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04.08.07 / 100 Augen für die Liebe / Ferien zu Hause können auch sehr reizvoll sein

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-07 vom 04. August 2007

100 Augen für die Liebe
Ferien zu Hause können auch sehr reizvoll sein
von Anne Bahrs

Nun bin ich nicht mehr enttäuscht darüber, daß es mir in diesem Sommer nicht möglich ist, zu verreisen, wie ich es im Winter erträumt hatte. Denn ich habe unseren Stadtpark entdeckt, den ich natürlich schon lange zu kennen glaubte, weil ich darin an Sonntagnachmittagen schon spazierte.

Heute nun habe ich mir gar nichts weiter vorgenommen, als den schönen Sommertag im Freien zu verbringen. Die Kinder sind glücklich über den Spielplatz und das Planschbecken im Stadtpark, der keinen Eintritt kostet. Ich sitze im Schatten großer Bäume auf einer Bank und denke an nichts. Wie gut tut es, in Muße den Vögeln zuzuschauen, die sich von einigen Besuchern ohne Scheu füttern lassen!

Beindruckend stolz schreitet ein Pfau daher. Den langen Schwanz trägt er wie eine Schleppe. Er ist offenbar an Menschen gewöhnt, frißt meinem Nachbarn die Brotkrumen fast aus den Händen und läßt mir dadurch Zeit, sein hübsches Federkleid zu bewundern. Wie schwarze Perlen blinken darin seine Augen in der weißen Umrahmung dauniger Federn, die sich im eleganten Schwung zum Schnabel hin fortsetzt, dem Gesicht einen interessanten Ausdruck gibt. Ein breiteres, tiefblaues Band aus seidigem Flaum kommt von der Stirn her, legt sich schillernd um den schlanken Hals und den Rumpf. Grau, braun, violett und schwarz-weiß-perlig gemustert setzen die Flügel an und auch schon die bunten Rückenfedern. Der lange Schwanz mit den Augenattrappen auf azurblauem Grund mit dunkelvioletten Pupillen, umgeben von der smaragdgrünen Iris, darum ein rötlich-goldenes Feld im hellen gelb-grünen Ring und - Augenbrauen gleich - darüber eine lila Zeichnung, verleiht diesem Vogel seine Eleganz.

Ich werde abgelenkt, weil ein weißer Pfau aus dem Buschwerk unter dem schattenspendenden Baum hervor kommt, mit seinem Schnabel einige Blätter und Zweige aufsammelt und sie sorgsam ins Gebüsch trägt, als störe dieses Herumliegen auf gepflegter Rasenfläche seinen Ordnungssinn. Der Pfau sieht sich um, denn ein zweites, größeres Exemplar seiner Gattung schreitet majestätisch daher, dreht sich galant einige Male um sein Gegenüber, breitet die strahlend weißen, langen Schwanzfedern zu einem flachen Halbrund, der sich dann langsam aufrichtet und sich zu einem filigranen Fächer mit wohl 100 Augen gestaltet. Der Vogel dreht sich, sein Federkleid zittert vor Aufregung. Das Spiel dauert nur einige Minuten. Die Pfauenhenne setzt sich nieder und läßt sich umtanzen.

Langsam faltet der Brautwerber sein herrliches Federkleid zusammen. Doch die Umworbene wendet abgelenkt den Kopf zur Seite. Da sieht er sich zu neuem Tanz veranlaßt. Noch temperamentvoller, noch aufregender ist sein Bemühen. Ich zweifle nicht, daß er sein Ziel erreichen wird, denn solcher Schönheit, diesem Glanz wird sich die Pfauenfrau nicht versagen können.

Das wunderschöne Bild vom farbenprächtigen, naschenden, dem balzenden weißen Pfau und der vor ihm sitzenden Henne erscheint mir noch im Schlaf. Ich träume mich hinein in orientalische Paläste, durch die diese graziösen Vögel wie Haustiere schreiten und den Zauber der Märchen aus Tausendundeiner Nacht in die Gegenwart holen sollen.

Nein, wir müssen nicht verreisen, denn Ruhe, Schönheit, Liebe und Dankbarkeit schauen und empfinden wir auch zu Hause.


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