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25.08.07 / Die Angst vorm Terror schüren / Die Spur des Anschlags auf den »Newskij Expreß« führt offiziell nach Tschetschenien

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-07 vom 25. August 2007

Die Angst vorm Terror schüren
Die Spur des Anschlags auf den »Newskij Expreß« führt offiziell nach Tschetschenien
von M. Rosenthal-Kappi

Nur wenige Tage nach der Entgleisung des Personenzugs „Newskij Expreß“ auf der Hauptverbindungsstrecke zwischen Moskau und St. Petersburg auf der Höhe der Stadt Nowgorod, 500 Kilometer nördlich von Moskau, tauchten in der russischen Presse    Gerüchte auf, daß es überhaupt keine Explosion gegeben habe, der Zug wegen des schlechten Zustands des Schienennetzes oder wegen Materialermüdung an der Lok einfach so entgleist sei.

Diese Gerüchte stützen sich auf ein geheimes Referat des Verkehrsministeriums, das jemand auf dem persönlichen Schreibtisch des Ministers Igor Lewitin gesehen haben will. Das Verkehrsministerium dementierte die Existenz eines solchen Papiers. Jedoch schlossen einige Journalisten aus den Fotos von der Unfallstelle, daß das nicht allzu tiefe Loch im Schienenbett kaum durch eine Explosion hervorgerufen worden sein dürfte.

Medienberichten zufolge wurden jedoch Einzelteile einer selbstgebastelten Bombe gefunden, die auf ein Attentat schließen lassen. 30 Meter vor der Brücke über den Fluß Tschornaja hatte ein Sprengstoffsatz von zwei Kilo TNT-Äquivalent ein anderthalb Meter tiefes Loch in das Gleisbett unterhalb der Lok gerissen. Der Zug, der auf dieser Strecke eine Geschwindigkeit von 191 Stundenkilometer fuhr und 250 Personen transportierte, passierte die Brücke ohne umzustürzen. Erst dann entgleisten Waggons. 60 Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Nach dem Plan der Terroristen hätte das Attentat ein katastrophales Ausmaß nehmen müssen, wenn der Zug auf der Brücke entgleist und in den Fluß Tschornaja gestürzt wäre.

Die Spekulationen über die Täterschaft liefen zunächst in verschiedene Richtungen. Verdächtigt wurden Mitarbeiter der russischen Bahn, die entlassen worden waren, Nationalisten sowie Linksextreme. Die Ermittlungen gingen dann schnell in Richtung Tschetschenien.

Angeblich ging in der Prager Redaktion des Senders „Swoboda“ ein Bekenneranruf der tschetschenischen Freiheitskämpferbewegung „Riad as-Salachin“ ein, die einst Schamil Basajew angeführt hatte.

Gleichzeitig erklärte der Sprecher der Staatsduma, Boris Gryslow, daß Kriminelle aus der Region als Täter in Frage kämen, die sich für die Absetzung der Gebietsregierung rächen wollten.

Die Befragungen der Polizei ergaben, daß ein Mann aus dem Südkaukasus sich auffällig bei Taxifahrern und Ortsansässigen nach den örtlichen Begebenheiten erkundigt habe, weil er ein Geschäft eröffnen wolle. Zum Zeitpunkt des Anschlags wurde er am Tatort gesehen, als er in ein Auto stieg und flüchtete. Weiter wurden zwei Helfer beobachtet.

Drei Personen wurden inzwischen verhaftet. Zwei von ihnen sind linksradikale Aktivisten der „Petersburger Liga der Anarchisten“, einer ultraradikalen Vereinigung. Die beiden arbeitslosen und vorbestraften jungen Männer ohne festen Wohnsitz fuhren mit Waffen im Gepäck nach Nowgorod, um an verbotenen Kriegsspielen teilzunehmen. Der Hauptverdächtige ist ein ebenfalls arbeitsloser 25jähriger Tschetschene. Im Nowgoroder Gebiet gibt es eine wainachische (tschetschenische) Diaspora, in der aufgrund der Zeugenaussagen alle Einwohner verschärft überprüft wurden.

FSB-Chef Nikolaj Patruschew kündigte verstärkte Maßnahmen zur Terrorbekämpfung im Vorfeld der Parlamentswahlen im Dezember und der Präsidentschafswahlen im März 2008 an, bei der alle Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden sollen. Präsident Putin wird persönlich den Stand der Ermittlungen in Sachen „Newskij-Expreß“ überwachen, nachdem er Siegmund Loschis, den Staatsanwalt für besondere Angelegenheiten, bereits eingeschaltet hat.

 Bislang gehen die Ermittler davon aus, daß die Verhafteten unbeteiligt sind. Ob der Anschlag tatsächlich auf das Konto tschetschenischer Extremisten geht, ist unklar. Auf jeden Fall dient er dazu, den kaukasischen Konflikt am Leben zu erhalten.

Foto: Verbrechensaufklärung ist Chefsache: Präsident Putin überwacht persönlich den Gang der Ermittlungen.


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