© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-07 vom 28. Juli 2007

Neues Leben als Ramute
Bewegendes Wolfskind-Schicksal steif umgesetzt

Der Titel "Edeltraut / Ramute - Wie ein ,Wolfskind' in Litauen" läßt eine bewegende Geschichte aus der Zeit direkt nach dem Zweiten Weltkrieg vermuten, und dem ist auch so, nur leider hat der Autor Richard L. Neu diese so verpackt, daß man eigentlich schon nach den ersten Seiten keine Lust mehr hat, weiter zu lesen. Hier arbeitet der Autor nämlich erstmal geschichtsbuchartig die historischen Entwicklungen des Zweiten Weltkrieges ab, bis er sich dann der Geschichte nähert: "Im Dorf Blöken, Kreis Labiau, wird am 3. Januar 1924 dem Ehepaar Fritz und Rosi Mai ein Töchterchen geboren." Der literarisch wenig ansprechende Beginn ist jedoch wieder nur eine Vorgeschichte, denn das Mädchen, was hier geboren wird, ist Gertrud, die Mutter von Edeltraut, die selber erst 1942 das Licht der Welt erblickt.

Nun zur eigentlichen Geschichte: Nachdem die ostpreußische Heimat zerstört ist, flüchtet die inzwischen verwitwete Gertrud mit ihrer Tochter und ihrer Freundin 1946 nach Litauen. Für einige Monate finden sie auf einem Hof Unterschlupf, auf dem sie die Arbeit und Pflege der kranken Bäuerin übernehmen. Doch nachdem diese wieder genesen ist, müssen die drei weiter. Viel weiter kommen sie jedoch nicht, da Gertrud und Emma zur Zwangsarbeit verpflichtet werden und Edeltraut mit zwei anderen Kindern zurückbleibt. Doch die Kleine hat das Glück, von einer litauischen Familie angenommen zu werden. Diese gibt das Mädchen als ihr eigenes aus und nennt sie Ramute.

Gertrud, inzwischen aus sowjetischer Gefangenschaft nach Deutschland entlassen, wird von ihrem neuen Mann daran gehindert, nach Edeltraut zu suchen. Dieser will, daß sie sich nur ihm und dem gemeinsamen Sohn widmet und ihre Tochter vergißt. Erst nach dem Tod ihres Mannes und Sohnes sowie dem Ende des Kalten Krieges begibt sich Gertrud auf Drängen ihres neuen Lebensgefährten erneut auf die Suche nach ihrer Tochter.

Das eigentlich sehr bewegende und herzergreifende Schicksal ist leider sehr steif und sachlich niedergeschrieben. Die geschilderten Dialoge sind unrealistisch.  "Mein Name ist Antanas Laurinskas, ich bin hier im Ort der Dorfschmied, jetzt, wo alle Bauern den Kolchosen angeschlossen sind, werden dort auch die Schmiedearbeiten verrichtet. Ich habe jetzt weniger zu tun ... Ihr seid zwei Frauen mit einem kleinen Mädchen, Ihr habt am Krieg der Faschisten keine Schuld. Wir Litauer lassen keinen Menschen in seinem Elend, das ist gegen unseren Glauben." Diese Worte des Dorfbewohners Antanas klingen doch ziemlich künstlich, denn selbst wenn er so gehandelt hat, wird er kaum so gestelzt dahergeredet haben.            Bel

Richard L. Neu: "Edeltraut / Ramute - Wie ein ,Wolfskind' in Litauen", Hauschild, Bremen 2007, geb., 138 Seiten, 14 Euro, Best.-Nr. 6268


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