© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-07 vom 28. Juli 2007

Durch eine Kugel berühmt
Namensgeber des "Behaimschen Erdapfels" starb vor 500 Jahren
von Corinna Weinert

Die Erde ist eine Kugel. Klingt trivial, ist es auch - heute zumindest. Bis ins Mittelalter jedoch hielt sich die Vorstellung, daß die Erde eine Scheibe sei. Daran änderten auch Gelehrte wie Aristoteles (384-322 v. Chr.) nichts. Mit den neuen Erkenntnissen jedoch, die durch Expeditionen zur Erschließung weiterer Seewege für den Handel gewonnen wurden, machten sich Entdecker, Forscher und Gelehrte daran, die Erde im Modell nachzubilden. Hieraus entstand der uns heute allen bekannte Erdglobus. Die älteste noch erhaltene Konstruktion aus damaliger Zeit stammt von Martin Behaim, der an diesem Wochenende seinen 500. Todestag hat.

Martin Behaim wurde am 6. Oktober 1459 als ältester Sohn einer alten Kaufmannsfamilie in Nürnberg geboren. Mit 17 Jahren ging er zur praktischen Berufsausbildung in die Niederlande, wo er von den kühnen Vorstößen der portugiesischen Seefahrer nach Süden und den Problemen der Schiffahrt durch die ungenauen Navigationsmöglichkeiten erfuhr.

Es zog den jungen Behaim darauf hin nach Lissabon, wo er in die Seefahrtskommission aufgenommen wurde. Er machte die nautische Schule mit den Instrumenten und Tabellenbüchern von Regiomontanus bekannt. Von nun an war es den portugiesischen Seefahrern möglich, unabhängig von der Küstensicht ihren Weg über die offene See zu finden. 1483 wurde Behaim vom portugiesischen König in die Kommission zur Anfertigung eines Astrolabiums, eines Meßgerätes zur Winkelmessung am Himmel, berufen.

Der Posten in der obersten nautischen Behörde verhalf ihm wahrscheinlich auch zu einer Seereise an die Westküste von Afrika, die er 1484 als Kosmograph unter Admiral Diogo Cão unternahm. Nach seiner Rückkehr wurde Behaim 1485 vom portugiesischen König zum Ritter geschlagen und heiratete auf der Azoreninsel Fayal, wo eine flämische Kolonie bestand, in den portugiesischen Adel ein. Erbangelegenheiten führten Behaim 1490 zurück nach Nürnberg. Drei Jahre verweilte er in seiner Geburtsstadt, wo er zusammen mit dem Maler Georg Albrecht Glockenthon (Glockendon) das Werk schuf, das ihm den Ruhm der Nachwelt einbrachte: den "Behaimschen Erdapfel". Der 1492 fertiggestellte Erdglobus ist ein Zeugnis des geographischen Weltbildes zur Zeit von Christopher Kolumbus unmittelbar vor der Entdeckung der neuen Welt. Die Kugel besteht aus geleimten Holzstreifen, ist mit Papier und Gips überzogen sowie mit bemaltem Pergament bespannt. Sie ruht auf einem eisernen Dreifuß und dreht sich um eine schiefgestellte Achse.

1493 kehrte Behaim über Flandern und Frankreich nach Portugal zurück, hielt sich nochmals bis 1506 auf Fayal auf und ging dann wieder nach Lissabon, wo er am 29. Juli 1507 verarmt in einem Hospital verstarb.

Der Behaimsche Erdapfel stand bis Anfang des 17. Jahrhunderts im Rathaus der Stadt Nürnberg, wurde dann der Familie Behaim übergeben und von dieser ab 1906 dem Germanischen Nationalmuseum als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Als die Familie Behaim den Erdglobus in die USA verkaufen wollte, wurde er 1937 von Reichskanzler Adolf Hitler und dem Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Willy Liebel, erworben, um ihn dem Museum endgültig zu übergeben.

Foto: Büste Martin Behaims in der Ruhmeshalle


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