© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-07 vom 04. August 2007

Klaus D. Voss:
Via Baltica

Dafür hat die EU-Kommission uneingeschränktes Lob verdient: Sie hat Polen davon abgebracht, ein einzigartiges Naturschutzgebiet zu zerstören, wenigstens bis auf weiteres. Der Bau der Autobahn Via Baltica wäre jetzt durch das Rospuda-Tal getrieben worden, ein Biotop südlich der Rominter Heide aus Flußtal und Niedermoor, wie es westlich des Ural kein zweites gibt.

Polen ist das sperrigste Mitglied der Gemeinschaft; die EU hat Warschau daran erinnern müssen, daß das Land sich nach dem Beitritt nicht nur die Vorteile greifen darf, sondern sich auch den Regeln der Union unterwerfen muß. Die EU schützt intakte Naturlandschaften als gemeinsamen Besitz.

Die Via Baltica soll die drei baltischen Staaten in Warschau an das europäische Schnellstraßennetz anschließen. Die Bevölkerung von Augustow im Rospuda-Tal verlangt die Autobahn als Entlastungsstrecke, weil sie dem ausufernden Lkw-Verkehr ausgesetzt ist - wie andere an der Ost-West-Trasse auch.

Nur allzu gern hätte die populistische Kaczynski-Regierung das Naturjuwel Rospuda ihren Wählern geopfert.

Jetzt erst einmal fügt sich Warschau einem Baustopp an der Via Baltica, und es bleibt Zeit, eine neue Linienführung zu prüfen. Dazu hatte EU-Kommissar Stavros Dimas aber auch dem Kabinett Kaczynski die scharfe Seite des Säbels zeigen müssen - die Drohung mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof und der Sperre von Fördergeldern.

Eine schwere Lektion für die Regierung Kaczynski, vermutlich nicht die letzte. Das Zusammenleben unter dem Dach Europa verlangt Polen noch ganz andere Einsichten ab.


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