "Wir haben sogar den Obelisken im Kleinformat nachbilden lassen", so das Ehepaar Raulff, die heutigen Hotelbesitzer.

Die Begeisterung für Kunst und Geschichte spiegelt nicht nur das Badehaus Goor wieder, das die Cuxhavener Hoteliers 2002 von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) erwarben und für 14 Millionen Euro instand setzen ließen.

Das Restaurant vom Badehaus Goor verschlägt den Atem: Hinter weißen Säulen und glitzernden Kronleuchtern fesseln leuchtendes Pink und zartes Türkis das Auge. Bei aller Liebe zur Vergangenheit, die Raulff-Hotels gehen nicht minder mit der Zeit.

Hotel Badehaus Goor, Fürst-Malte-Allee 1, 18581 Lauterbach, Telefon (03 83 01) 88 26 0, www.raulff-hotels.de

Foto: Rügen: So wie Badegäste die Insel lieben


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren