© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-07 vom 04. August 2007

Tiefschlag aus den USA
Muscharraf weiter geschwächt - Pakistans Krise verschärft
von R. G. Kerschhofer

Seit Erstürmung der „Roten Moschee“ durch die Armee hat sich die Lage weiter verschlechtert. Erwartungsgemäß, kann man sagen, denn bei der Aktion mitten in der Hauptstadt Islamabad waren über hundert Menschen getötet worden, und auch die Sicherheitskräfte verloren elf Mann. Islamistische Gruppen setzen nun tagtäglich ihre Racheschwüre in die Tat um. Anschläge richten sich gegen Polizei, Militär und Vertreter des Regimes, doch wie immer kommen auch Unbeteiligte zu Schaden. Dabei geht fast unter, daß die Aktionen der Separatisten in Belutschistan ebenfalls zunehmen.

Die „Rote Moschee“ wurde offiziell auf „Freitags-Moschee“ umbenannt und erhielt einen neuen Vorbeter. Als sie aber letzten Freitag wiedereröffnet wurde, verjagten die zum Freitagsgebet Versammelten den von der Regierung eingesetzten neuen „Maulana“ und begannen die Außenmauern rot anzustreichen. Die Moschee wurde gewaltsam geräumt, und gleichzeitig kam es in unmittelbarer Nähe zu einem verheerenden Selbstmordanschlag.

Präsident Muscharraf mußte weitere Schlappen einstecken. Die von ihm im März verfügte Absetzung des obersten Richters Chaudry war nicht nur Auslöser blutiger Massenproteste: Vom obersten Richtergremium wurde sie jetzt auch für ungesetzlich erklärt, und der wieder in sein Amt eingesetzte Chaudry scheint sogar zu einem politischen Idol aufzusteigen. Unverdientermaßen, denn auch er - wie praktisch jeder Amtsträger in Pakistan - steht unter Korruptionsverdacht.

Wie kritisch die Lage für Muscharraf ist, zeigt sich daran, daß er Oppositionspolitiker umwirbt, vor allem die wegen Korruption abgesetzten früheren Ministerpräsidenten Nawas Scharif und Benazir Bhutto. Muscharraf machte eigens einen Kurzbesuch in Mekka, um auf dem Weg dorthin wie zufällig Bhutto in ihrem Exil in Dubai zu treffen. Bhutto und andere Oppositionelle verlangen allerdings, daß Muscharraf das Heereskommando abgibt, falls er sich bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst im Amt bestätigen lassen wolle.

Einen wahren Tiefschlag erhielt Muscharraf aber von den USA: Bushs Sicherheitsberaterin Frances „Fran“ Townsend drohte mit direkten US-Militäraktionen in Pakistan „zum Schutz des amerikanischen Volkes“. Die US-Geheimdienste melden nämlich ein Wiedererstarken von El-Kaida und Taliban. Das von Muscharraf im Vorjahr in der „Nordwest-Grenzprovinz“ mit den Stammesführern getroffene Abkommen, das diesen die „Polizeikontrolle“ übergab, trug zwar dem auch für Afghanistan geltenden Umstand Rechnung, daß ohne die Stammesführer rein gar nichts geht. Allerdings profitierten davon auch Terroristen. Und Drogenschmuggler.

Pakistans Außenminister reagierte heftig auf die US-Drohungen. Umgehende Beschwichtigungsversuche, man betrachte Pakistan weiterhin als „verläßlichen Partner“, ändern aber nichts daran, daß auch die letzten US-Sympathisanten verprellt sind - um so mehr als die USA fast zeitgleich ein großzügiges Atom-Abkommen mit Indien schlossen.


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