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25.08.07 / Der Finger am Abzug: Putins neue Drohung / Strategische Atombomber wieder im Einsatz – Eine Antwort aus Königsberg

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-07 vom 25. August 2007

Der Finger am Abzug: Putins neue Drohung
Strategische Atombomber wieder im Einsatz – Eine Antwort aus Königsberg
von Klaus D. Voss

Man muß in diesen Tagen nur nach Königsberg reisen, um die Diagnose auf die russische Krankheit zu finden. Die letzte schlechte Nachricht dazu: Präsiden Waldimir Putin enthüllte jetzt, daß die strategische Bomberflotte Rußlands wieder rund um die Uhr Patrouille fliegt – mit Atombomben an Bord. Putin hat den Finger wieder am Abzug – wie im Kalten Krieg. Aber warum?

Die Antwort aus Königsberg: Die Stadt hätte alles, um ein florierendes Zentrum zu sein. Ideale Nähe zu den europäischen Märkten, dazu eine in Jahrhunderten gewachsene Bildungstradition, die man nur aufnehmen müßte. Es gibt greifbare Vorbilder für Wissenschaft, Forschung, für Wirtschaft und Handel, für Landbau und Viehzucht – eine alte Kulturlandschaft, der man sich nur annehmen müßte, um beste Erträge zu erzielen. Und nicht zuletzt gibt es historisch-patriotische Bindungen, vor allem aus Deutschland, die wirtschaftliche Engagements dort gewissermaßen zur staatsbürgerlichen Pflicht machen dürften. Aber die Bilanz der Putin-Jahre für Königsberg sieht mager aus, nahezu alle Entscheidungen über Investitionen sind kurz nach der Grenzöffnung zu Zeiten Boris Jelzins gefallen.

Die Vergleichsmaßstäbe setzen heute die Nachbarn in Litauen und Polen, die sich schon den wirtschaftlichen Vorsprung einer ganzen Generation herausgearbeitet haben. Königsberg und sein Umland, das Entwicklungschancen hätte wie kein zweites Subzentrum neben der Region Moskau, fällt weiter zurück. Was in Königsberg nicht funktionieren will, kann anderenorts erst recht nicht gelingen.

Die russische Regierung schafft es nicht, die Anreize zum wirtschaftlichen Aufschwung zu setzen – das Land lebt aus den Subventionen, die der Gas- und Öl-Export möglich macht. Es ist ein riskantes Unterfangen, denn die einstigen Großindustrien sterben ab und mit ihnen die Arbeitsplätze. Eigentlich müßte Moskau jetzt konsequent den Mittelstand fördern, den Motor einer jeden Volkswirtschaft. Aber sichtbar sind nur die Zeichen des Reichtums der „neuen Russen“: Villen, Nobelkarossen, Edel-Etablissements. Die Subventionswirtschaft verwöhnt ihre Günstlinge, während die Menschen, vor allem die Rentner, verarmen.

Solange die Weltmärkte Spitzenpreise für die Gas- und Ölexporte hergeben, geht es Rußland noch gut. 1997, als die Rohstoff-Preise eingebrochen waren, stand Moskau am Rande eines Staatsbankrotts. Aber seitdem treibt eine Krise nach der anderen die Preise hoch, und Moskau profitiert davon: Krisenmanagement auf russisch heißt, daß die Preise niemals mehr fallen dürfen. 

Es ist kein großer Gedankensprung nötig, warum Putin die ganze Macht seiner Armee demonstrieren läßt.

Die Moskauer Fernsehanstalten hatten den Einsatz der strategischen Bomberflotte pompös inszeniert, um die vaterländischen Gefühle zu wecken – die große Bindekraft der Russen.

Das Land steht vor den Parlamentswahlen, und Putin muß seiner Partei die Mehrheit sichern.

Die Wahlwerbung hängt schon in Königsberg: „Putin plant die Zukunft Rußlands“ – von der Opposition ist nichts zu sehen, weder im Fernsehen, noch an den Plakatwänden. (Siehe auch Berichte auf Seite 7).


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