© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-07 vom 28. Juli 2007

Nach dem Leben und der Natur gemalt
Hamburger Galerie präsentiert Wegbereiter und Meister der Moderne aus dem 19. und 20. Jahrhundert
von Silke Osman

Die schönsten Franzosen kommen aus New York." Mit diesem Slogan wirbt derzeit die Berliner Nationalgalerie für ihre Ausstellung mit Werken aus dem Metropolitan Museum of Art. Rund 150 Meisterwerke des 19. Jahrhunderts, die New York nur selten verlassen, sind noch bis zum 7. Oktober an der Spree zu sehen. Illustre Namen und bekannte Werke sind zu finden. Die Reihe reicht von Ingres, Corot und Courbet über Manet, Degas, Pissaro und Monet bis zu Cézanne, Gauguin und Matisse. Sie gelten als Wegbereiter der Moderne und haben mit ihrem Werk in der Kunstwelt den Grundstein für das 20. und 21. Jahrhundert gelegt.

Wegbereiter und Meister der Moderne kann man auch in einer mit der Berliner Präsentation vergleichsweise kleinen, dennoch beachtlichen Ausstellung in der Hamburger Galerie Hans entdecken. Dort sind derzeit Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphiken aus dem

19. und 20. Jahrhundert zu sehen. Prunkstück der Ausstellung ist ein kleines Ölgemälde von Auguste Renoir (1841-1919), einen Rückenakt darstellend. "Renoir", so die Kunsthistorikerin Christine Szkiet, die Besucher der Galerie Hans fachkundig und aufmerksam betreut, "wurde von Künstlern der Schule von Barbizon dahingehend beeinflußt, indem sie ihn aufmunterten, stets nach dem Leben und dem Modell zu arbeiten." Renoir liebte die Frauen als Modell, schön und wohlgerundet mußten sie sein. Er gab ihnen und ihrem wunderschönen Erscheinungsbild auch die "Schuld" daran, daß er Maler geworden war.

Die früheste Arbeit in der Sommerausstellung der Galerie am Hamburger Jungfernstieg ist eine Zeichnung von Carl Blechen (1798-1840) mit dem Titel "Waldfriedhof im Schnee", die lange als verschollen galt. "Die Stimmungsmalerei, die sich aus der Romantik direkt vor der Natur seit 1850 in der Schule von Barbizon entwickelte", so Christine Szkiet, "verdankt die Kunst insbesondere dem Künstler Camille Corot (1796-1875). Von ihm sind in der Ausstellung das Ölbild ,Wäscherin an der Oise' und die Radierung ,Souvenir d'Italie' zu sehen. Corot war es auch, der die Entstehung des Impressionismus maßgeblich beeinflußte." Weiter begegnet man in der Ausstellung Werken von so bekannten französischen Künstlern wie Henri de Toulouse-Lautrec, von dem die 1893 gefertigte Lithographie "Barthet et Monnet-Sully, dans Antigone", eine Szene aus dem Theater, präsentiert wird. Oder Éduard Vuillard und Fèlix Vallotton, zwei wichtige Vertreter der Nabis, einer 1888 in Paris gegründeten Gruppe post-impressionistischer Künstler, die mit zwei Handzeichnungen und einem Holzschnitt präsentiert werden.

Zu dem wohl wichtigsten Vertreter des Impressionismus in Deutschland zählt der Berliner Max Liebermann. Von ihm sind zwei große Kohlezeichnungen und eine Radierung zu sehen, darunter die Kohlzeichnung "Weinende Frau", die als Studie zu Liebermanns Ölgemälde "Frau mit der Ziege" aus dem Jahr 1894 gilt. Die Radierung "Badende Knaben" von 1918 erinnert sehr an Liebermanns Holland-Bilder mit ihren nach Herzenslust im nassen Element tobenden Jungen.

Lovis Corinth ist mit einer Farblithographie "Walchensee" vertreten. Seit 1919 hielt sich der Künstler immer wieder in Urfeld am Walchensee auf, wo er ein Haus errichten ließ und sein Malerparadies fand.  "Ich sah ihn oft bei der Arbeit völlig entrückt", erinnerte sich seine Frau, die Malerin Charlotte Berend-Corinth. "Sein Blick trank das Landschaftsbild vor ihm tief in sich ein. Ekstatischer Ernst lag über seinem Antlitz."

Künstler der "Brücke" wie Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel und auch Emil Nolde sind mit Arbeiten zu finden. Besonders beeindruckend das 1936 in Osterholz an der Flensburger Förde entstandene Ölgemälde Heckels "Frauen und Kinder am Strand". Ein Jahr später erhielt der Maler wie so viele seiner Zeitgenossen Ausstellungsverbot unter den Nationalsozalisten und 729 seiner Arbeiten wurden beschlagnahmt ...

Die Ausstellung "Wegbreiter und Meister der Moderne" ist in der Galerie Hans, Jungfernstieg 34, 20354 Hamburg, dienstags bis freitags von 11 bis 19 Uhr und sonnabends von 10 bis 13 Uhr zu sehen, bis 31. August.

 

Immer wieder kann man sie auf Ausstellungen bewundern, nicht nur derzeit in der großen Berliner Schau. Die französischen Impressionisten wie Manet, Monet, Degas oder Renoir sind beim Publikum beliebter denn je. Das war nicht immer so. Ihre Bilder wurden einst als dilettantische Kleckserei abgetan und riefen sogar Skandale hervor. Die Sicht- und Arbeitsweise der Künstler war für ihre Zeitgenossen neu und schockierend. Ines Janet Engelmann hat für den Prestel Verlag, München, 50 Bilder, die man kennen sollte zusammengestellt und erläutert (144 Seiten mit 125 Abb., davon 100 in Farbe, Flexo-Einband, 19,95 Euro). In chronologischer Folge wird die Entwicklung des Impressionismus gezeigt, beginnend mit Manets "Frühstück im Freien" aus dem Jahr 1863 und abschließend mit dem Gemälde "Nach dem Bade", das Lovis Corinth 1906 schuf.             Os

Foto: Auguste Renoir: Rückenakt (Öl)


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