© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-07 vom 28. Juli 2007

Kein Konsum-Klima
Ohne Vertrauen in die Zukunft halten sich die Deutschen zurück
von Klaus D. Voss

Schlechtwetterwarnung für die zweite Jahreshälfte oder: Alle Konjunktur-Hoffnung ruht jetzt auf dem Herbst und dem Weihnachtsgeschäft. Die Wirtschaftsforscher stecken jedenfalls bei ihren Prognosen deutlich zurück. Das Münchner Ifo-Institut ahnt, daß der "Aufschwung nicht mehr die Dynamik haben wird wie 2006".  Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin warnt: "Wir gehen von einem leichten Abschwung aus." Wenn es nicht schlimmer kommt: In der Rechnung sind vier Unbekannte - Zinsen, Euro-Kurs, Ölpreis und vor allem die Entwicklung des privaten Konsums.

Vom positiven Konjunkturverlauf in der ersten Jahreshälfte haben die meisten Menschen in Deutschland ohnehin nur in der Zeitung gelesen; bei der Bevölkerung war vom Optimismus der Exportbetriebe wenig angekommen. Für den Mann auf der Straße ist der wichtigste Indikator der Arbeitsmarkt, und da sieht es lange nicht so gut aus wie in den gutgelaunten Regierungsbotschaften.

Zum Ende der ersten Jahreshälfte war die Arbeitslosenzahl zwar um rund 700000 auf 3,7 Millionen gefallen, aber nur an die 460000 neue Arbeitsplätze sind entstanden; etwas mehr als die Hälfte in Vollzeitbeschäftigung. Eine Viertel Million Menschen ist aus der Arbeitslosenstatistik verschwunden; eine statistische Bereinigung bei der Bundesagentur für Arbeit, erklären die Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) offen.

Die gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforscher bleiben pessimistisch, was die Konjunkturstütze "Privater Konsum" angeht. Die Kauflust stockt, selbst in wohlhabenden Regionen wie Hamburg. "Unsere Lager sind bei allen Warengruppen zu 100 Prozent voll", klagte ein Sprecher des Hamburger Einzelhandels. Und die Branche entschloß sich zu etwas, was es eigentlich nicht mehr geben sollte: zu einem Sommerschlußverkauf. Nach dem August kommt für den Handel mit der neuen Ware auch die letzte Chance für 2007, das Blatt zu wenden - 25 Prozent der Jahresumsätze fallen in die Monate November und Dezember.

Aber werden die Verbraucher Mut fassen und mit ihren Ersparnissen die Wirtschaft ankurbeln - 4,5 Billionen Euro haben die Deutschen in der Rücklage, genug für den Konjunkturanstoß des Jahrhunderts. Aber die Menschen bleiben zurückhaltend, wenn sie zuwenig Vertrauen in die Zukunft haben.

Neben dem inzwischen unkalkulierbar gewordenen Ölpreis, der sich jeder vernünftigen Prognose entzieht, bleibt das Risiko auf dem Finanzmarkt. Vor allem die Immobilienkrise in den USA gilt als kaum noch berechenbares Zinsrisiko mit negativen Folgen für Konsum und Investitionen.

Zudem werden die amerikanischen Banken 2008 beginnen, die Risikobewertung nach dem Basel-II-Abkommen einzuführen. Dieses - in Europa schon praktizierte Verfahren verlangt von den Banken eine bessere Absicherung mit Eigenkapital - führt aber, wenn viele Schuldner schlecht bewertet werden müssen, unweigerlich zu einem steigenden Zinsniveau in den USA mit Auswirkung auf Europa - weitere Hindernisse für Investitionen und Konsum.


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