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25.08.07 / Verdrehter Baumwoll-Markt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-07 vom 25. August 2007

Verdrehter Baumwoll-Markt

In Europa wird die Landwirtschaft mit enormen Summen subventioniert. Mit der Subvention von Produkten, die auf dem globalen Markt gehandelt werden, werden allerdings jene Staaten benachteiligt, die die subventionierten Produkte selbst zu geringeren Preisen produzieren und durch die vom US-amerikanischen und EU-regierten Weltmarkt so in eine Abseitsposition gedrängt werden.

Traurige Beispiele sind die Entwicklungsländer auf dem afrikanischen Kontinent. So war es den afrikanischen Zuckerproduzenten bis vor kurzem kaum möglich, am Marktgeschehen teilzunehmen, weil die EU mit dem stark bezuschußten eigenen Zucker die Afrikaner vom Markt verdrängte. Die Welthandelsorganisation (WTO) entschied, daß das sogenannte Zuckerprotokoll gegen die WTO-Regeln verstoße, als Folge mußte die EU die Preise seit 2006 schrittweise um 39 Prozent senken. Während die EU Milliarden in die Entwicklungshilfe steckt, torpediert die EU-Agrarpolitik diese Bemühungen durch eine kolonial anmutende Marktstrategie im Umgang mit den afrikanischen Staaten. Besonders kraß stellt sich die Situation auf dem Baumwollmarkt dar. Griechenland und Spanien sind die einzigen Baumwollproduzenten der EU, diese werden jedoch so massiv bezuschußt, daß der Preis der Rohbaumwolle auf dem Weltmarkt zunehmend fällt und Ländern wie Mali, Burkina Faso oder Benin die Teilnahme am Welthandel erschwert. Würden diese Subventionen wegfallen, ergäben sich für die Produzenten in den west- und zentralafrikanischen Staaten Mehreinnahmen in Höhe von rund 250 Millionen US-Dollar aus dem Export der Baumwolle. Laut Berechnungen des Internationalen Baumwollkomitees (ICAC) würde die weltweite Abschaffung von Subventionen den Weltmarktpreis um 31 Cent pro Pfund Rohbaumwolle erhöhen. Auch wenn die EU nur rund 250000 Tonnen, 47 Prozent ihrer Produktion, Rohbaumwolle exportiert, das doch mehr als die gesamten Exporte aus Mali, dem größten Baumwollexporteur im Sahel.

Im Jahr 2003 standen 350 Milliarden Dollar Agrarsubventionen einem Entwicklungshilfebudget von 50 Milliarden Dollar gegenüber. Entwicklungshilfe als Ablaß.           M. Albrecht


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