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04.08.07 / Billy, Einheimischer unter Fremden / Ein Pferd behauptet sich - Wanderreiten in Österreich

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-07 vom 04. August 2007

Billy, Einheimischer unter Fremden
Ein Pferd behauptet sich - Wanderreiten in Österreich
von Helga Schnehagen

Ein Außenseiter ist er schon, der Billy, auf dem Wanderreiterhof Kern auf der Mühlviertler Alm. Hier, wo Criollos und Pintos Einzug gehalten haben, ist er der einzige Haflinger unter rund 20 „Ausländern“ im Stall. Mit ihrer Robustheit kann er allemal mithalten. Mit dem unkomplizierten Wesen ist es da schon anders. Billy kam im Alter von fünf Jahren zu den Kerns. Er hatte einer Schulfreundin von Sabine Kern gehört, die mit ihm nicht zurechtkam. Billy biß, stieg und buckelte. Das war 1994.

Einmal auf dem Kernschen Hof, ward von dem „bösen“ Billy nichts mehr gesehen. Vor lauter Arbeit hatte er keine Zeit mehr, über seine Unarten nachzudenken - und vergaß sie. Ein übriges tat die Offenstallhaltung. Hier hörte selbst die Zankerei mit den Artgenossen auf. Auch in der „Herde“ wußte Billy nach kurzer Zeit, wo sein Platz ist.

Billy avancierte schnell zum Profi unter den Wanderreitpferden. „Besonders für etwas gewichtigere Gäste ist er im Einsatz“, sagt Sabine Kern. „Wir nehmen ihn auch gern für Reiter, die Pferde leicht verärgern. Durch seine Nervenstärke macht ihm das nichts aus. Er weiß schon, wie er sich mit ihnen arrangiert.“ Dann fügt sie noch hinzu: „Am Anfang machen viele Gäste einen Bogen um Billy und schielen nach seinen exotischen Kameraden. Doch nach dem ersten Test möchten sie ihn nicht mehr missen.“

Mittlerweile ist Billy 18 Jahre alt und noch immer top fit. Er hält die Fahne hoch für die Einheimischen unter den Zugereisten, die im oberösterreichischen Mühlviertel für einen Hauch von Wildem Westen sorgen. Dem naturbegeisterten Wanderreiter wird die Rasse seines Pferdes allerdings egal sein, wenn es ihn nur zuverlässig auf seiner Tour begleitet.

Für alle, die es „echt western“ lieben, hat die reitbegeisterte Familie Kern einen zweiten Hof gebaut: die Stone Hill Ranch in abgelegener Höhe. Wer hier aus der Hängematte von Kentucky, Virginia oder Montana - so heißen die urigen Blockhaus-Bungalows - auf die Pferde blickt, mag die Stiefel hoch legen, den Stetson ins Gesicht ziehen und sich ganz weit weg wähnen.

560 Kilometer ausgeschilderte gepflegte Reitwege durchziehen die Mühlviertler Alm, die mit ihren sanften Hügeln, dunklen Wäldern und romantischen Wildbächen den Wanderreiter ganz real allerdings durch eine mitteleuropäische Bilderbuchlandschaft führt. Die amerikanische Prärie ist in der Tat weit.

Doch auch ohne Staub und glühende Hitze ist dieses 35 x 35 Kilometer große Stückchen begnadeter oberöstereichischer Erde östlich von Linz ein Dorado für alle, die auf dem Pferderücken ausspannen möchten. Mit seinen 20 Reitherbergen und 40 Pferderast-Stationen findet der Wanderreiter hier eine perfekte Infrastruktur vor, ohne dabei das Gefühl für die Einsamkeit der Natur zu verlieren. Pferdefreundlich sind hier alle. Da öffnet genauso der Bürgermeister dem Reiter sein Haus wie die Lehrerin Barbara und holt das Schnapsflascherl heraus. Steht ein Haflinger vor der Tür, ist die Freude über den „Einheimischen“ besonders groß.

Mühlviertler Alm, A-4273 Unterweißenbach 19, Telefon (00 43 (0) 79 56 ) 73 04, www.pferdereich.at, oder Wanderreiterhof Kern: Landshut 28, A-4273 Unterweißenbach, Telefon (00 43 (0) 79 56) 71 01 - 0, www.wanderreiter.at <http://www.wanderreiter.at>

Zu Fuß weiter: Manchmal heißt es auch runter vom hohen Roß. Foto: www.wanderreiter.at


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