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04.08.07 / Sarkozy erregt die Gemüter / Vorbehalte zum französisch-libyschen Atom-Projekt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-07 vom 04. August 2007

Sarkozy erregt die Gemüter
Vorbehalte zum französisch-libyschen Atom-Projekt
von R. G. Kerschhofer

Das französisch-libysche Atom-Projekt schlägt hohe Wellen - doch die internationale Erregung hat höchst unterschiedliche Ursachen. Da ist einmal die Tatsache, daß Präsident Sarkozy seine Partner in EU und Nato überrumpelt hat. „Vertrauensbildend“ ist das gewiß nicht, und Berichte, daß Frankreich Siemens aus gemeinsamen Nuklear-Aktivitäten auszukaufen trachtet, wirken um so glaubhafter.

Man kann natürlich grundsätzliche Einwände haben, etwa gegen die Kernkraft an sich. Oder gegen die „Verbreitung von Nukleartechnologie in Krisenregionen“ - ehrlicher ausgedrückt, in arabischen und muslimischen Ländern, denn Israel verfügt längst über einsatzfähige Kernwaffen. Solche ideologischen Vorbehalte haben den Vorteil, daß man gegenteilige Meinungen vom Tisch fegen kann, ohne auf Argumente einzugehen.

Wie sieht es aber in nüchterner Betrachtung aus? Was die Außenminister Frankreichs und Libyens in Anwesenheit ihrer Staatspräsidenten unterzeichneten, ist kein Vertrag, sondern ein Partnerschaftsabkommen. Darin gibt es als bloße Absichtserklärungen verschiedene Punkte, etwa Waffengeschäfte - und eben ein Atomkraftwerk, das Strom für eine noch zu errichtende Meerwasser-Entsalzungsanlage liefern soll. Alle technischen und finanziellen Einzelheiten müssen also erst erarbeitet werden, ehe ein Vertrag zustandekommt. Bis zur Inbetriebnahme sind weitere fünf bis sechs Jahre anzusetzen.

Sarkozys Generalsekretär Claude Guéant spricht sogar von einem „Vorhaben“, dessen „Machbarkeit“ erst geprüft werden müsse. Es gebe zu wenig Trinkwasser in Libyen, und mit der „erneuerbaren Atomenergie“ könnte das Wasser entsalzt werden. Die Sache ist dennoch nicht spontan dem Hirn Sarkozys entsprungen, vielmehr war schon einen Monat davor eine hochrangige französische Kernenergie-Delegation in Libyen.

Ökonomisch ist das Projekt jedenfalls plausibel, denn angesichts der heutigen Ölpreise wäre es auch für die Golfstaaten rentabler, ihre Entsalzungsanlagen mit „Atom-Strom“ zu betreiben. Technisch geht es um einen Leichtwasserreaktor, genauer gesagt um einen Druckwasserreaktor, den Framatome baut - nichts anderes. Die Brennstäbe dafür enthalten nur vier Prozent Uran 235, und waffenfähiger Abfall entsteht nicht. Also doch alles in Ordnung? In materieller Hinsicht ja, die Verärgerung aber bleibt.

Offizieller Besuch bei Gaddafi: Der französische Präsident erkennt damit den Terrorunterstützer als Partner an. Foto: pa


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