© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-07 vom 28. Juli 2007

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,

liebe Familienfreunde,

da haben wir ja jetzt den Sonnensommer, und wir wollen hoffen, daß er noch eine Weile bleibt. Die Stimmung hellt sich auf, das spüre ich auch in den Briefen, die jetzt vermehrt einfache Fragen enthalten, diese bunten "Nuschtkes", die ich manchmal zum Schluß der Kolumne als Nachschrapsel anhänge - und so schiebe ich erst einmal die schicksalsschweren Suchfragen beiseite, und bündele die leichten zu einem bunten Strauß aus unserm Familiengarten. Na ja, so leicht werden manche ja auch nicht zu erfüllen sein, obgleich die letzten Reaktionen auf die veröffentlichten Wünsche recht hoffnungsfroh stimmen.

So konnte uns Frau Ilse Bannick melden, daß ihre zum Teil doch recht kniffligen Fragen ein gutes Echo fanden. "Ich bin glücklich, habe schriftliche und telefonische Nachrichten bekommen. Bin allen von ganzem Herzen dankbar, die mir helfen oder geholfen haben, mein Werk - ,Groß und Klein Gnie, Kreis Gerdauen' - für die nächste Generation schriftlich zu vervollständigen und festzuhalten." Der gesuchte Ort Küchensee liegt nicht, wie bisher vermutet, in Ostpreußen - deshalb konnte ich ihn auch nicht finden -, sondern in der Mark Brandenburg. Dorthin wurden 1948 die letzten in ihrer Heimat Verbliebenen transportiert. Den Landsmann, für den sie diesen Ort suchte, hat seine Erinnerung nicht betrogen: Küchensee ist heute in Karten nicht mehr verzeichnet, er bestand aus ehemaligen Arbeitsdienstbaracken So, das hätten wir. Auch zu der Frage nach dem "Wappen" von Groß und Klein Gnie bekam Frau Bannick Zuschriften, darunter eine sehr ausführliche von Herrn Walter Kampmann aus Marl, einem autodidaktischen Heraldiker und Genealogen, der ihr auch bei der weiteren Nachforschung behilflich sein wird. Die Auszeichnung soll 1773 der damalige Besitzer der Güter, Friedrich von Farenheid, aus den Händen des Obermarschalls von Schlieben erhalten haben.

Zu diesem Fragekomplex hat sich auch Frau Susi Dahlke-von Terzi gemeldet, die sich nun ihrerseits interessiert, ob es noch Farenheid-Nachkommen dieser Linie gibt. Und sie hat wieder einmal Dank gesagt, denn unsere Zeitung führte sie mit einstigen Gefährtinnen des Reichsarbeitsdienstes (RAD) aus dem bei Memel gelegenen Lager Plicken zusammen. Nun gab es ein Wiedersehen mit zwei Ehemaligen - zu Dritt konnten die nunmehr 80jährigen ein Wiedersehen in Rödental nahe Coburg feiern. Die Drei erinnerten sich nicht nur an ihre Lagerzeit, sondern auch an den gemeinsamen Dienst als Flakhelferinnen im Großraum Berlin - und waren dankbar, daß sie sich nach über 60 Jahren in die Arme schließen konnten. Wie sie sich fanden? Nun, der Name von Frau Dahlke-von Terzi erscheint ja oft in unserer Kolumne, und da sie ja noch in dem Doppelnamen ihren Mädchennamen trägt, konnte Frau Hild - früher Waltraud Margenfeld - sie entdecken. Frau Susi stieß wiederum unter der Rubrik "Wir gratulieren" auf Gertrud Barthel geborene Scheckenreuther, der ihre ostpreußische Heimatgemeinde zum 80. Geburtstag gratulierte - ohne ihr Wissen, sie hatte nicht einmal eine Ahnung davon, daß es unsere PAZ / Das Ostpreußenblatt gibt. Das war natürlich eine Überraschung! "In vielen Fällen ist es eben noch nicht zu spät", schreibt Frau Dahlke-von Terzi in Ihrem Dankesbrief und macht mir und der ganzen Ostpreußischen Familie Mut, unermüdlich weiter zu suchen.

Ich erlebe es ja - leider - oft, daß sich Suchende an uns wenden, weil sie von dritter Seite gehört hätten, daß es uns gäbe, und dann höchst erstaunt sind, wenn sie unsere Zeitung lesen, und noch erstaunter, wenn ihr veröffentlichter Wunsch so unerwartet erfüllt wird. Vielleicht trifft letzteres auch auf den nächsten Fall zu. Ich bekam ihn telefonisch vorgetragen und hoffe, daß die Angaben stimmen. Herr Bek, Spätaussiedler, ist öfter in seiner Heimat im südlichen Ostpreußen und hat jüngst aus Allenstein mehrere deutsche Bibeln mitgebracht, von denen eine die Namen der früheren Besitzer trägt. Es handelt sich um eine katholische Volksbibel von 1929 aus dem Verlag Josef Koesel und Dietrich Postel, München, herausgegeben von Alphons Heilmann. Der Buchschmuck stammt von Prof. Gerhard Vogel. Die Bibel wurde wahrscheinlich dem Brautpaar Franz August Walker, * 8. August 1901, und Hertha Maria Hirstowski, * 7. März 1899, zu ihrer Trauung am 8. August 1930 in der Elbinger St. Nikolaikirche geschenkt. Spätere Eintragungen, leider ohne Datum - weisen die Namen ihrer Kinder auf: Manfred, Franz, Gerhard / Gisela, Hertha Hildegard / Hartmut

Erich August Walker. Über 60 Jahre lang wurde diese sehr schöne Bibel in Allenstein aufbewahrt, nun hat sie Herr Bek mitgenommen, weil er die Familie Walker aus Elbing finden möchte, also die in der Bibel genannten Kinder oder deren Nachkommen. Ein Wunsch, der nicht unerfüllbar erscheint. (Horst Bek, Am Ohlendiek 17, Gemeinde Oststeinbek, Ortsteil Havighorst, 22113 Oststeinbek, Telefon 0 40 / 7 39 40 15.)

Eure Ruth Geede

Foto: Wiedersehen nach 60 Jahren: Die ehemaligen RAD-Kameradinnen und Flakwaffenhelferinnen Gertrud Barthel, Susi Dahlke-von Terzi und Waltraud Hild (v.l.)


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