© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-07 vom 04. August 2007

Die ostpreussische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,

liebe Familienfreunde,

heute kann ich verkünden, daß das von unserer Redaktion geplante Symposium „Die Flucht“ bereits sehr konkrete Formen angenommen hat. Fest steht nun, daß es von Donnerstag, 13. September, bis Sonntag, 16. September 2007, in der Jugendbildungs- und Tagungsstätte Ostheim, Bad Pyrmont, stattfinden wird. Wir wollen anhand des zweiteiligen TV-Filmes „Die Flucht“ und der im Anschluß gesendeten Dokumentation „Die Flucht der Frauen“ allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Gelegenheit geben, dieses Geschehen, das so gravierend in unser aller Schicksal eingegriffen hat, in offenen Gesprächen aufzuarbeiten. Ergänzt wird das Programm durch Ausführungen der Referenten, die zu einzelnen Themen Stellung nehmen - zumeist anhand eigener Erlebnisse - und sie moderierend in den Gesprächsrunden weiterführen. Da uns auch eine Aufzeichnung der Kerner-Gesprächsrunde vorliegt, in der Zeitzeugen zu Worte kamen, können wir alle Sendungen zu diesem Komplex gebündelt zeigen. Das ist besonders für die Teilnehmer wichtig, die nicht alle Sendungen gesehen haben. Wir sind natürlich froh, daß Anita Motzkus, die in der Dokumentation „Die Flucht der Frauen“ so beeindruckend ihre Erlebnisse als „Wolfskind“ schildern konnte, dabei ist und über die Dreharbeiten berichtet. Hans Graf zu Dohna wird aufgrund seiner Herkunft und Kindheit auf Schloß Waldburg das Thema „ostpreußischer Adel“ beleuchten, Christa Pfeiler-Iwohn das der verlassenen Kinder, die in russischen, polnischen, später in deutschen Waisenhäusern gesammelt wurden. Zeitzeuge ist auch der international bekannte Naturschutzexperte Henry Makowski, der als sehr junger Mensch mithalf, das wertvolle Material der Vogelschutzwarte Rossitten zu retten und der - da solche Tage auch Auflockerungen verlangen - sich bereit erklärt hat, das Symposium mit einem Diavortrag über den Storch und das Storchenland Ostpreußen zu bereichern. Frau Sibylle Dreher, BdV Frauenverband, wird ihre Erfahrungen aus dem Traumatologischen Gesprächskreis „Lange Schatten“ einbringen, für eine seelsorgerische Betreuung ist gesorgt. Wir freuen uns auch, daß die Bundesvorsitzende der ostpreußischen Frauenkreise, Uta Lüttich, weitgehend die Moderation übernehmen will. Soweit zu dem bereits feststehenden Programm, Gespräche mit TV-Schaffenden, die an den Produktionen mitwirkten oder weitere planen, werden zur Zeit noch geführt.

Die erste Vorankündigung in unserer „Ostpreußischen Familie“ ist bereits auf reges Interesse gestoßen. So schreibt Frau Elisabeth Krahn: „Die Idee, über Flucht und Vertreibung zu sprechen, ist nicht nur gut, sondern auch notwendig. Schon jetzt möchte ich mich anmelden, denn als damals Neunjährige erlebte ich alles mit, ohne es einordnen zu können.“ Und Frau Regina Gronau bezeichnet die Idee sogar als phantastisch, bedauert nur, daß sie und ihre Freundin aus Termingründen nicht dabei sein können. Nicht so schlimm, liebe Heimatgefährtinnen aus Bad Schwartau: Falls das Interesse so groß ist, daß nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden können, sind schon Nachfolgesymposien eingeplant.

Deshalb bitte ich alle, die eine Teilnahme erwägen, sich schon jetzt anzumelden, damit die Unterlagen zugesandt werden können. Als Vorinformation: Die Kosten für das viertägige Symposium mit Unterkunft im Ostheim, Verpflegung und Teilnahmegebühren betragen 70 Euro. Anmeldungen sind zu richten an die Redaktion der PAZ / Das Ostpreußenblatt, betr. Symposium „Die Flucht“, Parkallee 84/86, 20144 Hamburg, Telefon (0 40) 41 40 08 32, Fax (0 40) 41 40 08 50, E-Mail: redaktion@preussische-allgemeine.de

Eine große Bitte habe ich noch: Geben Sie diese Informationen in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weiter, vor allem an diejenigen, die unsere Zeitung nicht kennen. Das betrifft auch die nachfolgenden Generationen, denn aus Zuschriften kann ich entnehmen, daß gerade sie an diesem Thema interessiert sind, weil sie - wenn überhaupt - kaum authentische Informationen bekamen. Schon gar nicht von denjenigen, die Flucht und Vertreibung auf schlimmste Weise erleben mußten.

Aber nun weiter wie gewohnt in unserer Ostpreußischen Familie, denn der Fragen und Wünsche gibt es viele.

Immer bemüht sich der Vorsitzende der Kreisgruppe der Ost- und Westpreußen in Wismar, Herr Benno Krutzke, um die Vermittlung von Wünschen - diesmal für einen Bürger aus der alten, schönen Ostseestadt, der seinen Dienst beim Reichsarbeitsdienst (RAD) 1944 in Ostpreußen ableistete. In der Nähe des RAD-Lagers Johannisburg wohnte eine Frau Gerda Sembritzki, die damals unverheiratet war. Der Suchende interessiert sich für das Schicksal dieser Frau und hofft, daß sie diese Zeilen liest oder daß jemand aus unserm Leserkreis einen Hinweis geben kann, ob und wo sie lebt. Zuschriften an Herrn Benno Krutzke, Neptunring 21 in 23968 Wismar, Telefon (0 38 41) 63 66 53.)

„Ich möchte versuchen ob es noch Möglichkeiten gibt, etwas über meine Ahnen zu erfahren“, schreibt Erhard Barnowski aus Mülheim / Ruhr. Natürlich gibt es noch immer Möglichkeiten, eine davon ist unsere Ostpreußische Familie, weil sie die Landsleute anspricht, die vor allem über das Umfeld der betreffenden Personen etwas sagen können. In diesem Falle ist es Dannenberg im Kreis Elchniederung - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ort im Kreis Tilsit-Ragnit -, etwa 13 Kilometer südwestlich von Kuckerneese (Kaukehmen) an der Gilge gelegen. Die zur Gemeinde Rauterskirch gehörende Ortschaft bestand aus mehreren, verstreut liegenden Höfen, einer davon gehörte dem Großvater des Suchenden, Arthur Barnowski, *7. Juni 1877, Sohn von Otto-Albert Barnowski. Über diese Vorfahren und ihren Heimatort möchte Erhard Barnowski, der noch in Ostpreußen geboren wurde, gerne mehr wissen. Vielleicht gibt es ältere Niederunger, die Angaben über diese Familie machen können. (Erhard Barnowski, Lüderitzstraße 40 in 45473 Mülheim / Ruhr, Telefon 02 08 / 76 36 58.)

Unsere Leserin Elfi Damian aus Hamburg bezeichnet sich zwar als Nicht-Ostpreußin, aber ihre Vorfahren kommen von dort, und ihr Brief zeugt von liebevollem Interesse an der Heimat ihrer Großeltern, das auch durch einen kürzlichen Besuch bestätigt wird. Leider führte dieser nicht zu den erhofften Informationen, denn der russische Taxifahrer war vor Ort nicht bereit, auszusteigen und mit den heute dort lebenden Menschen zu sprechen Das war in Sarken bei Lyck, wo ihr Großvater Ludwig Kowalewski am 26. März 1863 geboren wurde. Er mußte aber bereits mit 17 Jahren das Gut verlassen, weil er „etwas angestellt hatte“ und nicht bereit war, Abbitte zu leisten - so die Familiensaga. Der junge Mann ging zu den Ulanen nach Insterburg, wo er die zwei Jahre ältere Auguste Michlow kennenlernte, die ebenfalls ihr Elternhaus in Kalnischken verlassen hatte. Beide zog es nach Hamburg, wo sie 1890 heirateten. Großmutter Auguste holte dann noch ihren Bruder und zwei Schwestern nach. Ihre Tochter, Frau Damians Mutter, hat leider die verwandtschaftlichen Beziehungen nicht gepflegt, hinzu kam, daß alle Unterlagen - bis auf den Ahnenpaß - durch Ausbombung verlorengingen, so daß sich die Enkelin nur auf die Erzählungen ihrer Großmutter stützen kann, die für sie unvergessen blieben. So möchte sie mehr über die Heimat ihrer Großeltern erfahren, stieß aber immer auf Schwierigkeiten. Wie auf der Suche nach dem Geburtsort ihrer Großmutter, denn den Ort Kal(l)nischken konnte sie nicht finden, und ich muß gestehen, auch ich hatte Schwierigkeiten, denn es gab drei Ortschaften dieses Namens, die dann - bis auf die im Memelland - 1938 umbenannt wurden in Hohentann (Kreis Schloßberg) und Kunzmannsrode (Kreis Goldap). Großmutter Auguste soll auch immer den Ort Grabowen erwähnt haben, wo sie wohl zur Schule ging. Aber Orte dieses Namens gibt es nun auch mehrere, ich fand dann heraus, daß Kunzmannsrode zum Kirchspiel Arnswald gehörte, und das hieß früher Grabowen. Ostpreußische Ortsnamen sind eben schon eine Wissenschaft für sich! Liebe Frau Damian: Wir haben jedenfalls den Geburtsort Ihrer Großmutter sicher geortet. Er wird übrigens von den Polen „Kalniszki“ genannt und ist 15 Kilometer südwestlich von Goldap zu finden. Soweit konnte ich Ihnen helfen. Mehr berichten über die Herkunftsorte Ihrer Großeltern können sicher unsere Landsleute, die von dort stammen, und vielleicht finden sich auch noch entfernte Verwandte. (Elfi Damian, Mahlhaus 20 in 22159 Hamburg, Telefon 040 / 6 43 33 12.)

Eure

Ruth Geede


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