© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30-07 vom 28. Juli 2007

Klaus D. Voss:
Atompanne

Das Geschäft der Politiker ist der Umgang mit der öffentlichen Meinung. Manche verlegen sich so sehr darauf, bis die Grenze zur Demagogie überschritten ist; die Rede ist von Sigmar Gabriel.

Die Umkehrprobe: Die Wirtschaftsunternehmen unseres Landes konzentrieren sich auf Märkte, Renditen und Karrieren, das Gespür für den Umgang mit der öffentlichen Meinung ist - bis auf ganz wenige Ausnahmen - katastrophal. Womit wir bei Vattenfall wären.

Wie die Partie ausgegangen ist, wissen wir inzwischen. Wenn Gabriel hinlangt, werden aus Kernkraftwerken schnell "Gefährdungsreaktoren", und ohne Gegenwehr konnte der Minister auch seinen Freischwimmer im Atomrecht machen: So etwas wie ein Lizenzentzug ist nach dem Atomgesetz praktisch unmöglich - das war nur so ein Betäubungsmittel für die Medien.

Und wenn nur einer von Gabriels Vorwürfen, die beiden Reaktoren in Brunsbüttel und Krümmel seien zur Schrottreife abgewirtschaftet, stimmen sollte, dann hätte die Kieler Atomaufsichtsbehörde all die Jahre nur Feierabend gemacht.

So ist es wirklich nicht. Ohne irgend etwas verharmlosen zu wollen: die Betriebsstörungen in den Reaktoren wurden vom Personal im Ganzen schnell und gründlich behoben.

Die Atompanne begann erst danach: Die Vattenfall-Manager hatten nicht begreifen wollen, daß es nicht um die Erörterung der Vorfälle in Krümmel und Brunsbüttel geht. Sondern um den Generalangriff der Atomgegner auf die eben erst zurückkehrende Wertschätzung der Kernenergie für die Versorgungssicherheit und - wenn man so will - die Umsetzung der Klimapläne. Da zögert ein Gabriel keine Sekunde.


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